• "Fridays for Future": Aktivistin spricht über ihre Hoffnungen und Visionen - das soll in Bamberg passieren
  • Autofreie Innenstadt, Energiewende, Grünflächen - so lauten die Wünsche der Klima-Bewegung
  • Lange Straße, Maxplatz und Co. - an diesen Orten sieht "Fridays for Future" noch Verbesserungspotenzial

Die Bamberger Ortsgruppe von "Fridays for Future" (FFF) setzt sich schon lange für möglichst umfassende, schnelle und effiziente Klimaschutz-Maßnahmen ein. Die Hoffnung dabei: Die im Weltklimaabkommen beschlossene 1,5-Grad-Grenze einhalten zu können. Auch auf Lokalebene ist die "Fridays for Future"-Bewegung aktiv - und weiß demnach, wo man in Bamberg ansetzen kann, um die Stadt klimagerechter zu gestalten.

Kranen, Kapuzinerstraße und Co. - hier sieht "Fridays for Future" in Bamberg Probleme

Lena Werner, Mitglied der Bamberger "Fridays for Future"-Bewegung erklärt gegenüber inFranken.de, was sich aus ihrer Sicht in Bamberg ändern muss, um eine "klimagerechtere Stadt" zu schaffen: "Wir sehen den größten Themenkomplex in der Mobilität", sagt Werner. Drei Punkte seien für eine Verkehrswende in Bamberg entscheidend: "Die autofreie Innenstadt, der ÖPNV und die Fahrradwege."

Vor allem wünsche sie sich eine Innenstadt ohne Autos, erklärt die Aktivistin. Über die Problematiken, die bei solchen Überlegungen mitschwingen, ist sie sich durchaus bewusst: "Klar, kann man nicht von heute auf morgen sagen: 'Zack, autofrei'. Viele Bürger*innen würden dadurch Probleme bekommen." Trotzdem sei das langfristige Ziel klar. "Vor allem die großen, belebten Straßen mitten in der Stadt wie die Lange Straße, am Kranen und die Kapuzinerstraße sind Brennpunkte", sagt Werner. "Während des ersten Lockdowns konnte man sehen, was passiert, wenn die Autos aus der Stadt draußen bleiben: Die Straßen waren frei, Parkplätze konnten für andere Sachen genutzt werden und die Lebensqualität wurde dadurch insgesamt schon stark verbessert."

Aber nicht nur die Ruhe, fehlenden Abgase und mehr Platz hätten Werner zufolge einen positiven Effekt: Vor allem könne viel CO2 eingespart und der ökologische Fußabdruck der Stadt verringert werden. Dass es auch Menschen gibt, bei denen es ohne Auto nicht geht, ist Werner klar: Mitten durch die Stadt komme man mit dem Auto dann natürlich nicht mehr - die Anbindungen über den Münchner, Berliner oder Regensburger Ring seien aber trotzdem gewährleistet. "Und es gibt natürlich immer noch den ÖPNV", hält die FFF-Aktivistin fest.

Ortsgruppe setzt auf alternative Mobilitätsmöglichkeiten - 365-Euro-Ticket für Bamberg?

Ein wichtiger Bestandteil der verringerten Belastung durch Autos sei der Ausbau des ÖPNV. Auch, wenn man zumindest in Bamberg mittlerweile eine einigermaßen gute Anbindung genießen könne, seien vor allem im Landkreis noch viele Menschen auf ein Auto angewiesen. Werner selbst habe das Problem schon öfter erlebt: Für weniger als fünf Kilometer ins Impfzentrum hätte sie fast eine Stunde auf einen Bus warten müssen. Und nicht nur die Anbindung, auch der Preis müsse attraktiver gestaltet werden: "Zum Beispiel wie in vielen anderen Städten durch ein 365-Euro-Ticket, also 365 Euro für ein Jahr ÖPNV."

Neben dem öffentlichen Nahverkehr müsse sich auch im Bereich der Fahrradfahrer*innen und Fußgänger*innen etwas tun. Diesbezüglich gebe es gute Möglichkeiten: "Die Fahrradstraße zwischen Bahnhof und Königsstraße oder das Radhaus am Bahnhof sind tolle Positivbeispiele. Trotzdem gibt es vor allem in der Stadt nicht genügend Abstellmöglichkeiten und immer wieder muss man als Fahrradfahrerin auf die Straße oder den Gehweg ausweichen, weil ein Fahrradweg plötzlich mitten im Nichts endet, wie beispielsweise in der Königsstraße", sagt das FFF-Mitglied im Gespräch.

Die "Fridays for Future"-Bewegung hat jedoch noch andere, kleinere Ideen für Bamberg: "Wir könnten viel mehr Grünflächen in der Stadt gestalten, zum Beispiel am Maxplatz. Das ist gut für Klimaschutz und Umwelt und förderlich für die Artenvielfalt. Außerdem hat man dadurch auch ein bisschen mehr Lebensqualität, wenn man nicht nur von Beton, Stein und grauer Stadt umgeben ist", so Werner.

Klimaneutrales Bamberg: Hier könnte man laut "Fridays for Future" ansetzen

Auch verwaltungstechnisch lasse sich in Bamberg noch einiges machen: "Dieser ganze Gebäude- und Energie-Aspekt ist groß: Man könnte eine Fotovoltaik-Pflicht für Neubauten einführen oder es attraktiver machen, alte Heizungen zu sanieren. Wir haben in Bamberg viele Altbauten, das Heizen mit erneuerbaren Energien könnte ebenfalls einen riesigen Unterschied machen."

Um auch Konsum-technisch etwas zu verändern, könne man regionale Märkte ausbauen - so Werners Vorschlag. "Wir haben einen so schönen Markt in Bamberg. Man könnte es unterstützen, wenn da regionale Produkte angeboten werden, und weitere Märkte einführen." Fortbildungen für Personal der Stadt in Richtung Klimawandel könnten zudem helfen, noch mehr klimafreundliche Veränderungen in die Stadt einzubringen.

"Die Hoffnung ist, dass man das Ganze motivieren kann. Von jetzt auf gleich funktioniert das alles nicht, aber ein Anfang muss gemacht werden. Man könnte einen Versuch starten, eine Straße anzugehen oder eine Probephase. Ich kann mir schon vorstellen, dass da viele Leute auch einfach erstmal so eine Anti-Haltung haben, aber wenn man das einfach einmal ausprobiert, wird man schon merken, was klimafreundlicher, sicherer für Fahrradfahrer*innen und Fußgänger*innen ist und wie viel Lebensqualität so kleine Dinge ausmachen können", ist sich FFF-Aktivistin Lena Werner sicher.