Seit Montag (10. Mai 2021) dürfen viele Gastronomen in Bayern wieder ihre Außenbereiche für Gäste öffnen. Bei einer stabilen 7-Tage-Inzidenz unter 100 und einem negativen Corona-Schnelltest wäre ein Besuch bis 22 Uhr also wieder möglich - theoretisch. Einige Cafés und Biergärten bleiben indes freiwillig zu. Denn immer mehr Gastronomen kritisieren die strengen Auflagen der Regierung.

Auch Reza und Anne, die Betreiber des Café Nika in der Bamberger Innenstadt, werden ihre große Dachterrasse noch nicht für ihre Gäste öffnen. In ihrem Café gibt es neben selbst gemachten Donuts und Kaffee unter anderem auch Waffeln, Bagels und Milchshakes. Der Grund für die vorläufige Nicht-Öffnung: "Wir können einfach nicht genug planen. Die Abhängigkeit von Inzidenz und Wetter ist für uns zu unsicher", begründet Reza gegenüber inFranken.de seine Entscheidung. 

Café Nika in Bamberg: Betreiber will Mitarbeiter schützen

Vor allem das Wohl seiner Mitarbeiter sieht der Bamberger Gastronom gefährdet. "Wenn ich sie jetzt aus der Kurzarbeit hole und ihnen wieder volles Gehalt zahle, dann kann es sein, dass das in einer Woche wieder vorbei ist, wenn das Wetter umschlägt oder die Inzidenz auf über 100 steigt", sagt er. "Dann müssen wir wieder schließen und die Mitarbeiter, die auf das feste Gehalt gebaut haben, müssen wieder zurück in die Kurzarbeit." Von dem bürokratischen Aufwand mit der An- und Abmeldung der Kurzarbeit ganz zu schweigen. 

Auch Sebastian Kleis, Service-Leitung im Café und nebenbei Student, sieht die Situation kritisch: "Wir sind viele studentische Mitarbeiter im Café. Wir müssen uns auf Stabilität verlassen können, um unser Einkommen zu planen." Durch die Abhängigkeit von Wetter und Inzidenz ist das nicht möglich. Auch die Planung der Vorräte ist ein Problem. "Wenn ich jetzt für einen normalen Betrieb einkaufe, dann fülle ich unseren Kühlraum mit frischen Sachen aus der Region", berichtet Reza. "Wenn dann aber beispielsweise die Inzidenz steigt und die Terrasse leer bleibt, dann kann ich nach drei Tagen alles wegschmeißen." 

"Ich möchte meinen Gästen eine entspannte Zeit ermöglichen", betont Reza, "ohne Zeitlimit oder Abhängigkeit vom Wetter." Unter den gegebenen Auflagen gehe das nicht. "Wenn jetzt zum Beispiel zwei Mitarbeiter aus der Innenstadt in ihrer einstündigen Pause einen Kaffee bei uns trinken möchten, dann müssen sie sich bei der Teststation anstellen, auf das Ergebnis warten und können dann erst zu uns kommen", erläutert er, "bis dahin ist doch ihre Pause schon vorbei." Und wenn dann auch noch das Wetter umschlage und es regne, sei der Besuch wortwörtlich ins Wasser gefallen. 

Re-Opening in Planung: "Wir brennen darauf"

Nichtdestottrotz fehle der normale Betrieb dem ganzen Team sehr. "Wir brennen eigentlich darauf, wieder loslegen zu können", so Reza. "Mit einer richtigen und langfristigen Strategie." Aktuell erneuern die Café-Betreiber gerade ihre  Karte, damit es neue Produkte gibt, wenn es endlich wieder losgeht. Die selbst gemachten Donuts bleiben indes erhalten. Und wer weiß, vielleicht können die Gäste sie ja doch bald wieder auf der Terrasse des Cafés genießen. 

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Mittwochs, samstags und sonntags gibt es beim Café Nika Donuts und Getränke to go und zum Vorbestellen in der Frauenstraße 5, 96047 Bamberg. Alle Infos gibt es auf Facebook und Instagram.  

Auch das Lokal "Frei'lich" in Hallstadt wird am Montag nicht seinen Biergarten öffnen. "Solange unsere Regierung sich wie ein trotziges, unentschlossenes Kind verhält und keine klaren Linien schafft, sehen wir uns nicht in der Lage, normal zu öffnen", erklärt Inhaber Sandro.