Scheßlitz
Bauwerk

Ausdruck von Bürgerstolz

Das alte Rathaus von Scheßlitz steht beim "Tag des offenen Denkmals" am Sonntag im Blickpunkt.
Das alte Rathaus Fotos: Michael Gründel
+9 Bilder
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Fährt man durch die Scheßlitzer Hauptstraße am Alten Rathaus vorbei, wundert man sich eigentlich nur über eines: Warum hat die Stadtverwaltung schon 1977 dieses stattliche und eigentlich viel schönere Gebäude verlassen und ist in das ehemalige "Kastenamt" gezogen, das vormalige fürstbischöfliche Amtshaus, in dem zwischenzeitlich noch die Polizei untergebracht war? Wo doch der "Kastenhof" seinem Namen alle Ehre macht, obwohl der eigentlich vom (Geld)Kasten herkommt? Die Antwort ist einfach. "Hier haben wir halt wesentlich mehr Platz", sagt Bürgermeister Franz Zenk (CSU), und den braucht eine moderne Verwaltung.

Aber sowohl die Tradition der bürgerlichen Selbstverwaltung wie auch deren Repräsentanz findet ihren Ausdruck viel mehr in der gut gepflegten Fassade des Alten Rathauses, das äußerlich eher an die Domizile reicher Handelsherren in Hansestädten erinnert. Die neubarocken Schweifgiebel an den Schauseiten sind allerdings erst in neuerer Zeit entstanden, beim letzten großen Umbau des Rathauses zwischen 1898 und 1900 durch den damaligen Bamberger "Distriktstechniker" Gustav Häberle. Unter dessen Regie entstanden verschiedene, auch sakrale Bauten im Bamberger Land neu. Damals hatte das "Alte Rathaus" schon eine lange Geschichte hinter sich, wie das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege beschreibt.

Als "Stadt" wurde Scheßlitz erstmals anno 1230 vom damaligen Landesherrn Herzog Otto VII. von Andechs-Meranien bezeichnet. Eine Kopie dieser Urkunde, die sonst in der St.-Kilians-Grundschule hängt, ist zum Tag des offenen Denkmals im oberen Stockwerk ausgestellt. Seit dieser ersten Erwähnung ist nach Ansicht des Landesamtes für Denkmalpflege hier ein Rathaus möglich, das Ende des 15. Jahrhunderts (Stadtsiegel 1421, Bürgermeister und Stadtschreiber 1490) wahrscheinlich wird. Der Stadtchronist Felsheim erwähnt das Rathaus ausdrücklich 1588.

Bei der Sanierung des Gebäudes 1757 sind dann nähere Einzelheiten über seinen Standort und Nutzung zu erfahren. Die Stadt hatte 400 Gulden zuzuschießen auf Grund der Behauptung, sie halte "seit urdenklicher Zeit" in einer Stube dieses Gebäudes ihre Ratssitzungen ab und wolle dies auch künftig tun. Dieses Gewohnheitsrecht wurde auch nicht bestritten.

Mit der Säkularisation wurde auch Scheßlitz bayrisch und die neue "Landesdirektion" ließ eine Notiz über die Nutzungen des Hauses erstellen. Darin heißt es: "Im oberen Stockwerk befindet sich die Stube, wo der Bürgerrat seine Sitzungen abhält, ferner die Oberamtmannswohnung. Im unteren Stockwerk befinden sich ein Gelass für die Stadtwaage und ein Pferdestall, außerdem einige Gemächer zum Verkauf von Brot- und Fleischwaren. Der Hausboden (Dachboden) wird als Getreidespeicher genutzt". Vermerkt ist weiterhin, dass zu dem Haus keinerlei Hofraum gehört.

In den 1850er Jahren veräußerten die neuen Besitzer das Gebäude und der damalige erste Scheßlitzer Bürgermeister Peter Schrauter ersteigerte es "mit allerhöchster Genehmigung" für 1800 Gulden. Damit erlangte Scheßlitz erstmals Eigentum an seinem Rathaus, die letzte Rate wurde 1863 gezahlt.

Zum Tag des offenen Baudenkmals laden die Stadt und der Heimatkundliche Verein Scheßlitz zur Besichtigung ein. Führungen durch Bürgermeister Franz Zenk und die Vorsitzende des Heimatkundlichen Vereins, Franziska Hintzke, sind am Sonntag um 11, 14 und 17 Uhr vorgesehen.
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