• Bamberg: Chaos bei "Ein Funken Hoffnung" - Traktoren-Umzug nicht am Bahnhof
  • Strecke der geschmückten Fahrzeuge verläuft anders als geplant
  • "Lassen uns nicht verarschen": Veranstalter beschuldigt Verkehrsamt heftig
  • "Falsch": Behörde mit völlig anderer Darstellung der Ereignisse

In Bamberg verlief am Samstagabend die Aktion "Ein Funken Hoffnung" der Landwirte und Landwirtinnen von "Land schafft Verbindung" (LsV) anders als geplant. Denn die geschmückten Traktoren, die besonders Kinder in der schweren Corona-Zeit Weihnachtsfreude vermitteln sollten, fuhren teils eine andere Strecke als zuvor bekannt gegeben. Am Bahnhof in Bamberg warteten deshalb viele Eltern mit ihren Kindern umsonst, wie ein zweifacher Familienvater inFranken.de berichtet hatte. Doch was ist der Grund für die offenbar plötzliche Änderung der Route? Der Veranstalter beschuldigt nun das Bamberger Straßenverkehrsamt, un- und missverständlich gehandelt zu haben, die Behörde wehrt sich. 

"Ein Funken Hoffnung" in Bamberg: Veranstalter äußert sich zu Streckenverwirrung

Mehrfach habe man die Route für den Umzug im Vorfeld ändern müssen, erklärt der Pferdehofbetreiber und Veranstalter von "Ein Funken Hoffnung", Christian Besler, im Gespräch mit inFranken.de. Erst habe man über den Bahnhof zur Langen Straße fahren wollen "mit dem Sammelplatz Domberg". Doch das sei nicht erlaubt worden. Dann habe man "eine neue Route an das Verkehrsaufsichtsamt geschickt über die Lange Straße im innerstädtischen Ring über den Heinrichsdamm zur Brose Arena". Dies sei erst genehmigt worden, doch dann habe Besler zum Beginn der vergangenen Woche einen Anruf aus der Behörde bekommen, dies sei die "Trendwende" gewesen, sagt er.

"Da hieß es plötzlich, wir bekommen die volle Polizeieskorte und wir sollen nicht über die Lange Straße fahren, sondern von der Willy-Lessing-Straße gleich links in die Friedrichstraße abbiegen." Dazu habe es noch neue Auflagen zur Trennung der Traktoren in zwei "dicht aufeinanderfolgenden Gruppen von jeweils 30 Fahrzeugen" gegeben. Diese Routenänderung habe man dann auch in Mitteilungen und über die sozialen Medien kommuniziert. Auch inFranken.de hatte im Vorfeld über die geänderte Strecke des Umzuges berichtet. 

"Am Freitag habe ich dann um 11.05 Uhr von der Verkehrsaufsichtsbehörde eine E-Mail bekommen, in der drin stand, dass die Route Zwei genehmigt worden ist", erzählt Besler. "Für mich war klar, das ist die besprochene Strecke, es gab ja nur zwei Routen im Vorfeld." Weil er die E-Mail auf dem Handy angeschaut habe, habe er nicht gemerkt, dass "unten ein Google-Maps-Bild mit der Aufschrift 'Route Zwei' gewesen ist, wo die Route anders ausgeschaut hat als besprochen", so Besler. 

"Lassen uns nicht verarschen": Pferdehofbetreiber mit wütendem Statement gegen Stadt

Der Bildausschnitt sei "so klein gewesen, dass man ihn hätte großziehen müssen und wenn man das nicht macht, denkt man nicht, dass das eine andere Route ist, weil die zwei Straßen nur 200 Meter Luftlinie entfernt voneinander liegen." Was Besler meint: Das Straßenverkehrsamt wollte die Traktoren nicht über den Bahnhof und die Ludwigstraße, sondern die parallel laufende Hallstadter- und Siechenstraße schicken. "Wir haben das am Anfang gar nicht geschnallt, dass wir nicht über den Bahnhof fahren", so der Veranstalter. Die Alternativroute habe er so nie mit dem Amt besprochen. 

An der Kreuzung Siechenstraße habe er nach der Losfahrt um 18.30 Uhr dann "protestiert" und sich mit den weiteren "Schleppern mitten in die Straße reingestellt". Man habe gesagt, "wir lassen uns nicht verarschen". Dann hätten die Fahrenden "den Zug extrem verlangsamt, damit die Eltern und Kinder noch die Chance kriegen, zur Ecke Königsstraße/Luitpoldstraße zu kommen." Besler ist tief verärgert, hat auf Facebook Kommentare lesen müssen, dass viele Kinder die Traktoren nicht zu Gesicht bekamen. In einem Video-Statement entschuldigt er sich. 

"Uns hat es das Herz zerrissen", sagt Besler in dem Video. Beim anschließenden Zusammentreffen der Traktoren an der Brose-Arena habe er unter anderem einem zuständigen Polizisten auch die Mail der Behörde gezeigt. "Das konnte niemand verstehen", so der Pferdehofleiter. Seine Hoffnung sei nun, dass auf ihn nach dem Chaos keine Anzeige wegen eines Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz zukomme, weil die "Aktion mit den Kindern auf den Schleppern an der Brose-Arena doch länger gedacht hat als geplant". Der Verstoß sei ihm am Abend auch mitgeteilt worden. "Es gibt viel Klärungsbedarf", sagt der Ranch-Besitzer aus Stückbrunn. 

Weihnachtlicher Traktoren-Umzug in Bamberg: Polizei sah "erhebliches Gefahrenpotenzial"

Auch die Stadt sieht diesen offenbar und teilt auf Anfrage von inFranken.de mit, man wolle "diese Geschichte gerne etwas ausführlicher 'aufdröseln' und so zu einer sachlich korrekten Darstellung beitragen". Am 9. November 2021 sei der Verkehrsbehörde mitgeteilt worden, dass die „Initiative Land schafft Verbindung Bamberg“ plane, "mit rund 60 Schleppern am Samstag, dem 04.12.2021, eine Lichterfahrt mit weihnachtlich geschmückten Traktoren 'Ein Funken Hoffnung – Kinderaugen funkeln lassen' durch Bamberg zu fahren", erklärt ein Sprecher. Dass die Fahrt auf dem Domplatz ende "konnte nicht befürwortet werden, da der Domplatz bereits anderweitig zum Parken freigegeben war und somit 60 Traktoren keinen Platz gefunden hätten", heißt es weiter.

"Bezüglich einer vom Initiator benannten Alternativroute über Kronacher Straße, Coburger Straße, Ludwigstraße, Luitpoldstraße, Willy-Lessing-Straße, Lange Straße, Am Kranen, Kapuzinerstraße, Innere/Äußere Löwenstraße, Untere/Obere Königstraße, Luitpoldstraße, Willy-Lessing-Straße, Friedrichstraße, Augustenstraße, Rhein-Main-Donau-Damm, Münchner Ring, Forchheimer Straße zum Parkplatz der Brose Arena, wurde diesem mitgeteilt, dass eine verkehrliche Absicherung erfolgen müsse, welche durch die Polizeiinspektion Bamberg-Stadt übernommen wird", schreibt die Verwaltung. Die Polizei habe Besler mitgeteilt, dass "von den großen Landmaschinen auf der langen Strecke ein nicht unerhebliches Gefahrenpotenzial ausgehe, weswegen am 18.11. die Aufforderung an Herrn Besler erging, sich rechtzeitig mit der Polizei in Verbindung zu setzen". 

Dann habe die Polizei der Verkehrsbehörde am 28. November 2021 mitgeteilt, dass der Traktoren-Umzug "als bedenklich angesehen wird". Die Begründung der Polizei laut Stadt: Neben "Verkehrsbehinderungen" gebe es "ein erhebliches Gefahrenpotenzial für andere Verkehrsteilnehmer und die Zuschauer". Das habe sich insbesondere auf die Lange Straße bezogen. Veranstalter Besler sei deswegen am vergangenen Dienstag, dem 30. November 2021, dazu aufgefordert worden, "die Route über Hallstadter Straße, Siechenstraße, Untere/Obere Königstraße, Luitpoldstraße/Brücke, Willy-Lessings-Straße, Friedrichstraße, Münchner Ring in die Forchheimer Straße zu fahren", so die Darstellung der Stadt Bamberg. "Auch sollte sich die Gruppe am Ende auflösen, um nicht den Charakter einer Veranstaltung aufkommen zu lassen", schreibt der Sprecher weiter.

"Falsch": Stadt Bamberg habe Route über Bahnhof "mehrfach abgelehnt"

"Diese Mitteilung stieß leider nicht auf Verständnis, vielmehr wurde seitens des Initiators sogar eine Demonstration mit 100 – 150 Traktoren in Erwägung gezogen", heißt es in der Antwort auf die Anfrage. Man habe den Pferdehofbetreiber dann am Donnerstag, 02. Dezember 2021, "erneut kontaktiert, um ihm die Hintergründe sowohl für die Aufteilung in zwei Gruppen zu je maximal 30 Fahrzeugen, als auch die Streckenführung zu erläutern".

Die Stadt sagt, sie habe dann auch der Polizei "diese besprochene Route noch am 02.12." und "Herrn Besler per E-Mail am 03.12. um 11.06 Uhr" übermittelt. Abschließend habe man darauf hingewiesen, dass "auch in dieser E-Mail zur Einhaltung der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung aufgefordert wurde".  

Laut Verwaltung habe man "die Routenführung über den Bahnhof bereits am 30.11. und dann mehrfach wiederholt (mündlich und schriftlich) abgelehnt". Die "erhobenen Vorwürfe einer plötzlichen, unangekündigten Änderung der Streckenführung" seien daher "als falsch zu bezeichnen". Besler selbst sagte am Montagvormittag gegenüber inFranken.de, die Verkehrsbehörde habe ihm vorgeworfen, "E-Mails nicht richtig zu lesen". Er plane nun im kommenden Jahr keinen Traktoren-Umzug mehr in Bamberg. "Wir werden ausweichen. Ein Nachbarlandkreis hat bereits gesagt, bei ihnen sind wir willkommen", kündigt der Veranstalter an. 

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