In der Bamberger Gärtnertradition galt der Knoblauch als wichtige Kultur. In seiner 1866 herausgekommenen Schrift "Die Bamberger Gärtnerei. Ein Theil der freien Wirthschaft" vermerkt Anton Haupt, dass die Knoblauchknollen getrocknet in Büscheln zu 100 und zu 30 Stück verkauft wurden und einen festen Platz im Sortiment der Herbstmärkte hatten. Im Jahr 1874 schreibt Carl Koch in seinem Artikel "Der Bamberger Gemüsebau", der Anbau von Knoblauch sei in Bamberg sehr bedeutend, da der Bamberger Knoblauch wegen seines Aromas und seiner Größe sehr gesucht und teuer bezahlt sei. Die besondere Qualität war wie bei den anderen Gemüsen der Bamberger Gärtnerei vor allem dem Klima und den Böden der Stadt und ihres Umlandes geschuldet.

Bamberger Knoblauchkönig

Bis kurz vor der Jahrtausendwende konnte man den Bamberger Knoblauch noch kaufen. Karl Düsel hat ihn in so großen Mengen und so herausragender Qualität geliefert, dass er sich den Ehrentitel "Bamberger Knoblauchkönig" dafür einhandelte. Von ihm haben angeblich alle Gärtnerkollegen in Bamberg und Hallstadt den Knoblauch für ihren Anbau bezogen. Er hatte um 1970 herum Knoblauchzehen, die bei der Hausschlachtung übrig geblieben waren, einfach in den Boden gesteckt. Erworben hatte er sie von einer Gärtnersfrau aus Hallstadt. Auf diesen Knoblauch wollte er nicht verzichten, weil er ihn geschmacklich ausgezeichnet fand, nicht so beißend wie sonst üblich und mit besonders feinem Aroma. Genauso beschreiben ihn Bamberger, die sich an "ihren" alten Knoblauch noch erinnern können.

Als Karl Düsel seinen Betrieb aus Altersgründen aufgab, war der alte Bamberger Knoblauch mit einem Schlag vom Markt verschwunden. Die Gärtner verwenden seither für marktgängige Ware handelsübliches Pflanzgut, das nicht aus Bamberg und schon gar nicht aus dem eigenen Betrieb stammt. Im Unterschied zu früher verkaufen sie Knoblauch schon seit Jahrzehnten nur noch als Frischware, weil sie mit getrockneter Ware gegen die preisgünstigeren Importe nicht ankommen.

Wider Erwarten war die alte Knoblauchsorte aber nicht ganz verschwunden. Zwei Gärtnereien bauten für den Eigenbedarf noch einen Knoblauch an, der den lobenden Beschreibungen des alten Bamberger Lokaltyps entsprach. Die Gärtnerfamilie Niedermaier in der Mittelstraße hatte ihn von der Gärtnerfamilie Lamprecht in der Kunigundenruhstraße bekommen, und die von Gertrud Leumer betriebene Kräutergärtnerei Mussärol in der Nürnberger Straße von Karl Düsel selbst. Beide pflegten ihn, weil er so unvergleichlich gut schmeckte.

"Wer diesen Knoblauch probiert hat, der will keinen andern mehr", sagt Karl Düsel vollständig zu Recht über sein früheres Lieblingserzeugnis. Zunächst mochte niemand glauben, dass es sich wirklich um einen eigenständigen Knoblauchtyp handelte. Die Überprüfung im Rahmen einer groß angelegten Untersuchung von Knoblauchlinien am "Leibnitz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung" in Gatersleben bei Magdeburg im Jahr 2011 brachte jedoch die Gewissheit, dass es so ist.

Außer wenigen Eingeweihten kennt in Bamberg kaum jemand dieses unverdient in Vergessenheit geratene Spitzenprodukt des heimischen Gartenbaus. Viel zu wenige wissen, dass sie ihre Küche mit einer exzellenten Bamberger Lokalsorte des Knoblauchs bereichern könnten. Die beiden verbliebenen Haussorten dieses Typs wieder bekannt zu machen, hat natürlich nur dann eine Sinn, wenn sie in ausreichender Menge verfügbar und zu erwerben sind.

Verkauf in Hofläden

Beide Erzeuger, die Bio-Gemüsegärtnerei Sebastian Niedermaier und die Bio-Kräutergärtnerei Mussärol, haben 2012 schon den Anfang gemacht und verkaufen vorerst nur geringe Mengen ihrer alten Knoblauchsorten in ihren Hofläden. Weitere Gärtnereien sollten sich bereit finden, den alten Bamberger Knoblauch wieder anzubauen und auf den Markt zu bringen. Die Verbraucher ihrerseits sollten sich nicht scheuen, dem Knoblauch seinen angestammten Platz in der Küche als unverzichtbaren Bestandteil des alltäglichen gesunden und genussreichen Essens wieder einzuräumen.