Baunach
Gemälde

Aus 38 Tafeln wird ein Bild

In der Baunacher Pfarrkirche St. Oswald ist alle drei Jahre das Heilige Grab zu bewundern. Viele Helfer sind notwendig, um die sieben mal zehn Meter große Kulissen zusammenzusetzen.
Raimund Viering fügt zwei Tafeln mit Riegeln und Keil zusammen. Foto: Michael Gründel
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Wenn in der Baunacher Osternacht in der Pfarrkirche St. Oswald die Auferstehung Christi gefeiert wird, kommt dem 62-jährigen Ludwig Eichler eine besondere Rolle zu: Er betreut das "Heilige Grab", ein riesiges, auf Holz angefertigtes Gemälde, und neben dem Auf- und Abbau kümmert er sich auch um dessen Einbindung in den Ostergottesdienst. "So lange die Kirche noch dunkel ist, ziehe ich den Leichnam Christi heraus. Auf ein Stichwort des Pfarrers fange ich hinter der Konstruktion mit dem Weihräuchern an und schalte das Licht ein. In diesem Moment schiebt Pfarrgemeinderatsvorsitzender Adolf Schilling die Figur des Auferstandenen in die Kulisse."


Aufwändiger Aufbau



Das etwa 40 Quadratmeter große Gemälde wird nur alle drei Jahre aufgebaut. "Das haben die Denkmalschützer so festgelegt, als das Gemälde in den achtziger Jahren wieder hergerichtet wurde", erzählt Eichler. Zuvor war der obere Teil der Konstruktion damals beim Aufbau auf den Boden gekracht.

Zum Montieren des Heiligen Grabes vor dem Seitenaltar sind etwa 15 bis 20 Männer nötig. "Anleitung gibt es keine, aber die meisten wissen, wie es zusammengebaut wird", sagt Ludwig Eichler, der den Aufbau organisiert.
Besonders beim Einhängen der Konstruktion an der Kirchendecke sollte man schwindelfrei sein: "Das ist schon verdammt hoch". Hinter der Front des Gemäldes halten zahlreiche Balken, Keile und Riegel das Gebilde zusammen. Schwierigkeiten, die notwendigen Aufbauhelfer zu finden, gibt es aber in der Regel keine. "Die Leute sind immer bereit mitzumachen". Sowieso kommt das Gemälde bei den Baunacher Bürgern gut an, so Eichler. Er war 1987 gefragt worden, ob er die Betreuung des Projekts übernehmen würde. "Ich hatte hobbymäßig vorher schon viel mit Holz und Metall zu tun".


Aus dem 18. Jahrhundert


Das Gemälde sucht in der Region seinesgleichen: "Ich kenne in der Gegend nichts in der Art", sagt Ludwig Eichler. Das Heilige Grab gilt als Werk des Künstlers Johann Anwander (1715-1770), der auch für die Riesenfresken am Alten Rathaus in Bamberg verantwortlich ist. Eichler vermutet, dass das Gemälde ungefähr im Jahr 1750 entstand, angefertigt auf der Holzkonstruktion eines Baunacher Schreiners. "Wer allerdings auf die Idee gekommen ist, weiß niemand so genau."

Den ganzen April steht das Heilige Grab in der Baunacher Pfarrkirche St. Oswald, bevor es für weitere drei Jahre wieder in der pfarreigenen Scheune gelagert wird.
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