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Bamberg
Vandalismus

"Vergehen am Gemeinwohl": Schmierereien am Bamberger Kreuzweg sorgen für Entsetzen

Graffiti sind vielen Bambergern ein Dorn im Auge. Nun sorgt auf einer Station des berühmten Bamberger Kreuzweges eine Schmiererei für Entsetzen. Ein Bamberger findet deutliche Worte.
 
Schmierereien in der Aufseßstraße Foto: p
Schmierereien in der Aufseßstraße Foto: p
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Über 500 Jahre alt ist der berühmte Bamberger Kreuzweg, er erzählt in sieben Stationen zwischen der Elisabethenkirche und St. Getreu den Leidensweg Christi nach. Er ist der älteste vollständig erhaltene Kreuzweg Deutschlands. Nun wurde eine der Sandsteintafeln, die Station zwei in der Aufseßstraße, zum Opfer eines Graffitisprayers.

Entdeckt wurde die Schmiererei von einem ehemaligen Bamberger Gymnasiallehrer bei einem Spaziergang durch die Aufseßstraße. "Auch am Karmelitenplatz, an der Mauer im Clarissenweg, am Pfahlplätzchen Ecke Judenstraße und vielen weiteren Orten sind mir solche hässlichen Geschmiere schon begegnet, aber keines entsetzt mich so sehr wie die Verschandelung der Kreuzwegstation", sagt der 82-Jährige.

Schmierereien am Bamberger Kreuzweg: Mehr als nur ein Ärgernis

Der Senior, der namentlich nicht genannt werden möchte, empfindet die Graffiti als Respektlosigkeit gegenüber dem öffentlichen oder privaten Eigentum und vor allem gegenüber der Geschichte und dem hohen Alter der Denkmäler. "Für mich sind Verschandlungen wie diese mehr als ein Ärgernis, sie sind ein Vergehen am Gemeinwohl, denn unzählige Einwohner und Touristen wollen sich an der Schönheit der Stadt erfreuen und sich in ihr wohlfühlen", erklärt der Bamberger. Somit beeinträchtigten die Schmierereien den Reiz, den Wert und letztlich die Lebensqualität der Stadt.

Patricia Alberth, Leiterin des Welterbe-Zentrums Bamberg, empfindet die Graffiti ebenfalls als Respektlosigkeit gegenüber dem Eigentum der Privatbesitzer, aber auch gegenüber dem Kulturerbe Bamberg im Allgemeinen. "Leider lassen sich viele Lacke auch nur sehr schwer entfernen, es hilft zwar, die Hausoberfläche zum Schutz vorher einzureiben, aber trotzdem bleiben oft Spuren", sagt sie. Gegen die Schmierereien hält sie präventive Maßnahmen für sinnvoll. "Zum einen kann man an die Vernunft der oft jugendlichen Täter appellieren, sie über die Konsequenzen einer solchen Tat informieren, denn das bleibt natürlich in deren Polizeiakte stehen und kann ihnen in jungen Jahren viele Wege verbauen", erklärt Patricia Alberth.

Außerdem könnten sich die Privatbesitzer durch Vorsichtsmaßnahmen schützen. "Wer seine Hausfassade gut ausleuchtet und wenige uneinsehbare Flächen lässt, macht es den Tätern schwieriger, nicht erwischt zu werden, was natürlich gut abschreckt", erklärt sie. Trotzdem helfe natürlich keine dieser Maßnahmen zu hundert Prozent. "Am Ende bleibt einem oft nur übrig, eine Anzeige zu erstatten", sagt sie.

Graffiti-Problem in Bamberg: Knapp 30 Prozent der Fälle werden aufgeklärt

Sobald Anzeige erstattet wurde, versucht die Polizei die Täter aufzuspüren, was in 27,7 Prozent der Fälle in Bamberg im vergangenen Jahr gelungen ist. "Von den 155 zur Anzeige gebrachten Fällen konnten wir 43 aufklären", sagt Polizeihauptkommissarin Silke Gahn. Dabei gingen alle Taten auf insgesamt nur 15 Täter zurück, von denen elf Männer unter 21 Jahren waren. "Dementsprechend ist Aufklärungsarbeit bei Jugendlichen wie in der bundesweiten Kampagne ,Illegale Graffiti sind ein teures Vergnügen' besonders wichtig", erklärt Gahn.

Werden die Täter gefasst, droht ihnen eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Das Strafmaß wird im Paragraf 303 des Strafgesetzbuchs für Sachbeschädigung, also für Schäden an Privatbesitz, und im Paragraf 304 für gemeinschädliche Sachbeschädigung geregelt. "Das Strafmaß orientiert sich dabei an unterschiedlichen Faktoren, wie zum Beispiel der Schadenshöhe, ob der angerichtete Schaden vom Täter bezahlt wurde, am Alter des Täters und ob dieser bereits entsprechende Vorstrafen hat", erklärt die Polizeihauptkommissarin.

Ihre Ratschläge zum Schutz vor Graffiti decken sich mit denen von Patricia Alberth. "Bei den Tätern können wir am besten durch Aufklärungsarbeit ansetzen, beim Eigentumsschutz durch Täterabschreckung", sagt Gahn. Einen Tipp hat sie aber noch: "Graffiti sollten so schnell wie möglich entfernt werden, damit keine Nachahmer angezogen werden."