Welche Wucht der bürgerliche Protest in Bamberg entfalten kann, hat sich ein mal mehr im Juni 2010 eindrucksvoll bewiesen: Schulter an Schulter standen damals tausende Bamberger Bürger und umschlossen so mit einer gigantischen Menschenkette den Veranstaltungsort des NPD-Parteitags.

Ein deutliches Signal: Die Menschen in der Region stehen für eine tolerante und weltoffene Gesellschaft. "In Bamberg war schon immer klar, dass der Weg nur über Widerstand gehen kann", sagt Ralph Korschinsky. Das war vor genau zehn Jahren gegen die NPD so. Und das soll auch 2020 nicht anders sein: "Wir wollen ein klares Zeichen setzen. Das werden wir auch am Samstag tun", berichtet Korschinsky für das Bündnis gegen Rechtsextremismus und Rassismus.

Geplant ist dazu am Samstag, 15. Februar, ab 14 Uhr ein "Fest der Demokratie" am Maxplatz, eine Gegendemo am Marienpaltz ab 15 Uhr sowie eine multireligiöse Feier am Markusplatz ab 17.30 Uhr. Zahlreiche Plakate werden entlang der Wegstrecke den rechten Demonstrationszug begleiten.

Wie berichtet will am Samstag, 15. Februar, die neonazistische Kleinstpartei "Der Dritte Weg" in Bamberg aufmarschieren. Es soll die zentrale Veranstaltung zum Gedenken an die Bombardierung von Dresden am Ende des Zweiten Weltkriegs sein. Die Rechtsextremen verklären gleichzeitig die Verbrechen der Nazis. Das hat die neonazistische Partei zuletzt 2019 in Fulda mit knapp 100 Teilnehmern getan. Mit vereinzelten Fackeln, Fahnen und Trommeln zogen sie durch die hessische Stadt.

Bengalos und Trommeln verboten

Auch in Bamberg dürfen die Rechtsextremen ihre Versammlung abhalten. Das Rathaus hat das Versammlungsverbot zurückgezogen, um dem Verwaltungsgericht zuvor zu kommen. Dieses hätte das Verbot wohl nach dem Einspruch des "Dritten Wegs" aufgehoben. Die Stadt hat aber strenge Auflagen erlassen: "Die Versammlung darf keine paramilitärische Wirkung haben", erklärt Stadtsprecherin Ulrike Siebenhaar. Bengalo-Fackeln und Trommeln sind verboten. Allerdings dürfen die Rechtsextremen im Abstand von zehn Metern vereinzelt Fackeln tragen.

Ab 16 Uhr will sich "Der Dritte Weg" am Wilhelmsplatz treffen, bereits um 15 Uhr die Gegendemonstranten unter dem Titel "Gegen Nazis und ihre Geschichtsfälschung!" am Marienplatz. Die Polizei hat bereits angekündigt, mit einer Vielzahl an Einsatzkräften aus ganz Oberfranken sowie der Bereitschaftspolizei Stärke zu zeigen.

Beim "Fest der Demokratie" soll es wieder friedlich zugehen. Was von Anfang an Ziel des Bündnisses war. Korschinsky, Geschäftsführer der Katholischen Arbeiternehmerbewegung (KAB), erinnert sich: Im Jahr 2008 hatte die NPD erstmals für den Monat Mai einen Parteitag in Bamberg geplant. Allen Verhinderungsversuchen zum Trotz musste die Stadt den Hegelsaal in der Konzerthalle zur Verfügung stellen. Doch wollte man dem Treiben nicht tatenlos zusehen, die Proteste sollten aus der breiten Bevölkerung kommen.

Am 17. Januar 2008 gründete sich deshalb das Bündnis im Schulterschluss mit der Stadt, den Gewerkschaften und den kirchlichen Verbänden. Schirmherren waren der evangelische Dekan Otfried Sperl und Erzbischof Ludwig Schick. Erstmals aktiviert hatte das Bündnis die Bamberger bereits am 4. März 2008, als die NPD eine Kundgebung am E.T.A.-Hoffmann-Theater abhielt. 700 Gegendemonstranten kamen.

Neben dem Protest hat sich das Netzwerk auch die Handlungsfelder Bildung und Gedenken mit Ausstellungen und weiteren Aktionen gegeben. Seit 2015 wendet sich das Bündnis verstärkt auch gegen Rassismus. Hubertus Schaller vom Steuerungskreis berichtet von einer "Stammtischkämpfer"-Ausbildung, in der Menschen lernen, ihre Stimme gegen Rassismus zu erheben: "Lieber etwas sagen, als gar nichts sagen." Das soll mehr denn je auch am Samstag gelten. Laut Korschinsky ist das Bündnis in der Lage, jederzeit gut 2000 Bürger zu mobilisieren.

Kommentar des Autors: Widerstand ist der einzige Weg

Es stellt sich immer wieder von neuem die Frage: Wie umgehen mit Aufmärschen von Neonazis? Ignorieren und damit möglichst wenig Aufmerksamkeit schenken oder doch breiten Widerstand leisten? Bamberg hat sich immer für den zweiten, den richtigen Weg entschieden. Denn die Stadt gibt damit nicht nur allen Ewiggestrigen deutlich zu verstehen, dass sie hier nicht erwünscht sind. Die Bürger senden auch dem Rest der Republik ein starkes Signal, dass Bamberg eine weltoffene und tolerante Stadt ist. Das soll auch am heutigen Tag gelten und wird auch in Zukunft so sein. Nicht zuletzt Dank der Vielzahl an Engagierten des Bündnisses gegen Rechtsextremismus und Rassismus.

Bündnispartner Im Bamberger Bündnis gegen Rechtsextremismus und Rassismus sind unter anderem der DGB, die Katholische Arbeitnehmer Bewegung, der Migrantenbeirat, das Erzbistum, das evangelische Dekanat, der Förderverein Zelt der Religionen, die Israelitische Kultusgemeinde, der DITIB Türkisch-Islamische Kulturverein, die Interreligiöse Fraueninitiative, die Naturfreunde, der Stadtjugendring, die IG Metall, die Willy-Aron-Gesellschaft, Change, Freund statt fremd und Amnesty International. Aufruf Das Bündnis ruft am 15. Februar alle Bamberger zum Protest gegen den "Dritten Weg" auf. Das "Fest der Demokratie" beginnt um 14 Uhr am Maxplatz, die Demonstration gegen den "Dritten Weg" um 15 Uhr am Marienplatz, die multireligiöse Feier um 17.30 Uhr beim Zelt der Religionen am Markusplatz. Es ist mit einigen Verkehrsbehinderungen zu rechnen.

Der Dritte Weg Der Verfassungsschutz beobachtet die neonazistische Partei "Dritter Weg", die bundesweit 18 Stützpunkte, davon fünf in Bayern, hat. Bundesvorsitzender ist Klaus Armstroff. Die Stützpunkte entsprechen weitgehend den geografischen Schwerpunkten des verbotenen Freien Netzes Süd (FNS). Den Stützpunkt Oberfranken gibt es seit 2015 mit 20 Sympathisanten. Immer wieder verteilen Mitglieder auch in Bamberg Flugblätter.