von unserer Mitarbeiterin Andrea Spörlein

Frieda Kahn, geboren am 12. Juli 1931 in Hirschaid, wäre vielleicht in diesem Jahr 82 Jahre geworden, doch sie wurde zusammen mit ihren Eltern Carry und David Kahn am 22. März 1942 von den Nationalsozialisten aus Hirschaid in den Osten deportiert. Wir wissen noch, dass sie in Nürnberg von ihren Eltern getrennt und wie auch der Rest der Familie in Izbica (im heutigen Polen) ermordet wurde.
An die Familie Kahn erinnern nun drei Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig. Auf Initiative von Annette Schäfer, der Geschäftsführerin der Kunst- und Kulturbühne Hirschaid, sowie von Franca Heinsch vom Verein "Geschichte für alle" verlegte der Kölner Künstler die zehn auf zehn Zentimeter großen Messingtafeln vor der ehemaligen Hirschaider Judenschule (heute: Nürnberger Straße 12), dem letzten Zuhause der Familie Kahn.

Schüler haben recherchiert

Es sind die ersten drei Stolpersteine, die es im Landkreis Bamberg gibt. Wenn es nach den Vorstellungen von Annette Schäfer geht, sollen es für Hirschaid aber nicht die letzten Stolpersteine gewesen sein. Für sie sind diese Steine eine gute Möglichkeit, sich "an die einst so lebendige jüdische Gemeinde in Hirschaid zu erinnern". Dies sieht auch Hirschaids Bürgermeister Andreas Schlund (CSU) so. In seiner Begrüßung dankte er insbesondere auch den anwesenden Schülern für ihre "wichtige Arbeit" zur Erforschung der jüdischen Gemeinde Hirschaids.
Er erinnerte an die Menschenverachtung des Dritten Reichs und die entwürdigenden Maßnahmen, denen die Hirschaider Juden ausgesetzt waren. Für ihn ist es auch im Blick auf die Gegenwart ganz wichtig, "sich für ein würdiges Gedenken an die Opfer einzusetzen und stark zu machen". In diesem Zusammenhang sieht er auch den Erwerb der ehemaligen Judenschule und den Umbau zu einem Dokumentationszentrum durch die Gemeinde.
Vorbereitet wurde die Veranstaltung von den Lehrerinnen Alexandra Welzenbach und Ursula Prinz und der Klasse 10 c der Staatlichen Realschule Hirschaid. So wurde im Staatsarchiv Bamberg und im Hirschaider Gemeindearchiv ausführlich über die Geschichte der Hirschaider Juden und insbesondere der Familie Kahn recherchiert. Außerdem trugen die Schüler Jutta Mohnkorn, Lisa Theobald und Siegfried Kacher ein fiktives Gespräch vor, das die Familie Kahn vielleicht kurz vor ihrer Deportation geführt haben könnte. Hier wurde die stufenweise Entrechtung der Juden im Dritten Reich in kurzen Dialogen dargestellt, bis hin zur Frage der kleinen Frieda: "Warum spielen die Nachbarskinder nicht mehr mit mir?"
Nicht weniger beeindruckend war die Schilderung der 1929 geborenen Martina Lerch, einer geborenen Schumm, über ihre Kinderfreundschaft zu Frieda Kahn. Sie ist gegenüber dem Wohnhaus der Familie Kahn aufgewachsen. David Kahn war oft bei den Schumms zu Gast und hat sich viel mit ihrem Großvater unterhalten. Noch heute bezeichnet sie die Familie Kahn als "feina Leut" und erinnert sich mit Schrecken an die Leiden und Anfeindungen, die die jüdischen Nachbarn ertragen mussten. Vergessen hat sie auch die Angst nicht, die sie bei der der Sprengung der Hirschaider Synagoge ausgestanden hat.