Bamberg
Weltkulturerbe

Bambergs steilstes Dach wird saniert

In Bamberg hat die Sanierung der Kirche begonnen, der die Sandkerwa zu verdanken ist: St. Elisabeth. So berühmt das Fest, so wenig bekannt ist das gotische Gotteshaus. Der Sanierungsbedarf wurde lange aufgeschoben, weil die Stadt als Eigentümerin kein Geld hatte. Nun erhielt sie dafür 398 600 Euro aus dem Investitionsprogramm für nationale UNESCO-Welterbestätten.
Das Luftbild, aufgenommen während einer Sandkirchweih, zeigt die extreme Dachneigung der Kirche in der Sandstraße. Alle Fotos: Ronald Rinklef
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Die Bamberger Sandkerwa geht auf das gotische Gotteshaus St. Elisabeth in der Oberen Sandstraße zurück, sie scheint aber auch ihr Schicksal zu sein: Der Termin (25. bis 29. August 2011) diktiert den Ablauf kürzlich begonnener Instandsetzungsarbeiten. Bis Ende August muss das Dach saniert und der große Bauzaun verschwunden sein. Wie Architekt Peter Schickel sagt, sähen sich die Veranstalter außer Stande, auf die Flächen zu verzichten, weil der Umgriff von St Elisabeth für die Kirchweihtage bereits vermietet sei. Erst nach dem Volksfest wird die Sanierung weiter gehen. Dann ist das Äußere an der Reihe.

Auch das ist gezeichnet von der Sandkirchweih. Der Salzgehalt der Fassade übertrifft alles, was die Bamberg-Referentin Annette Faber vom Landesamt für Denkmalpflege, Außenstelle Schloss Seehof bei Memmelsdorf (Landkreis Bamberg), bisher gezeigt bekam. Die Ursache ist nach ihren Worten eindeutig menschlicher Natur: Schuld seien Wildpinkler, die sich vor allem, aber nicht nur während der Sandkirchweih, im Schatten der Kirche erleichtern.

Die ältesten Balken wurden 1401/1402 geschlagen

Die Fassade wird erst nach der Sandkirchweih 2011 gerichtet. Die Sanierung beginnt von oben. Das Biberschwanz gedeckte Dach von St. Elisabeth ist so steil wie kein anderes im Weltkulturerbe Bamberg. Die Neigung beträgt 61 Grad. Der Dachstuhl stellt aber auch wegen seines Alters und der Bauweise die Handwerker vor besondere Herausforderungen, wie Faber und Schickel bei einem Ortstermin betonten. Es handelt sich um den nach bisherigen Erkenntnissen ältesten liegenden Dachstuhl in Bamberg. Das Eichenholz dafür wurde dendrochronologischen Untersuchungen zufolge um 1401/1402 für den Chor und 1490/1491 für das Langhaus gefällt und vermutlich noch im selben Jahr verarbeitet.


Bei früheren Wartungen sind aus Sicht des Architekten manche Fehler gemacht worden, die später zu statischen Problemen geführt haben. Auch eine Schädlingsbekämpfungs-Aktion aus den 1980er Jahren wirkte bis jetzt nach: Giftige Substanzen wurden bei den Voruntersuchungen für die Sanierung sowohl im Holz als auch im Staub und in der Atemluft festgestellt. Schickel spricht vom 70-Fachen der erlaubten Grenzwerte beispielsweise von Lindan und PCB (Polychlorierte Biphenyle). Die Emissionen mussten vor Beginn der Dacharbeiten mit beträchtlichem Aufwand abgesaugt werden. Sonst hätten die Handwerker nur mit Schutzanzügen und stundenweise arbeiten können.
Für Kirchenbesucher bestand durch die Kontaminierung im Dach zu keiner Zeit eine Gefahr, versichert Stephan Walz, Architekt im städtischen Finanzreferat. Die 2010 im Kirchenraum ermittelten Luftwerte seien in Ordnung gewesen.

Das Finanzreferat hat bei der Sanierung ein wichtiges Wort mitzusprechen. Klar ist: Ohne die 398 600 Euro aus dem Investitionsprogramm für nationale Unesco-Welterbestätten müsste die Elisabethenkirche wohl noch Jahre oder Jahrzehnte auf ihre Generalsanierung warten. Die veranschlagten Gesamtkosten beziffert der Bamberger Finanzreferent Bertram Felix auf 585 000 Euro.

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