Aus allen Nähten platzende Altstadtgassen, Touristenstau auf der Oberen Brücke und in der Sandstraße. Das ist die eine Seite des seit Jahren anhaltenden Touristenbooms in Bamberg. Die andere: 4800 Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt von der Beliebtheit Bambergs bei seinen Gästen ab. 150 Millionen Euro wurden 2011 durch den Fremdenverkehr erwirtschaftet - so viel wie nie zuvor.

Bürgermeister Werner Hipelius (CSU) und Tourismus-Chef Andreas Christel präsentierten im neuen Infozentrum am Rosengarten Geyerswörth die Zahlen des vergangenen Jahres. Sie stellen mehr als nur eine weitere Etappe in der Erfolgsgeschichte des Bamberg-Tourismus dar. Mit 510.000 Übernachtungen und schätzungsweise 2,5 Millionen Tagestouristen wurden die Zahlen der Vorjahre förmlich übertrumpft: Um 14,2 Prozent wuchs der Umsatz der Bamberger Bettenbetriebe in Jahresfrist. Und das, nachdem bereits 2010 ein Rekordjahr verzeichnet worden war.


Bamberg hängt Nürnberg ab



Bemerkenswert an den Rekordzahlen ist nicht nur ihre absolute Höhe: Bamberg steht mit dem Ansturm der Gäste auch im bayernweiten Vergleich an der Spitze; selbst Regensburg und Nürnberg, Hauptstadt der Metropolregion, können da nicht mehr mithalten: "Es gibt viele Regionen, die uns gerne einige hunderttausend Touristen abnehmen würden", freute sich Werner Hipelius mit Blick auf manche Mittelgebirgsregion, wo die Zahlen bedrohlich nach unten zeigen. Dagegen ist Bambergs Beliebtheit als Touristenstadt seit Jahren gewachsen. Das Ergebnis ist unübersehbar: An vielen Wochenenden strömen die Massen durch Bamberg, Hotels und Gästehäuser sind oft Wochen im Voraus ausgebucht - ein Höhenflug, von dem längst nicht mehr nur das Gastgewerbe profitiert. Immerhin 49 Prozent der Ausgaben der Touristen fließen in den Bamberger Einzelhandel und in das Dienstleistungsgewerbe.

Das Jahr nach dem Rekord ist sehr wahrscheinlich das Jahr vor einem neuen Rekord: Restlos belegte Hotels, volle Gaststätten und Läden wird es 2012 aller Voraussicht nach nicht nur an den Wochenenden geben. Alleine zur Landesgartenschau, die am 26. April eröffnet wird, erwarten die Verantwortlichen der Stadt mindestens eine Million Besucher. Und auch das tausendjährige Dom-Jubiläum wird dazu beitragen, dass der Strom der Gäste nicht abreißen wird.

Zu viel des Guten für Bamberg? "Ich habe schon ein mulmiges Gefühl, wenn ich mir die nächsten Monate ausmale. Das wird nicht einfach werden", sagt Christine Freise-Wonka, die als Gästeführerin nah an den Besuchern der Stadt dran ist, aber auch viele Bamberger kennt, die dem Tourismus mehr und mehr kritisch gegenüberstehen. Ihr Eindruck: "Die Stimmung in der Bevölkerung ist schon in diesem Jahr gekippt."

Zwiespältige Gefühle weckt das Thema Tourismus auch bei Bamberg-Kenner Peter Ruderich. Einerseits seien die Gäste eine unverzichtbare Einnahmequelle für Bamberg, anderseits gebe es Auswüchse des Massentourismus, die man als Altstadtbewohner nicht gutheißen könne, etwa die Zunahme nächtlicher Events und des daraus resultierenden Lärms; aber auch die Zusammenballung von Touristengruppen an einzelnen Schönwettertagen und Plätzen. Doch eine Lösung weiß auch Ruderich nicht: "Wie soll man das steuern? Die Stadt hat nun mal nur eine begrenzte Fläche."


Touristen beleben die Stadt



Mit gemischten Gefühlen blickt Robert Lorang, Inhaber eines Antiquariats an der Oberen Brücke, auf das Gartenschau-Jahr. Er ist überzeugt davon, dass Bamberg ohne Touristen und Studenten keine so lebenswerte Altstadt hätte - "mit ihren schönen Gaststätten und Läden". Nun befürchtet er, dass durch die Belastung im Gartenschaujahr die Kritiker des Tourismus die Oberhand gewinnen könnten. Dabei sind die Ängste, die Altstadt werde überrannt, aus Lorangs Sicht weit übertrieben. "Die Überfüllung der Stadt beschränkt sich auf wenige Tage im Sommer. Von Januar bis März ist hier überhaupt nichts los."

Mit der Ruhe wird es bald vorbei sein. Auch Bürgermeister Werner Hipelius rechnet mit einem nicht gekannten Andrang in der Altstadt, wenn zu den Kulturtouristen auch noch die Besucher der Gartenschau kommen. Dennoch rät er zu Gelassenheit und zu einer positiven Sichtweise: "Da muss man heuer durch."