Wie sieht die Arbeit eines Chorleiters aus, wie entlarvt er "Falschsänger", wie bringt man Laien, die keine Noten kennen, das Singen bei? Im Vorfeld des "Beschwingten Sommerabends" im Innenhof der Sparkasse Hirschaid gab Armin Müller im Gespräch mit unserer Zeitung Einblicke in seine Tätigkeit.

Wie sind Sie eigentlich Chorleiter geworden und vor allem, was fasziniert Sie an dieser Aufgabe?
Armin Müller: Ich habe Musik im Hauptfach studiert und während meines Studiums auch einen Kurs im Dirigieren belegt, wo man allerdings nicht viel lernt. Daher bin ich einfach ins kalte Wasser gesprungen und habe schon als Student einige Chöre geleitet. Mir ist es wichtig, meine musikalische Erfahrung weiterzugeben. Zudem macht es mir einfach Spaß mit Menschen zu arbeiten, sowohl mit Kindern und Jugendlichen als auch mit Erwachsenen.

Und wie hat es Sie zum Gesangsverein nach Hirschaid verschlagen?
Auf die freie Stelle eines Chorleiters bin ich durch einen Aushang in der Bamberger Uni aufmerksam geworden. Allerdings war die Stelle, als ich dort vorstellig wurde, bereits besetzt. Da aber die neu eingestellte Chorleiterin mittlerweile nach Augsburg gezogen ist, hat mich der Vorstand des Hirschaider Gesangsvereins angerufen und gefragt, ob ich noch immer Interesse hätte. Ich habe natürlich zugesagt.

Was sind die Aufgaben eines Chorleiters? Oder provokativ gefragt: Kann ein Chor nicht auch alleine singen?
Letzteres stimmt nur teilweise. Wenn der Chor gut vorbereitet ist und zum Konzert antritt, dann kommen die Sängerinnen und Sänger wohl ohne Dirigenten aus. Auch die Aufgabe des Anstimmens der Töne kann vom Pianisten übernommen werden. Aber im Vorfeld braucht es sehr wohl einen Chorleiter. Denn in der Regel singen im Gesangsverein Leute ohne musikalische Ausbildung. Mein Part besteht zum Beispiel darin, bestimmte Stücke vorzusingen. Danach üben wir viele Wochen, bis ein ganzes Konzertprogramm steht. Und der Weg dahin ist ein weiter. Denn ich will, dass der Chor ein gewisses Niveau erreicht und daher muss ich die Menschen immer fordern und fördern.

Das wollen wir etwas genauer wissen. Wie formt man aus Laienmusikern eine gut klingende Choreinheit?
Die Mitglieder eines Gesangsvereins haben unterschiedliche Begabungen, jeder hat seine Fähigkeiten und jeder hat im Idealfall eine gut klingende Stimme. Allerdings ist dies noch lange kein Zusammenklang. Jeder Einzelne muss bereit sein sich unterzuordnen und nicht einfach nur der Lauteste sein. Hier bin ich gefordert. Nur Übung macht Meister. Oft entsteht ein wirklicher Chorklang erst kurz vor dem Konzert. Das ist dann für den Chorleiter ein tolles Gefühl, wenn er dann plötzlich nicht mehr 40 Einzelstimmen hört, sondern ein Ensemble."

Hören Sie, wenn einer in der Masse falsch singt?
(lacht) Wenn zehn Leute im Alt singen, dann weiß ich schon, irgendwo in der zweiten Reihe klang es falsch. Ich bin mir zwar oft nicht ganz sicher, wer es war, aber ich übe die Alt-Stelle dann einfach noch einmal. Ich denke, ich habe inzwischen schon genug Erfahrung, dass ich merke, wo es brennt.

Mit welchen Schwierigkeiten hat man als Chorleiter kämpfen?
Jeder hat unterschiedliche Auffassungen über die Gesangskunst. Da ist pädagogisches Geschick gefragt. Denn wenn alle in ihrem eigenen Tempo singen, kann es nicht klappen. Das muss ich letztendlich vorgeben.

Wenn ein Konzert wie am kommenden Freitag ansteht. Wer ist im Vorfeld verantwortlich für das Programm?
Das Programm basiert weitgehend auf meinen Ideen in enger Abstimmung mit dem Vorstand des Vereins. Da diesmal der Wunsch bestand, einige englische Lieder mit ins Repertoire aufzunehmen, habe ich die beiden Stücke von Frank Sinatra "My Way" und ‚New York, New York" ausgewählt, da sie zum Chor passen. Die Stücke sind in der Tat nicht ganz einfach, aber mit viel Üben haben wir es hinbekommen.

Welche Ziele, welche Richtung wollen Sie mit dem Hirschaider Gesangsverein künftig gehen?
Zunächst möchte ich betonen, dass ich den Chor in einem sehr gepflegten Zustand übernommen habe. Meine Vorgängerin hat sehr gute Arbeit geleistet. Natürlich möchte ich die bestehenden Traditionen wie die Pflege des deutschen Liedgutes weiterführen. Trotzdem wollen wir auch ein klein wenig englisches Flair hineinbekommen. Letztendlich soll es eine große Bandbreite mit fränkischen Wurzeln werden. Und ich möchte die musikalische Qualität weiterentwickeln. Wichtig ist mir natürlich auch, dass alle mit Spaß bei der Sache sind."

Wie läuft eine normale Chorprobe ab?
Die ersten zehn bis 15 Minuten singen wir uns ein. Dabei lockern wir die Stimme und den Oberkörper und halten hohe bzw. tiefe Töne aus. Danach gehen wir an die Stücke, die anstehen. Wenn wir vor einem Konzert stehen, üben wir gezielt die ausgewählten Stücke und ansonsten pflegen wir die Lieder aus dem Jahreskreis. Dabei habe ich immer bereits im Hinterkopf, was wir singen beim nächsten Konzert. Bei rund 40 Leuten hat auch alle paar Wochen immer jemand Geburtstag. Der darf sich dann vom Chor ein Stück aus unserem Repertoire wünschen. Das singen wir ihm dann zu Ehren - ohne vorher zu proben.

Konzertermin


Der Hirschaider Gesangverein lädt am Samstag 30. Juni, ab 19 Uhr zu einem "beschwingten Sommerabend" in den Innenhof der Sparkasse Hirschaid ein. Neben dem Gesangverein sind zu Gast der Mühlendorfer Frauenchor "Sängerlust", das Duo Juliane und Günter Schramm sowie die Pianistin Pia Schuhmann. Der Eintritt ist frei.