Sie soll ihren früheren Schwiegersohn mitten in einer oberfränkischen Kleinstadt mit mehreren Messerstichen getötet haben, nun muss sich eine 54-Jährige in einem Mordprozess vor dem Landgericht Bamberg verantworten. Beim Prozessauftakt am Montag entschuldigte sie sich, argumentierte aber in Richtung Totschlag, nicht Mord. Sie verwies etwa auf Drogenkonsum und schwere Kindheit, der Richter betonte aber, man werde nicht alle ihrer Aussagen "für bare Münze" nehmen.

Wie die Staatsanwaltschaft rekonstruierte, spielten sich an dem Samstagvormittag im Juli vergangenen Jahres blutige Szenen mitten in Ebermannstadt (Landkreis Forchheim) ab. "Ich bringe dich um", soll die 54-Jährige gerufen haben, während sie wieder und wieder auf den Vater ihrer Enkelin einstach. Selbst zwei Autofahrer hätten einen "letzten wuchtig geführten Stich" nicht verhindern können. Zehn Stiche hatte der 32-Jährige am Ende, er starb noch im Rettungswagen. "Der hat das gekriegt, was er verdient", soll die Frau gerufen haben.

Ex-Schwiegersohn verfolgt und mit Messer niedergestochen: 54-Jährige vor Gericht

Minuten vorher war er zu seiner geschiedenen Ehefrau gekommen, um erstmals allein Zeit mit der gemeinsamen, zu dem Zeitpunkt zwei Jahre alten Tochter zu verbringen. Als er ankam, soll die 54-Jährige dem früheren Soldaten mit Auslandserfahrung in den Oberkörper gestochen haben. Er konnte noch zur Kreuzung humpeln - sie holte ihn aber ein.

An die vielen Stiche auf der Kreuzung konnte sich die Deutsche laut ihrer Aussage vom Montag nicht mehr erinnern. Der Richter stellte in den Raum, sie könnte das nur behaupten, um sich zu schützen: "Wir haben hier häufig Leute sitzen, die wissen sehr viel von der Welt" - allerdings genau nicht, was fürs Gericht interessant sei, sagte er.

An dem Tag sei über Monate angestaute Wut über das Verhalten des Mannes aus ihr herausgebrochen, sagte sie. Er behandelte demnach Frau und Tochter schlecht. Tage nach der Geburt habe er sie in einem Haus in unzumutbaren Zustand untergebracht, nach der Trennung sei er bei Treffen immer wieder aggressiv geworden. Zudem soll es Streit um Geld gegeben haben, auch den Eltern des Getöteten machte sie Vorwürfe.

"Nicht alles für bare Münze nehmen": Zweifel an Aussagen der Angeklagten

Der Richter betonte, dass es in den Akten auch andere Darstellungen über die Beziehungen innerhalb der Familie gibt. "Wir werden nicht alles, was uns vorgetragen wurde, 'für bare Münze' nehmen", sagte er.

"Mir tut es wahnsinnig leid", sagte die Angeklagte mit Blick auf die Tat. Gleichzeitig argumentierte sie in Richtung Totschlag, nicht Mord: Sie habe nicht den Plan gehabt, den Mann zu töten oder anzugreifen. Die 34 Jahre alte Tochter der Angeklagten sagte, ihr Ex-Mann habe sich zuletzt überhaupt nicht um die Tochter gekümmert. Sie habe zwar Umgang zwischen den beiden gewollt, die Tochter habe das aber in ihrem eigenen Tempo bestimmen sollen. Eine solche Tat habe sie sich bei ihrer Mutter nie vorstellen können.

Diese sagte, sie habe selbst eine "sehr schwere Kindheit" gehabt. Ihr Vater sei früh gestorben, vom Lebensgefährten ihrer Mutter sei sie geschlagen und sexuell missbraucht worden. Die Schule habe sie ohne Abschluss abgebrochen, weil sie Geld verdienen musste.

Unter anderem fuhr sie Lastwagen. Den Job verlor sie aber mit ihrem Führerschein - wegen Drogenkonsums. Ihrer Aussage nach hatte sie die meiste Zeit ihres Lebens Drogen genommen, etwa Crystal Meth. Zumindest am Konsum vor der Tat gab es aber Zweifel: Eine Haarprobe war laut Richter negativ. Die Angeklagte sagte, da müsse irgendwas schiefgelaufen sein. Der Konsum könnte eine Rolle bei der Frage nach der Schuldfähigkeit spielen. Das Urteil könnte im April fallen.

Update vom 8.4.2022 - das Urteil ist gefallen: "Sehr verwerfliche Tat": Hartes Urteil gegen 54-Jährige, die Ex-Schwiegersohn erstach