Bambergs einzige Barockkirche, St. Martin am Grünen Markt, muss schnellstmöglich saniert werden. Weil die Instandsetzung selbst im besten Fall bis ins Jahre 2015 oder 2016 dauern wird, bemühten sich Pfarradministrator und Kirchenverwaltung um eine Notlösung. Mit zupackender Hilfe des Krippenbauer-Teams um Martin Schröder und Michael Stretz entstand ein kontemplativer Raum gleich hinter dem Haupteingang. Heute findet dort zum ersten Mal seit Monaten wieder der sonntägliche 19-Uhr-Gottesdienst statt.

Das Provisorium, für das einige Bankreihen um 90 Grad gedreht wurden, dürfte auf lange Zeit bestehen bleiben. Weil vor allem das Tonnengewölbe der gut 300 Jahre alten Martinskirche einem statischen Gutachten zufolge akut gefährdet ist, muss der größte und zentrale Teil des Gotteshauses auf unbekannte Zeit gesperrt bleiben.


Trotz der Einschränkungen wirkt Pfarradministrator Matthias Wünsche erleichtert. Die Gemeindemitglieder hätten das geistliche Zentrum in der Stadtmitte sehr vermisst, seit die Kirche geschlossen war. Die werktäglichen 9-Uhr-Gottesdienste in St. Martin seien "eine Institution", aber deutlich schlechter besucht gewesen, nachdem sie Not gedrungen in die Institutskirche am Holzmarkt hatten verlegt werden müssen. Sie und andere Gottesdienste und Angebote werden ab sofort wieder in der Pfarrkirche stattfinden.

Frühestens ist mit dem Beginn der mehrjährigen Sanierungsarbeiten im September 2013 zu rechnen, sagt Ulrich Manz vom Kirchenvorstand, im Hauptberuf Architekt. Der sportliche Zeitplan setzt voraus, dass bis Ende 2012 bekannt ist, was im Einzelnen getan werden muss, um die Standsicherheit der ehemaligen Jesuitenkirche wieder herzustellen. Die weiteren Voruntersuchungen werden auch erst Aufschluss darüber geben, wie viele Millionen die Sanierung verschlingen wird.

Mindestens 35 Prozent der noch unbekannten Gesamtkosten wird die Kirchenstiftung St. Martin aufbringen müssen. Das Erzbistum beteiligt sich nach Auskunft von Christoph Gahlau von der Pressestelle des Erzbischöflichen Ordinariats generell mit höchstens 65 Prozent. Damit wartet auf den neuen Pfarrer von St. Martin, der am 1. September in sein Amt eingeführt wird, gleich eine Mammutaufgabe.

Die Kirche am Grünen Markt ist nicht nur Mittelpunkt einer rund 6000 Katholiken zählenden Gemeinde sondern als einzige Barockkirche Bambergs auch eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges. Errichtet wurde sie nach Plänen der Barockbaumeister Georg und Johann Leonhard Dientzenhofer. Die nun aufgetretenen Schäden rühren dem ersten statischen Gutachten zufolge aus der Bauzeit.