Bamberg
Denkmalpflege

Barockes Aufseßhöflein wechselte Besitzer

Neue Hoffnung für das barocke Aufseßhöflein: Andrea und Stefan Fiedler nehmen sich des stark sanierungsbedürftigen Kleinods in der Bamberger Nordflur an. Die neuen Besitzer sind Liebhaber Denkmal geschützter Bauwerke und was sie über ihre Pläne sagen, klingt vielversprechend.
Mit dem barocken Bauwerk haben Andrea und Stefan Fiedler auch die Einhausung des Einzeldenkmals in der Bamberger Nordflur erworben. Alle Fotos: Michael Gründel
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Das Aufseßhöflein in der Bamberger Nordflur ist ein hochkarätiges Einzeldenkmal und eines der größten Sorgenkinder der Denkmalpflege. Seit Jahrzehnten verfällt es. Das soll nun anders werden, versprechen Andrea und Stefan Fiedler aus Bamberg. Sie haben vor ein paar Wochen das ehemalige Sommerschlösschen erworben.

Den Anstoß dazu gab ein am 29. Juli im FT erschienener Artikel, in dem Assad Wasel (Höchstadt/Aisch) das Einzeldenkmal für 50 000 Euro zum Kauf anbot. Er sagte damals, er habe die Freude an der Rettung des Einzeldenkmals verloren, weil er sich von den Behörden behindert und gegängelt fühlte. Auflagen, die man ihm machte, empfand er als reine Schikane und hinausgeworfenes Geld.
Obwohl später der neue Bamberger Baureferent das Aufseßhöflein und die Verständigung mit Wasel zur Chefsache machte, blieb dieser bei seinem Entschluss.
"Wir haben den Artikel gelesen und Herrn Wasel geschrieben", sagt Andrea Fiedler. Seine Antwort sei nach ein paar Wochen gekommen und man wurde sich schnell einig.

Andrea und Stefan Fiedler kennen das Aufseßhöflein aus Kinderzeiten. Andrea Dorsch ist im Norden Bambergs aufgewachsen und oft auf den Flurbereinigungswegen im Gleisdreieck geradelt, angezogen vom damals schon maroden Charme des Bauwerks. Ihr späterer Mann Stefan Fiedler hat sich auch "schon immer" für das Schlösschen interessiert. Dass sie es eines Tages kaufen würden, war jedoch nie geplant.

Irgendwie hätte es sie zwar immer gereizt, aber sie hätten auch immer andere Baustellen gehabt, sagt das Bamberger Ehepaar. Und Letzteres ist durchaus wörtlich zu verstehen: Acht alte Häuser haben die Fiedlers in den vergangenen Jahren saniert. Mehr oder weniger nebenher, denn beide sind nicht vom Fach: Stefan Fiedler (45) ist Elektroplaner, Andrea Fiedler (43) gelernte Kauffrau. Aus ihrer Liebe zu alten Häusern sei eine Leidenschaft, ja fast eine Sucht geworden, erzählen sie.

Für die behutsame Instandsetzung eines 100 Jahre alten ehemaligen Werkstatt- und Lagergebäudes an der Schweitzerstraße 12 erhielt die Familie den Denkmalpreis der Hypo-Kulturstiftung. Der historische Backsteinbau in Bamberg-Ost ist zurzeit das Zuhause der dreiköpfigen Familie. Die früheren Funktionen der Werkstatträume sind bis heute erkennbar. Für Fiedlers eine Selbstverständlichkeit, wie sie sagen. Der Respekt vor einem Denkmal gebiete es, ihm keine Nutzung aufzuzwingen, die gravierende Eingriffe erforderlich macht.
Mit dieser Einstellung gehen sie eigenen Angaben zufolge auch an das Aufseßhöflein heran, unterstützt von Michael Schelz (Scheßlitz), Diplom-Ingenieur und Innenarchitekt und Freund der Familie.


Was der Zahn der Zeit von der wertvollen Stuckausstattung im so genannten Gartensaal des ersten Stocks übrig gelassen hat, begeisterte die neuen Besitzer beim ersten Besuch im Aufseßhöflein. Ganz anders war Schelz' erster Eindruck: "Ich habe nur gedacht, um Gottes Willen!" Die Stukkaturen an den Wänden seien nur noch bruchstückhaft vorhanden, Puttenköpfe offenbar mutwillig abgeschlagen worden. Trotzdem könne man erkennen, wie kunstvoll die Ausstattung war und was dort verloren zu gehen drohe.
Obwohl nicht nur Schelz seinen Freunden abgeraten hat, sich auf das Sanierungs-Abenteuer einzulassen, und obwohl die ersten Beurteilungen von Statiker, Restaurator und Handwerkern "vernichtend" ausgefallen sein müssen, entschlossen sich die Fiedlers zum Kauf. Es bekümmert sie, "dass es verfällt, dass sich niemand findet, der diesem Gebäude wieder beisteht, es heilt und zu einer Zukunft verhilft".
Nun haben sie freiwillig die Verantwortung für seine Rettung übernommen, sprechen selbst von "einer Lebensaufgabe". Bei aller Euphorie ist ihnen klar, dass die Sanierung sicher einige Jahre dauern wird.

Das Aufseßhöflein ließ sich Philipp Friedrich von Aufseß in den Jahren 1723 bis 1728 als Sommerschlösschen errichten, vor den Toren der Stadt. Baumeister war vermutlich Johann Dientzenhofer. Der Niedergang des Bauwerks begann schon im 18. Jahrhundert: 1778 verkaufte der damalige Besitzer Philipp Heinrich erst das Mobiliar, dann das Anwesen selbst. So gelangte es 1833 in den Besitz der Familie Leumer, die es bis in die 1980er Jahre bewohnte. Nach dem Tod von Adam Leumer erbte ein Sohn das Denkmal und bot es Jahre lang vergeblich zum Kauf an. 2008 erwarb es Assad Wasel aus Höchstadt/Aisch. Vor wenigen Wochen hat der Heilpraktiker es an Andrea und Stefan Fiedler aus Bamberg veräußert.
Trotz seines fast schon erbärmlichen Zustands stellt das Aufseßhöflein für das Landesamt für Denkmalpflege "in der reichen oberfränkischen Denkmallandschaft ein Unikat dar". So urteilt Generalkonservator Egon Johannes Greipl, der höchste bayerische Denkmalschützer.
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