"Wir müssen Rassismus von der Mitte der Gesellschaft heraus bekämpfen", erklärte Mitra Sharifi vom Migranten- und Integrationsbeirat der Stadt Bamberg (MIB) bei der Auftaktveranstaltung zu den ersten "Internationalen Wochen gegen Rassismus in Bamberg".

Ziel dieser Projektwochen vom 11. bis 24. März ist es, Initiativen gegen Rassismus und Rechtsextremismus sichtbar zu machen und untereinander zu vernetzen. Denn bereits in ihrem Grußwort betonten Sharifi und die Mitinitiatorinnen Derya Yildirim (Projekt "STOPP!" vom Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Bamberg) und Stefanie Hahn (Seniorenbeauftragte der Stadt Bamberg), dass Rassismus alltäglich sei und viele Gesichter habe.
Mitra Sharifi benannte als Zielgruppe des Projekts neben jungen Menschen besonders Senioren, da ältere Menschen teilweise noch fester an Vorurteilen zum Beispiel gegenüber Ausländern festhalten würden.

Zu oft wird weggesehen

Oberbürgermeister und Schirmherr Andreas Starke (SPD) dankte in seiner Rede den Organisatorinnen für ihr Engagement und verwies darauf, dass auch Bamberg bereits zwei Mal Schauplatz eines NPD-Parteitages gewesen ist. Zudem erklärte er, dass noch zu viele Menschen bei rassistischen Übergriffen wegsehen und sich nicht auflehnen würden. Abschließend äußerte er den Wunsch, dass das zweiwöchige, kostenfreie Projekt möglichst großes, öffentliches Interesse erreichen wird.

Anschließend verkörperte der Schauspieler und Sozialpädagoge Dirk Bayer zwei Beispiele von Rassismus im Alltag in szenischen Darstellungen. Vom jungen, frustrierten Rechtsextremisten bis hin zum Durchschnittsmenschen mit ausländerfeindlichem Schubladendenken zeigte Bayer die Bandbreite von rassistischem Verhalten. Ihm gehe es vor allem darum aufzuzeigen, dass "jeder Tendenzen zum Extremisten" in sich hat, erklärte der Schauspieler.

Diskriminierung im Verborgenen

Die wissenschaftliche Sichtweise auf das Thema veranschaulichte die Diplom-Soziologin Claudia Lechner vom "europäischen forum für migrationsstudien". Das Ermitteln verlässlicher Zahlen über Rassismus innerhalb der Gesellschaft sei besonders schwierig, da einheitliche Definitionen fehlen und diskriminierendes Verhalten auch im Verborgenen existiert, so Lechner.

Neben direkter Diskriminierung, wie zum Beispiel durch Mobbing oder physische Gewalt, gelte genauso die Benachteiligung von Menschen mit ausländischen Namen auf dem Arbeitsmarkt oder bei der Wohnungssuche als Diskriminierung. Mit einem Kurzfilm über das Anfeinden von Menschen mit Migrationshintergrund im Alltag endete das Programm der Auftaktveranstaltung. Im Anschluss waren die Gäste bei einem Buffet noch zum Austausch über das Gehörte eingeladen.

Im Rahmen der "1. Internationalen Wochen gegen Rassismus in Bamberg" bieten Workshops, Fotoausstellungen und Filmabende weitere Möglichkeiten zur Auseinandersetzung mit dem Thema Rassismus.



Weitere Veranstaltungen

Montag, 18.März bis Freitag, 22. März
"Verwechslung" - Ausstellung zur Hinterfragung eigener Klischees (Steckbriefe einer Klasse)
Ort: Graf-Stauffenberg-Wirtschaftsschule Bamberg (Kloster-Langheim-Straße 11)
Veranstalter: Graf-Stauffenberg-Wirtschaftsschule Bamberg
Geöffnet: Montag bis Freitag: 8 bis 16 Uhr

Dienstag, 19. März um 17 Uhr
"Rassismus im Alltag - In welcher Form und was können wir dagegen tun?"
In einem Workshop werden Formen des alltäglichen Rassismus in der Gesellschaft vorgestellt, mit
anschließender Diskussion.
Ort: SkF e.V., Heiliggrabstr. 14,96052 Bamberg
Veranstalter: "STOPP!" Gegen Rassismus - für Zivilcourage", SkF e.V. Bamberg
Anmeldung bis zum 18.03.2013unter 0951/29 74 69 79

Donnerstag, 21. März um 19 Uhr
Filmabend: "Respekt statt Rassismus" Kurzfilme zum Thema Rassismus und Diskriminierung, anschließend Diskussion.
Ort: Mehrgenerationenhaus Känguruh e.V., Nürnberger Str. 108k, 96050 Bamberg
Veranstalter: Mehrgenerationenhaus Känguruh e.V.
Für Kinderbetreuung: rechtzeitige Anmeldung unter 0951/40 81 317

Freitag, 22. März von 8 bis 13 Uhr
Fotoausstellung "Vanille - trifft Schokoeis"
Ort: Heidelsteigschule (Am Heidelsteig 15)
Veranstalter: Schülermitverantwortung (SMV) der Heidelsteigschule


loh