Die Pendler sind sauer. Spätestens seit der Vollsperrung der Bahnstrecke zwischen Ebensfeld und Bamberg vom 17. bis 23. Juni diesen Jahres wissen sie, was in zwei Jahren auf sie zukommen könnte. Dann wird die Strecke zwischen Ebensfeld und Bamberg wegen des ICE-Ausbaus für 34 Wochen voll gesperrt sein.

Zu eng und zu stickig
Ein Kronacher Pendler protestiert schriftlich. In den im Juni eingesetzten Bussen sei alles viel zu eng und stickig gewesen, dazu die Fahrzeiten zu lang. Da die Kapazitäten zu gering gewesen seien, hätten viele Fahrgäste zurückbleiben müssen. Und: weil keine Anschlussverbindungen berücksichtigt wurden, habe es für viele Pendler massive Zeitverluste gegeben. Die logische Konsequenz: Viele Pendler würden ihre Abos kündigen.
Davon geht man auch beim Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) aus.

Pendler, die einmal aufs Auto umgestiegen seien, könnten nur mit großer Mühe zurückgewonnen werden. Für den VGN doppelt ärgerlich: Ab 1.1.2015 wird der Landkreis Lichtenfels an das Verbundgebiet angeschlossen. Derzeit arbeitet man mit Hochdruck an der Umstellungsphase. Aber kaum realisiert, müssen sich die Zugfahrer in dieser Region auf eine achtmonatige Sperre der wichtigen Nord-Südverbindung der Bahn zwischen Ebensfeld und Bamberg einstellen. Die Pendler haben inzwischen auch den Coburger Bundestagsabgeordneten Hans Michelbach (CSU) mobilisiert.

Kritik: Billigste Lösung
Der wandte sich sowohl an Bahnchef Rüdiger Grube als auch den Bevollmächtigten der Bahn für Bayern, Klaus-Dieter Josel. Bat darum zu prüfen, inwieweit doch noch von einer Vollsperrung über so lange Zeit Abstand genommen werden könnte. Die Antwort: "Enttäuschend", so Michelbach. Er wurde aber noch deutlicher. Die Bahn gehe hier nach Gutsherrenart vor, befand der Abgeordnete. Es gehe den Verantwortlichen offenkundig ausschließlich darum, die billigste Lösung umzusetzen. Unabhängig davon, welche Auswirkungen das auf die Menschen vor Ort habe. "Die Bahn zu privatisieren,war einer der größten Fehler des Bundes", räumte Michelbach ein. Und fügt hinzu: "Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen". Im September wolle er in Berlin in einem persönlichen Gespräch mit dem Bahnchef nochmal nachhaken.

Die geplante achtmonatige Vollsperrung gefällt auch dem Fahrgastverband "Pro Bahn" nicht. Dessen Sprecher Lukas Iffländer: "Die Vollsperrung würde zu unzumutbaren Belastungen der Fahrgäste durch die bis zu einer Stunde längeren Fahrzeiten und zweimaliges Umsteigen führen". Und die Bahn:? Ein Sprecher erklärt, man werde den Vorwürfen nachgehen. Wo es Fehler gegeben habe, würde nachgebessert. Die Vollsperrung bleibe, aber 2016 würden deutlich mehr Busse eingesetzt.



Kommentar von Klaus Angerstein: Harte Zeiten für Berufspendler
Der ICE soll möglichst bald möglichst schnell von München nach Berlin unterwegs sein. Auf fränkische Pendler wird da weniger Rücksicht genommen. Die Bahn hat politischerseits einen klaren Auftrag: Mit dem ICE möglichst schnell von München nach Berlin fahren können. Nicht irgendwann, sondern bald. Also muss auch der Ausbau zügig vonstatten gehen, besonders der zwischen Ebensfeld und Fürth, dem nach 2017 letzten noch nicht fertig gestellten Teilstück der ICE-Strecke zwischen München und Erfurt.

Ein Ziel, das für die Bahn am leichtesten über eine Vollsperrung erreichbar ist. Bahnpendler aus dem Frankenwald Richtung Mittelfranken müssen dieser Planung zufolge im Jahr 2016 über acht Monate lang mit Schienenersatzverkehr Vorlieb nehmen. Eine Zumutung sowohl für die Pendler als auch beispielsweise für DB Regio, wo man sich darüber freut, dass man den Franken-Thüringen-Express endlich zum Rollen gebracht hat. Bleibt's bei der Planung, werden die Pendler auf das Auto ausweichen und DB Regio gleichzeitig Kundschaft verlieren. Ein Ärgernis also für viele Beteiligte.

Dabei mussten selbst Bahninsider einräumen, dass eine Vollsperrung über Monate beileibe nicht die einzige Lösung gewesen wäre. Die Bahn setzt aber offenkundig mehr auf den Geschäftsmann, der von München nach Berlin will. Der Berufspendler zwischen Kronach und Erlangen muss halt zusehen, wo er bleibt.