Zahlreiche Interessierte warteten schon auf die Einweihung des neuen "Offenen Bücherschranks". Diese Freiluftbücherei vor der Teilbibliothek 5 der Otto-Friedrich-Universität Bamberg ist das Ergebnis eines Projekts von Studierenden der Neueren Deutschen Literaturwissenschaft und deren Dozentin Andrea Bartl. Neben ihnen fanden sich am Donnerstag auch Vertreter der Hochschulleitung, Mitglieder des Rotary-Clubs Bamberg und andere Schaulustige am Kranen ein.

Den Grundgedanken, eine kostenlose Bibliothek zu ermöglichen, die 24 Stunden geöffnet ist und für die es keinen Mitgliedsausweis braucht, habe Bartl schon länger gefasst, wie sie im Vorgespräch erzählt. Doch erst durch das Engagement der Germanistik-Studenten und die finanzielle Unterstützung des Bamberger Rotary-Clubs konnte das Projekt in die Tat umgesetzt werden.

Bartl habe in den letzten zwei Jahren andere Bücherschränke angeschaut, sich Anregungen für ihr eigenes Vorhaben geholt. "Man sieht da genau den Unterschied, ob die gut kuratiert sind oder nicht." Deshalb übernehmen zukünftig die Studenten abwechselnd die Bücherschrank-Verwaltung, entfernen, wenn nötig, unangemessene Literatur, etwa politisch extremer oder rassistischer Art. Außerdem bestücken sie ihn bei Engpässen mit neuem Lesestoff. Allgemein ist aber kein Genre ausgeschlossen.


Lesewelten auf fünf Regalen

Nach den Begrüßungsreden ging es zum festlichen Einräumen des Schranks: Die ersten Bücher fanden ihren Platz auf den fünf Glasregalen. Anfangs noch ziemlich einsam, gesellten sich schnell viele andere Werke dazu.
Neben Reiseführern, Krimis sowie Kinder- und Jugendbüchern waren auch kuriose Titel wie "Brauereigasthöfe in Deutschland" oder "Das große Buch des Lachens" zu entdecken. Die Literatur entführe den Leser in eine Welt voller Abenteuer, erklärte eine Studentin beim Festakt.

Kaum waren am Donnerstag die Regale gefüllt, wurden die ersten Bücher auch schon wieder durch Stöbernde herausgezogen. "Ich habe mich selbst kaum zurückhalten können", gestand Bartl.
Der Schrank funktioniert wie eine Tauschbörse: Jeder kann anonym Bücher spenden oder mitnehmen. Ob man sie zurückbringt, behält oder tauscht, entscheidet jeder selbst. Anfangs werden die Bücher mit einem "Ex-Libris"-Stempel versehen, auch, um die Möglichkeit des Wiederverkaufs zu unterbinden.