Es mag ein skurriles Bild für so manch einen sonntäglichen Spaziergänger im Bamberger Theresienhain abgeben: Inmitten einer Wiese ist eine buntgemusterte Decke ausgebreitet, darauf leuchten Sonnenblumen, die um einen kleinen chinesischen Buddha drapiert sind. Rings um diese Decke haben sich 26 Erwachsene zu einem Kreis formiert. Sie rufen: "Ho Ho Ha Ha Ha!", klatschen, werfen danach ihre Hände in die Höhe und lachen lauthals.

Was den ein oder anderen Passanten zu fragendem Brauenrunzeln veranlasst, ist für Reinhard Kalus einer der wichtigsten Termine des Jahres: der Weltlachtag. Bereits 1998 wurde dem ersten Maisonntag des Jahres diese Bezeichnung durch die Lachyogabewegung um den indischen Arzt Madan Kataria zugewiesen. Seither finden sich an diesem Tag Lachbegeisterte in aller Welt zusammen, um für Gesundheit, Freude und den Weltfrieden zu lachen.
Reinhard Kalus ist seit 2009 zertifizierter Lachyogaübungsleiter und hält das Treffen im Theresienhain zum ersten Mal ab.

Viele der Teilnehmer im Theresienhain sind heute einfach so, zum Ausprobieren, gekommen: " Weil ich auch mal mehr Lachen in meinem Leben vertragen könnte", sagt eine ältere Dame in der Vorstellungsrunde und erntet beifälliges Nicken.

Regelmäßig sieht Kalus auf die Uhr - schließlich darf der wichtigste Termin des Tages nicht verpasst werden: der Weltlachtag erreicht um 14 Uhr seinen Höhepunkt. Dann soll sich das Lachen aus dem Bamberger Theresienhain mit dem aller Lachyogabegeisterten rund um den Globus für mindestens eine Minute vermengen. Doch dafür muss Kalus seinen Schülern erst einmal die Grundübungen beibringen: der eingangs erwähnte Schlachtruf sowie das applaudierende Anerkennungslachen, bei dem geklatscht und laut "Sehr gut, sehr gut, yeah!" gerufen wird, gehören für den Lachyogaschüler zum Standartequipment.

Dann ist es soweit, Kalus zeigt nickend auf sein Handgelenk: 14 Uhr. Zunächst wird eine Minute meditativ für den Weltfrieden gebetet, bevor endlich gelacht werden darf. Etwas bemüht sieht es dann doch aus, als Kalus die ersten Teilnehmer darauf einstimmt, nicht nur vor sich hin, sondern andere laut anzulachen - ohne jeglichen Grund. Doch darauf zielt Lachyoga ab: "Fake it until you make it" , also: "Tu so als ob, bis das Lachen echt wird" ist zugleich Motto als auch Königsdisziplin der Lachkünstler. Das Gehirn kann zwischen echtem und gespieltem Lachen nicht unterscheiden - es werden in beiden Fällen Endorphine, also Glückshormone, ausgeschüttet. "Dadurch wird die Schmerzempfindlichkeit reduziert und die ausgeschütteten Stresshormone reduzieren sich", erklärt Kalus die gesundheitlichen Vorteile des Trainings.

Die Teilnehmer im Theresienhain sind dann doch auf dem besten Weg dahin - nach dem Friedenslachen wird noch eine gute halbe Stunde weitergekichert. Durch Übungen wie das "Tigerlachen" (Hände gespreizt, Zunge gebleckt) oder das "Leere-Taschenlachen" (das Futter der Hosentaschen wird in Armer-Mann-Manier herausgezogen) schwindet nicht nur bei den Beteiligten die erste Skepsis: um die Lachyogatruppe hat sich mittlerweile ein beträchtlicher Zuschauerreigen gebildet - aus dem sich dann und wann jemand hervorwagt, um mitzumachen. "Lachen ist einfach ansteckend", weiß auch Kalus, "darum ist es immer am besten in einer Gruppe zu üben." Er selbst war "schon immer interessiert an spirituellen Erfahrungen".

Seit 1998 ist Kalus astrologischer Berater, nebenbei arbeitet er als Verkäufer. Reine Selbsterfahrung ist nichts für den gelernten Chemieingenieur aus Hirschaid: "Ich wollte das, was mich begeistert, immer möglichst schnell weitergeben - um auch anderen zu helfen und positive Gefühle zu verbreiten."

Bei der Schnupperstunde am Theresienhain hat er das jedenfalls geschafft: einige Teilnehmer wollen wiederkommen. Schließlich hat das "Ameisen-in-der-Hose-Lachen" auch den letzten Zweifler überzeugt.