ger zu piepen anfängt, bekommt Marcus Petermann immer noch einen regelrecht Adrenalinschub: Alarm für die Schnelleinsatzgruppe (SEG). Für den Mann der Wasserwacht heißt das in diesen Tagen: Irgendwo in Stadt oder Landkreis Bamberg hat sich ein Notfall im oder am Wasser ereignet. Auch nach 20 Jahren und über 200 Einsätzen will bei ihm keine Routine aufkommen, wenn es um ein Menschenleben geht. Alarmierung heißt für die Mitglieder der Schnelleinsatzgruppe (SEG): So schnell wie möglich ins Wasserrettungszentrum.

Innerhalb von 15 Minuten nach der Alarmierung muss die SEG ausrücken: Innerhalb weiterer 15 Minuten will man am Einsatzort sein. Es muss schnell gehen, will man eine Chance haben, nach einem Badeunfall noch helfen zu können. Deshalb sei es auch so wichtig, dass die Retter der SEG vor Ort genaue Informationen darüber erhalten, wo der Verunglückte untergegangen ist, erklärt Petermann.
Fehlen derlei Hinweise, dann werde - wie zum Beispiel am Breitengüßbacher Baggersee - das Suchgebiet einfach zu groß. Das Problem: Bei einem Kreislaufversagen würde ein Schwimmer einfach untergehen. Sang und klanglos.

"Das fällt oft in der näheren Umgebung kaum auf", so der SEG-Einsatzleiter. Oft würden erst nach längerer Zeit Verwandte oder Freunde am Ufer darauf aufmerksam, dass der oder die Betreffende untergegangen sein muss.

In der Regel besteht eine Schnelleinsatzgruppe aus fünf Mann, darunter Taucher, Rettungsschwimmer und ein Bootsführer. Alles, was die Helfer benötigen, befindet sich im Rettungsfahrzeug. Tauchausrüstung, Neoprenanzüge, auf dem Dach ein Schlauchboot.

Die SEG gibt es im Freistaat in jedem Landkreis. Organisationen wie die Wasserwacht, die DLRG, oder die Feuerwehr haben die Trägerschaft übernommen. Deren Mitglieder leisten diesen Dienst für die Allgemeinheit grundsätzlich ehrenamtlich. Ausgebildet sind sie allerdings professionell, als Taucher, Rettungsschwimmer, Bootsführer, oder Sanitäter. Der Dienst beschränkt sich nicht allein auf die Sommermonate, Unfälle im Wasser kommen zu allen Jahreszeiten vor. Weshalb die Rettungsschwimmer und Taucher von Wasserwacht und DLRG es durchaus gewohnt sind, auch in der kalten Jahreszeit ins Wasser zu steigen - bei Unfällen oder etwa einem Suizid.
In Bamberg gehören zur SEG der Wasserwacht rund 50 aktive Mitglieder. Sie leisten regelmäßig Bereitschaftsdienst. Meist arbeitet man sehr eng mit der örtlichen DLRG zusammen, besonders im Ernstfall.


Dass sich die Zahl der Badeunfälle im Verlauf der letzten Jahre deutlich erhöht habe, will Petermann so nicht bestätigen. Deren Zahl hänge immer auch von der Witterung ab. Bei Schönwetterlagen wie derzeit kämen bei einer entsprechend höheren Zahl Badender natürlich auch mehr Unfälle vor.
Eines könne er jedoch schon feststellen, gibt sich Petermann kritisch. "Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die schwimmen können, liegt nur noch bei etwas 40 Prozent."


Wie kann man Badeunfällen vorbeugen? Grundsätzlich sollte man seine Kräfte nicht überschätzen und in Ufernähe bleiben, rät der Rettungsexperte. Bei großer Hitze sollte man sich vor dem Schwimmen abkühlen.Ebenfalls wichtig: Warnung vor Strömungen ernst nehmen, unbekannte Gewässer besser meiden. Und: Kinder nie alleine schwimmen lassen.


Info: Was tun im Ernstfall?

1. Zuallererst gilt: Ruhe bewahren

2. Andere informieren, Aufmerksamkeit erregen,

3. Notruf 112 absetzen
4. Immer an den Eigenschutz denken

5. Möglichst genau merken, wo der der Verunglückte untergegangen ist.

6. Eigene Tauchversuche starten

7. Ist der Verunglückte gefunden, sofort Atmung überprüfen und Erste-Hilfe-Maßnahmen einleiten.