• Erzbistum Bamberg: Ehrenbürger-Würde für Ex-Erzbischof Schick?
  • Vorschlag nach Rücktritt sorgt für Empörung bei Missbrauchsopfern
  • Umgang "beschämend": Betroffenenbeirat übt heftige Kritik
  • Rückzug "enttäuschend": Organisation befürchtet Probleme bei Aufarbeitung

Am 1. November 2022 trat der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick nach 20 Jahren überraschend von seinem Amt zurück. Die Nachricht kam zu einem Zeitpunkt, an dem immer mehr Missbrauchsfälle im Erzbistum Bamberg bekannt wurden - auch Schick selbst geriet zunehmend in Erklärungsnot. Kurz danach dann ein Vorschlag aus dem Rathaus: Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) schlug den "hochgeschätzten" Schick als Ehrenbürger vor. Eine Idee, die beim Betroffenenbeirat, dem Sprachrohr für Missbrauchsopfer im Erzbistum Bamberg, alles andere als gut ankommt. 

Erzbistum Bamberg sei "beschämend" mit Opfern umgegangen 

Dort nimmt man "mit Erstaunen zur Kenntnis, dass unmittelbar nach dem Rücktritt des Erzbischofs der Vorschlag gemacht wird, ihm die Ehrenbürgerwürde der Stadt Bamberg zu verleihen", heißt es in einer Mitteilung. Zwar habe Schick sich "ohne jeden Zweifel während seiner Amtszeit für die Region Bamberg in den verschiedensten Bereichen sehr verdient gemacht". Auch sei der "Aufarbeitung des Missbrauchs in der Diözese endlich eine Organisationsstruktur gegeben" und an Prävention gearbeitet worden. 

Doch unter Schick sei der Umgang mit Opfern "nicht durchgehend gut" gewesen, wie es Beiratssprecher Mathias Wünsche diplomatisch gegenüber inFranken.de ausdrückt. So seien Informationen "nur scheibchenweise bekannt gegeben" worden, Opfer seien "häufig nicht gesehen und ihr Leid nicht entsprechend gewürdigt" worden. Häufig habe es "nur geringfügige Entschädigungen" gegeben, so der Beirat in der Mitteilung weiter. Gleichzeitig sei "Mitarbeiterschutz" häufig vor "Opferschutz" gegangen. "Strafanzeigen wurden in vielen Fällen nicht gestellt, die Taten häufig verharmlost und heruntergespielt", so der Beirat. 

"Viele schlechte Stimmungen sind wegen des Umgangs mit Betroffenen zurückgeblieben", sagt Wünsche. Diese hätten sich teils "gefühlt, als ob Schick sie sich vom Hals halten wollte", erklärt er. In der Mitteilung heißt es, man habe die Kommunikation vonseiten des Bistums "erneut als verletzend, beschämend, verunsichernd, sowie kränkend erlebt". Das Erzbistum habe viele der Opfer "erneut in ihrer Würde verletzt". Zwar trage Schick keine "unmittelbare juristische Verantwortung", jedoch eine "sehr große Verantwortung dafür, wie mit den Tätern und den Missbrauchsbetroffenen während seiner Amtszeit umgegangen wurde", heißt es.

Heftige Kritik an Rücktritt von Erzbischof Schick - "enttäuschend"

"Das Missbrauchsgutachten der Diözese zur Aufarbeitung der Fälle steht gerade erst am Anfang. Dabei kommen sicherlich noch weitere Fälle aus den letzten 20 Jahren ans Licht - und auch Informationen dazu, wie die Geschädigten vom Erzbistum behandelt wurden", so Wünsche. "Die Ergebnisse dieses Gutachtens sollten aus Sicht des Betroffenenbeirats auf jeden Fall abgewartet werden, bevor über die Frage einer Ehrung entschieden wird", heißt es in der Mitteilung.

Eine Ernennung von Schick zum Ehrenbürger der Stadt zum jetzigen Zeitpunkt "würde von vielen Betroffenen als ein Schlag ins Gesicht wahrgenommen werden", so der Beirat. Auch an der Art des Rücktritts selbst übt der Beirat heftige Kritik. Es sei "unverständlich, dass er genau zu dem Zeitpunkt zurücktritt, in dem der Aufarbeitungsprozess der Missbrauchsfälle im Kontext der katholischen Kirche in der Erzdiözese in Gang kommt", heißt es. "Er hätte die verbleibende Amtszeit auch dazu nutzen können, auf die Missbrauchsopfer ernsthaft und engagiert zuzugehen, damit Manches wieder gutzumachen und sich für angemessene Entschädigungen und Hilfen einzusetzen."

Im Betroffenenbeirat befürchtet man nun, "dass die Aufarbeitung ins Stocken gerät". Denn Schicks künftiger Nachfolger müsse sich erst neu in die Missbrauchsfälle einarbeiten. Man erlebe bereits jetzt, dass "sich Gesprächstermine zeitlich verzögern", heißt es weiter. "Letztendlich ist diese Art des Rückzugs von Herrn Erzbischof Schick aus Sicht des Betroffenenbeirats unbefriedigend und enttäuschend", so das harte Urteil. Man hoffe jetzt, dass "der Nachfolger im Bamberger Bischofsamt diese Aufgaben endlich mit Vorrang, ernsthaft und engagiert angeht".

Auch interessant: Schock-Bericht zu Missbrauchspriester - Bischof wusste schon lange Bescheid