Bamberg
Denkmalschutz

Barockscheune sucht Käufer

Zwischen der Weide und dem Neubaugebiet Don-Bosco-Straße in Bamberg stehen zwei ungenutzte Einzeldenkmäler, von denen sich die Kommune jetzt trennen möchte.
Die Luftaufnahme zeigt die Lage der beiden Einzeldenkmäler zwischen den Neubauten am Graf-Stauffenberg-Platz (Vordergrund) und der Bebauung auf den rückwärtigen Grundstücken an der Weide. Das Zirkuszelt gehört dem Don-Bosco-Jugendwerk und ist, wie der Parkplatz daneben, von der Pfeuferstraße aus erreichbar. Foto: Ronald Rinklef
Den Zuschlag sollen das beste Konzept und das höchste Gebot erhalten.

Die Stadt trennt sich von der so genannten Barockscheune am Nebingerhof, auch "Tabak-" und "Raulino-Scheune" genannt. Mit ihr zusammen wird das direkt angebaute Wohnhaus verkauft. Das Immobilienmanagement der Stadtverwaltung lotet gerade aus, wer Interesse für welche Art von Nutzung haben könnte. Nach dem Erscheinen eines Inserats in der FT-Wochenendausgabe vom 8./9. Oktober sind im Rathaus schon mehrere Interessensbekundungen eingegangen. Eine Entscheidung trifft der Stadtrat voraussichtlich frühestens im ersten Quartal 2012.

Sowohl die Scheune als auch das Wohnhaus mit der Postanschrift Nebingerhof 20a sind Einzeldenkmäler, die zusätzlich Ensembleschutz genießen. Sie werden nur im Doppelpack verkauft.

Das ist nicht die einzige Vorgabe, die das Immobilienmanagement potenziellen Käufern macht. Wie dessen Leiter Christian Wonka sagt, kommt nur zum Zug, wer ein Sanierungs- und Nutzungskonzept vorlegt, das auch in seiner Finanzierung nachvollziehbar ist. Gehen mehrere attraktive Vorschläge ein, wird das höhere Gebot entscheiden: "Der Kaufpreis ergibt sich aus den Verhandlungen, da jeder Bewerber für sein Nutzungskonzept die Kosten berechnen muss und dann entscheiden muss, was ihm das Ganze wert ist."

Die Stadträte im Finanzsenat haben Ende September die Ausschreibung zum Verkauf beschlossen. Sie können sich in den Gebäuden sowohl Wohnungen als auch "nichtstörendes Gewerbe" wie Büros, Arztpraxis oder eine Künstlerwerkstatt vorstellen. Eine kulturelle Nutzung ist auch nicht ausgeschlossen; darüber müsste die Politik laut Wonka aber eigens entscheiden.

Die Scheune hat auf fünf Ebenen 900 Quadratmeter Nutzfläche, das Wohnhaus rund 160 auf zwei Stockwerken.
Im Rathaus rechnet man mit regem Interesse an dem Immobilien-Paket, weil es Vergleichbares nicht gibt und schon gar nicht in so zentrumsnaher Lage: Das knapp 1500 Quadratmeter große Grundstück liegt weniger als einen Kilometer entfernt von der Fußgängerzone und nur einen Katzensprung von der Konzerthalle und dem Neubaugebiet Graf-Stauffenberg-Platz mit seinem Nahversorgungszentrum entfernt. Käufer profitieren außerdem steuerlich von der Denkmalabschreibung.

Die Kommune verzichtet aus finanziellen Gründen darauf, die Einzeldenkmäler selbst herzurichten. Beide stehen seit Jahrzehnten leer, haben nasse Wände und Balken, die von Schädlingen befallen sind. Der neue Besitzer wird einiges investieren müssen.

Eine Grobschätzung der Sanierungskosten enthält die städtische Ausschreibung gleichwohl nicht. Das sei Absicht, betont Wonka, weil es direkt von der geplanten Nutzung abhängen werde, wie viel Geld die Instandsetzung kostet. Wolle jemand aus der Scheune etwa einen Ausstellungsraum machen, sei das sicher nicht so teuer wie ein Umbau zu Wohnzwecken.

Das Baureferat erstellte vor der Ausschreibung der Einzeldenkmäler erst noch einen Bebauungsplan für das Gebiet westlich der Pfeuferstraße. Vier Baurechte für Mehrfamilienhäuser sind vorgesehen. Sie sollen aber erst vergeben werden, wenn über die Zukunft der Altbauten entschieden ist. Bauplätze befinden sich demnach auf dem ehemaligen Busparkplatz Pfeuferstraße, auf dem Gelände direkt dahinter und auf der Freifläche zwischen der "Barockscheune" und der "Mayerschen Villa" (Pfeuferstraße 16). Bei ihr handelt es sich ebenfalls um ein Einzeldenkmal im Eigentum der Stadt: In dem 1955/1956 errichteten Gebäude sind das kommunale Immobilienmanagement mit den Abteilungen Gebäudewirtschaft und Verwaltung untergebracht.
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