Bamberg
Michelsberg

Asphaltweg durch die Klosterlandschaft

Eine Perle im Welterbe ist nach der Sanierung auch ohne festes Schuhwerk begehbar: der Benediktinerweg vom Sandgebiet zum Michelsberg. Doch nicht jeder schätzt den Asphaltbelag mitten im Klostergarten und den deutlich freieren Blick auf die Dächer der Stadt.
Offener Blick auf Weinberg und Kloster: der neue asphaltierte Benediktinerweg, wie ihn die Gäste der Landesgartenschau erleben werden. Alle Fotos: Ronald Rinklef
+9 Bilder
} } } } } } } } }
Frank und Susanne Voigt sind begeistert vom Blick auf die Stadt und dem Flair am Fuß des Michelsbergs. Die beiden Senioren aus Bad Doberan an der Ostsee ließen es sich am Montag trotz nasskalten Regenwetters nicht nehmen, über den Benediktinerweg auf den Michelsberg zu kraxeln, nachdem sie vorher den Rosengarten der Neuen Residenz besichtigt hatten.

Wie den beiden Voigts wird es in diesem Jahr wohl Tausenden Menschen gehen, wenn die Landesgartenschau ruft und den Weinberg auf dem Michelsberg in das Bewusstsein eines Massenpublikums rückt. Sie werden in bislang nicht gekannter Zahl vom Michelsberg Richtung Sand ausrücken oder umgekehrt von der Aufseßstraße den steilen Berg zum Kloster hinaufpilgern.

Die Voraussetzung, dass das Erlebnis Weinberg nicht zur Rutschpartie auf Schotterwegen wird, hat der Baubetrieb der Stadt in den letzten Monaten geschaffen. Für 145 000 Euro wurde das sichtbar in die Jahre gekommene Wegenetz saniert und so befestigt, dass es im Winter nur noch bei Eis und Schnee gesperrt werden muss.



Nicht nur wegen der Landesgartenschau war die Erneuerung unaufschiebbar. Wie Robert Neuberth, der Leiter des Gartenamts berichtet, kam es in den vergangenen Jahren bei starken Regenfällen immer wieder zu Auswaschungen auf dem Schotterweg. Auch die Verkehrssicherheit und die Begehbarkeit für ältere Menschen machte den Verantwortlichen Sorgen, sagt Stiftungsreferent Bertram Felix.

Diese Bedenken gehören nun der Vergangenheit an. Denn die insgesamt 780 Meter lange Wegstrecke zwischen dem Plateau des Michelsbergs, dem Maienbrunnen, Aufseß- und Sandstraße wurde komplett neu befestigt und an den steilen Stellen mit einer so genannten Color-Asphaltdecke beschichtet. Schadhafte Treppenanlagen wurden ausgebessert. Vorteil: Unebenheiten auf dem Weg sind verschwunden, der Unterhaltsaufwand für die Pflege sinkt, wie die Stadt betont. Außerdem wurde entlang der Strecke erheblich ausgelichtet, um den Spaziergängern einen möglichst freien Blick auf die Stadt zu ermöglichen.

Doch die mit 18000 Euro geförderte Sanierung stößt nicht nur auf Zustimmung, wie man bei Nachbarn erfährt. Elfriede Hollfelder, die am Grünhundsbrunnen wohnt, bezweifelt zwar nicht, dass vor der Landesgartenschau etwas habe gemacht werden müssen. Doch ein behutsamer Rückschnitt und ein Schotterweg hätten der 52-Jährigen ihr viel besser gefallen als die jetzige Lösung: "Dass da komplett weggeholzt wurde, dieser Kahlschlag, das find´ ich schlimm. Auch ein Teerweg passt eigentlich nicht in diese Klosterlandschaft. So wie ich denken sehr viele Anwohner", sagt Hollfelder, die nun auf die Zeit nach 2012 hofft: "Wenn die Landesgartenschau vorbei ist, wird sich die Natur den Weg zurückhalten."

Im Stadtrat sind die Meinungen über die neue Gestaltung des Benediktinerwegs geteilt. Angetan vom Ergebnis zeigte sich bei einer Begehung der Vertreter der SPD-Fraktion, Detlev Hohmuth (SPD). Er hätte sogar an den Steilstellen im Reuthersgarten Asphaltflächen gewünscht. Sein Urteil über den neuen Weg: "Der ist fantastisch angelegt und durch die Befestigung besser begehbar."

Nicht besonders überzeugt ist dagegen die grüne Stadträtin Ulrike Heucken. Auch sie wohnt in der Nachbarschaft. Für Heucken ist es zwar eine gute Nachricht, dass es künftig keine Auswaschungen mehr geben soll. Doch den "Teerbelag" findet sie keinen Gewinn . "Der Michelsberg sieht jetzt aus wie auf einem Prospekt für ,Unser Dorf soll schöner werden´", sagt Heucken und fürchtet, dass der Asphalt an Steilstellen vor allem im Winter seine Tücken haben könnte.

Aus Sicht vom Robert Neuberth, dem Leiter des Gartenamts, sind die Vorwürfe, die Stadt habe am Klosterberg maßlos ausgeholzt, nicht berechtigt. Es seien vor allem wild gewachsene und nicht prägende Gehölze entfernt worden. Zudem werde ein Teil der offenen Flächen wieder eingegrünt.
An eine Verbesserung glaubt Klaus Gallenz von der CSU-Fraktion: Ich sehe das sehr positiv. Ein bisschen nackert ist es jetzt vielleicht. Aber das kommt schon wieder."
Lesen Sie auch