Reckendorf
Filmprojekt

Auf den Spuren jüdischer Emigranten

Der Streifen "Das amerikanische Jerusalem" soll an das Lebenswerk herausragender Persönlichkeiten erinnern, die die Entwicklung San Franciscos prägten. Amerikanische Dokumentarfilmer besuchten vor Beginn der Dreharbeiten Reckendorf und sahen sich in Buttenheim um.
Erzählen die Geschichte fränkischer Emigranten: Jackie Krentzman, Camille Servan-Schreiber und Marc Shaffer, die sich von Kunsthistorikerin Adelheid Waschka durch Reckendorf führen ließen. Hier vor dem ehemaligen Anwesen der Familie Walter Foto: Ronald Rinklef
Bei der Walther'schen Kinderheimstiftung begann der Rundgang, der eineinhalb Jahrhunderte zurück führte: Eine Reise kalifornischer Dokumentarfilmer in die Vergangenheit jüdischer Familien, die den "american dream" lebten. "Als Außenseiter verließen sie die fränkische Heimat und streiften die Fesseln der Alten Welt ab, um inmitten der Gesellschaft die Zukunft der Neuen Welt mitzugestalten", sagt Jackie Krentzman als Produzentin. Unter dem Titel "Das amerikanische Jerusalem" erinnert die Hochschuldozentin an das Lebenswerk herausragender Persönlichkeiten, die die Entwicklung San Franciscos von einer 1000-Seelen-Siedlung zur Weltstadt prägten.

Bevor der Erfinder der Blue Jeans samt seines Buttenheimer Geburtshauses ins Rampenlicht rückte, lag der Fokus also auf der Geschichte der Reckendorfer Juden. Als Kunsthistorikerin zeigte Adelheid Waschka Stationen des Lebens der Emigranten, denen sich auch die Produzentin Camille Servan-Schreiber und Marc Shaffer als Regisseur in den kommenden Wochen und Monaten widmen. Die Vergangenheit Emanuel Walters lebte auf, der neben seinen Brüdern Isaac und Max jenseits des großen Teichs zum einflussreichen Unternehmer avancierte. Und sein Elternhaus gleich neben dem Reckendorfer Rathaus der Gemeinde 1905 "zum Zwecke der Gründung eines Heimes für alle Kinder des Ortes zwischen drei und sechs Jahren, gleich welcher Konfession" vermachte.

Ebensowenig vergaß Isaias Hellman die alte Heimat, der in Los Angeles zum "reichsten Mann des Westens" aufstieg. An der Pazifikküste war er zum führenden Finanzier geworden und kehrte doch bis zu seinem Tod immer wieder nach Reckendorf zurück. Um neben Verwandten und Bekannten zuweilen auch dem "Doktorshaus" (Eidelsgasse 5) einen Besuch abzustatten - wie nun die kalifornischen Dokumentarfilmer. "Ist es nicht faszinierend, was diese Menschen leisteten, nachdem ihre Rechte und Möglichkeiten nicht länger beschnitten wurden", meinte Marc Shaffer. Wobei das Filmprojekt sogar den Regisseur, der in den vergangenen Jahren neben anderen Auszeichnungen zwei "Emmy"-Nominierungen einheimste, back to the roots bringt: So kamen Shaffers Großeltern als jüdische Osteuropäer in die Staaten, um sich hier ebenfalls aus dem Nichts eine Existenz aufzubauen.

Auch die ehemalige Synagoge, der jüdische Friedhof und das Anwesen der Familie Haas waren Stationen auf dem Rundgang durch Kindheit und Jugend der Emigranten. Zumal San Francisco Wolf (William) Haas eine Sehenswürdigkeit verdankt, die jährlich zahllose Touristen anzieht. Als einziges gut erhaltenes und mit Originalmobiliar ausgestattetes historisches Anwesen des Viktorianischen Zeitalters beherbergt das Haas-Lilienthal-House ja die Foundation for San Francisco Architectural Heritage.

In Buttenheim fingen die Besucher die Atmosphäre des jüdischen Friedhofs ein, um sich danach von Tanja Roppelt durchs Geburtshaus des Mannes führen zu lassen, der eine Goldgrube auftat ohne nach Gold zu schürfen. Schließlich waren Goldgräber die ersten Kunden des Stoffhändler Strauss, der ihnen in San Francisco aus Segeltuch reißfeste Hosen schneiderte.

"Journalisten aus aller Welt besuchten uns, natürlich auch Filmemacher. Aber eine amerikanische Filmcrew, die an einer so umfangreichen Dokumentation arbeitet, kommt erstmals ins Strauss-Museum", berichtet Tanja Roppelt. Und hofft auf diese Weise neue Kontakte zu knüpfen und als Resonanz auf den Film noch interessante Episoden aus dem Leben des Jeans-Erfinders in Erfahrung zu bringen.

In Kürze sollen in Buttenheim auch die Dreharbeiten starten, die darüber hinaus in Fürth, Tüchersfeld und Nürnberg geplant sind. Ab Herbst wird "Das amerikanische Jerusalem: Jüdische Einwanderer und die Entstehung San Franciscos" in den Staaten aller Voraussicht nach via PBS ausgestrahlt, einer nicht-kommerziellen Senderkette. Bei Filmfestivals soll die Dokumentation von Switchback Films und Actual Films vertreten sein, wie über die Produzenten zu erfahren war. Zudem liefen Gespräche, um eine deutsche Fassung unters hiesige Fernsehpublikum zu bringen.

"Wünschenswert wäre natürlich auch, dass der Film im Levi-Strauss-Museum läuft. Um gerade jungen Leuten zu zeigen, was Franken im 19. und frühen 20. Jahrhundert in den Staaten bewirkten", meint Buttenheims Bürgermeister Johann Kalb. Man könne stolz darauf sein, wenn nun auch diese Dokumentation "die Bilder von Levi Strauss' Geburtshaus und alter Heimat in die Welt hinausträgt".
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