Die Missbrauchsfälle im Bistum Bamberg haben viel Staub aufgewirbelt. Dabei muss nicht nur die katholische Kirche Federn lassen. Jetzt wird nämlich auch Kritik an der strafrechtlichen Aufarbeitung der Fälle laut. 

Der Passauer Strafrechtsprofessor Holm Putzke hat den Strafverfolgungsbehörden eine zu große Zurückhaltung bei der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der Kirche vorgeworfen. "Es lässt sich nicht ernsthaft bestreiten, dass bei den Kirchen und den Missbrauchsfällen offensichtlich ein anderer Maßstab angelegt wurde und wird als etwa in sonstigen Fällen der organisierten Kriminalität, etwa bei den Manipulationen großer Automobilfirmen bei den Abgaswerten", sagte er dem Fränkischen Tag am Donnerstag.

"Anderer Maßstab" - juristische Aufarbeitung lässt zu wünschen übrig

"Während dort ohne jede vornehme Zurückhaltung in großem Stil Durchsuchungen stattfanden, beließen die Staatsanwaltschaften es bei den Bistümern mit höflichen Bitten, relevante Akten herauszugeben." Das sei "umso bemerkenswerter bei einer Institution, die über viele Jahrzehnte mit geradezu krimineller Energie Fälle von sexuellem Missbrauch vertuscht hat", sagte der Jurist weiter.

Im Erzbistum Bamberg waren kürzlich Missbrauchsvorwürfe gegen einen langjährigen Pfarrer in der oberfränkischen Gemeinde Wallenfels bekannt geworden. Der Mann ist inzwischen verstorben. Bereits im Jahr 1963 waren nach Darstellung des Erzbistums Missbrauchsvorwürfe gegen den katholischen Pfarrer aktenkundig geworden. Konsequenzen blieben damals jedoch aus.

Putzke kritisierte zugleich den Aufklärungswillen der Kirche: "Wenn zwölf Jahre nach der ersten großen Missbrauchsstudie jetzt immer noch Akten auftauchen, in denen Fälle sexuellen Missbrauchs dokumentiert sind, und wovon die Strafverfolgungsbehörden nach wie vor keine Kenntnis haben, verstärkt das zum einen die Zweifel am oftmals wortreich beschworenen Aufklärungswillen. Und es bestärkt zum andern den Eindruck, dass die katholische Kirche mit der Aufarbeitung völlig überfordert ist."

Der Strafrechts-Experte gehört zu einer Gruppe von Strafrechtlern, die im Jahr 2018 im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche bei mehreren Staatsanwaltschaften in Deutschland Anzeigen erstattet haben.

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