Der Boom hat Schattenseiten. Eine davon: die Wohnungsnot.

So wie Sebastian aus Coburg geht es vielen jungen Leuten in diesem Wintersemester. Auf den letzten Drücker hat der Abiturient seinen Zulassungsbescheid für das Studienfach Psychologie in Bamberg erhalten und muss binnen weniger Tage eine Wohnung suchen. Kein Leichtes angesichts solcher Konkurrenz: 12.300 junge Männer und Frauen haben sich in Bamberg an der Otto-Friedrich-Universität zum beginnenden Wintersemester eingeschrieben. Das ist die Einwohnerzahl einer Kleinstadt und bedeutet noch einmal eine Steigerung der Studentenzahlen um gut 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Wir treffen Sebastian im Büro des Studentenwerks im zweiten Stock in der Austraße 37. Dort geht es zu wie in einem Taubenschlag: Manuela Platok und ihre Kollegen haben zwei schlimme Monate hinter sich. Sie sind unter anderem für die Anträge auf die Bamberger Wohnheimplätze zuständig und organisieren zusätzlich seit einem Jahr die private Zimmervermittlung. Da sind starke Nerven gefragt. Zu den Öffnungszeiten des Büros zwischen 10 und 13 Uhr klingelt pausenlos das Telefon, vor allem früh drängeln sich die Wohnungssuchenden in den engen Räumen.

Die meisten Studenten, die nachfragen, suchen eine Wohnung: Möglichst schnell, möglichst innenstadtnah, möglichst günstig. Doch das ist leichter gesagt als getan.

Auf der Warteliste des Studentenwerks mit seinen 832 Bamberger Wohnheimplätzen stehen schon 741 Namen. Wer auf ein Zimmer in einem ganz bestimmten Wohnheim hofft, muss viel Geduld mitbringen, sagt Platok. Auch die Angebote der privaten Wohnungsvermittlung sind abgegrast: Sieben freie Zimmer weist das Werk derzeit für Bamberg aus, 24 für den weiteren Umkreis, darunter mancher Ladenhüter.

Michael Ullrich, Geschäftsführer des Studentenwerks Würzburg-Bamberg, bestätigt, was aus Zeitungsanzeigen und Internet-Annoncen längst bekannt ist: Die Mieten für Ein-Zimmer-Appartements klettern in Bamberg allmählich in die 300-Euro-Zone und sind dadurch nicht mehr für alle erschwinglich. Selbst in einer 18 Kilometer entfernten Steigerwaldgemeinde scheut man sich nicht, 250 Euro für ein Studentenappartement zu verlangen.

Eine Entspannung ist zumindest auf dem Markt preisgünstiger Wohnungen nicht in Sicht: Zwar hat das Studentenwerk dieser Tage am Stephansberg noch einmal zwei Achter-Wohngemeinschaften geschaffen (die Plätze waren sofort vergeben), doch der Plan, ein Container-Wohnheim mit 40 Einheiten auf das Parkdeck am Pestalozziheim zu bauen, stößt auf Hindernisse.

1,7 Millionen sollen die 20-Quadratmeter großen Appartements in ihrer Gesamtheit kosten. Das ist weit mehr, als Ullrich erhofft hatte. Nun müssen die Oberste Baubehörde und der Verwaltungsrat ihren Segen geben, ehe in Bamberg das erste Container-Wohnheim errichtet werden kann. Die Appartements, die bereits im Dezember hätten bezogen werden sollen, sollen für rund 300 Euro vermietet werden - inklusive aller Betriebskosten.

Noch vor nicht allzu langer Zeit gab es in Bamberg "nur" 7000 Studenten. Heute sind es fast doppelt so viele. Auf diese Entwicklung ist die Uni-Leitung stolz. Der Zustrom zeige, dass der Standort Bamberg gut ist, sagt die Kanzlerin Dagmar Steuer-Flieser. Um auf die negativen Folgen für den Wohnungsmarkt dämpfend einzuwirken, habe man zusammen mit Stadt und Studentenwerk die private Zimmervermittlung und das Programm "Wohnen für Hilfe" ins Leben gerufen. "Wir sind dankbar für jeden Wohnraum, der zusätzlich angeboten wird. Wir selbst können nicht aktiv werden", sagt Steuer-Flieser.

Den Studenten, die zum Beginn des neuen Semesters noch auf der Suche nach einer Bleibe sind, bleibt einstweilen nichts anderes übrig, als mit allen Möglichkeiten und auf allen Ebenen weiter danach zu fahnden. Dazu zählen Zeitung, Zimmervermittlung, Internet und auch das gute alte schwarze Brett.

Raphaela, 25, richtet sich auf ihrem Abrisszettel, der im Studentenhaus in der Austraße hängt, an "die glücklichen Wohnungsbesitzenden" in Bamberg. Um potenzielle Anbieter zu überzeugen, rührt sie kräftig die Werbetrommel für sich: "Ich bin freundlich, unkompliziert und lebensfroh."

Von der Uni-Leitung aus der Kapuzinerstraße kommen beeindruckende Zahlen: Die Otto-Friedrich-Universität hat über 2000 Studenten mehr als vor einem Jahr. Mit dem Plus von 20 Prozent dürfte die geisteswissenschaftliche Bamberger Hochschule bei den Studierendenzahlen manche andere Universität in Freistaat deutlich hinter sich lassen.

Allein mit dem doppelten Abitur-Jahrgang und mit dem Wegfall der Wehrpflicht lassen sich diese Zahlen nicht erklären. Auch Vizepräsident Sebastian Kempgen hatte ein Ergebnis in dieser Höhe nicht erwartet. Dazu beigetragen hat aus seiner Sicht, dass Bamberg anders als andere Hochschulen in Bayern besonders begehrte Fächerverbindungen nicht mit einem Numerus Clausus belegt hat.

Das führte dazu, dass beispielsweise die Betriebswirtschaftslehre erstmals 1100 Studienanfänger zählt - mehr als eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr; zudem haben sich 430 Erstsemester alleine im Studiengang Internationale BWL eingeschrieben, der ein integriertes Auslandssemester vorgibt. Zu den Rennern des Wintersemesters 2011/2012 zählen auch die Fächer Pädagogik mit 390 und die Kommunikationswissenschaften mit 160 Studienanfängern.

"Wir freuen uns sehr über diese Zahlen", sagte Kempgen. "Sie bestätigen, dass auch eine Universität mit klarem kultur-, geistes- und sozialwissenschaftliche Profil gute Chancen im Wettbewerb mit eher techniklastigen Universitäten hat." Für das nächste Jahr erwartet man in Bamberg abhängig von möglichen Studienplatzbeschränkungen weiteren Zuwachs: "Wir nähern uns den 13.000."


Wintersemester - Studierende

2005/2006 --- 8.936
2006/2007 --- 9.251
2007/2008 --- 8.946
2008/2009 --- 8.801
2009/2010 --- 9.143
 2010/2011 --- 10.156
 2011/2012 --- 12.351