Im Geläute sämtlicher Glocken der evangelischen St.-Laurentius- und der katholischen St.-Marien-Kirche ging die Vorlesung des NPD-Kreisvorsitzenden Bamberg/Forchheim, Axel Michaelis, unter. Nach einem vergeblichen Anlauf im Dezember war die für Samstag, 11 Uhr, beantragte Kundgebung unter dem Motto "Asylbetrug macht uns arm" am Schnittpunkt von Kirchgasse/Seestraße und Hauptstraße juristisch nicht zu verhindern.

Kurzfristig bildete sich nach der behördlichen Genehmigung des Aufzugs in dem kleinen Schlüsselfelder Ortsteil, in dem rund 80 Asylbewerber beherbergt werden, ein Arbeitskreis, der eine Gegendemonstration organisierte. Heraus kam eine Veranstaltung vor den Stufen der evangelischen Kirche und ein Friedensfest der Solidarität: Rund 300 Bewohner Aschbachs kehrten mitsamt ihren aus nah und fern herbeigeeilten Gästen den sechs Teilnehmern der NPD-Veranstaltung den Rücken. Unter mächtigem Glockengeläute zogen sie zum TSV-Sportgelände.

Dort trafen sie sich mit einem Teil der in Aschbach wohnenden Asylbewerber zu einem Picknick. Dazu war ein unterhaltsamer bunter Rasen der Aschbacher Sportlerfamilie vorbereitet, in der etliche Flüchtlinge Anschluss gefunden haben. Dass Michaelis den Gegendemonstranten eine Anzeige wegen einer Störung einer genehmigten Veranstaltung ankündigte, lässt Pfarrer Johannes Kestler an sich abtropfen: "Ja, manchmal fällt unser 11-Uhr-Läuten etwas ungewöhnlich aus..."

Friedliches Miteinander

Ein Redner, ein Ordner, zwei Fahnenschwenker und zwei, die ein Transparent mit einer Warnung vor Asylbetrug hielten - mehr hatte die NPD nicht zu bieten. Doch das war Grund genug, dass Aschbach Farbe bekannte: "Nazis raus!" war die lautstarke Antwort auf den hämischen Verweis des NPD-Funktionärs auf die "Krokodilstränen, die für die im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge vergossen werden".

Der evangelische Seelsorger von Aschbach und Hohn am Berg hielt den anrückenden NPD-Demonstranten entgegen: "Wir wollen euch, die ihr ein von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit geprägtes Welt- und Menschenbild verbreiten wollt, klar zu verstehen geben: Es will euch hier niemand hören!" Aschbach stehe für ein friedliches Miteinander, für Toleranz und Vielfalt, gegenseitigen Respekt und für Menschenfreundlichkeit in unserem Land und im Verhältnis von Völkern und Nationen.

"Farbe bekennen" forderte Pfarrer Kestler auch in Richtung der Asylsuchenden, die in Aschbach untergekommen sind, ferner mit Blick auf die Menschen, die Angst haben müssen, als Fremde in Deutschland zu leben oder auch im Angesicht der Flüchtlinge, deren Boote übervoll sind. "Sie ertrinken zu Tausenden, weil die Europäische Union nicht entschieden genug handelt," klagte Pfarrer Kestler.

"Lösungen für Ursachen und Auswirkungen der heutigen Flüchtlingsströme müssen in einer Demokratie gefunden werden und nicht in einer neuen Diktatur," stellte Schlüsselfelds Bürgermeister Johannes Krapp (CSU) unter dem Beifall der 300 friedensbewegten Zuhörer fest. Es gelte, für Recht und Gesetz und gegen pauschale Verurteilungen einzutreten. Für die Gesellschaft hierzulande wünscht sich das Stadtoberhaupt die Fähigkeit, Mitleid zu empfinden, offen und gastfreundlich zu sein.

Und so wollen es auch die Ortsbewohner halten: Zwei ältere Frauen, die an der Demo teilnehmen, erleben ihre neuen ausländischen Mitbürger als freundlich. Probleme gebe es nicht. Man müsse sie ja nicht lieben, aber akzeptieren. Und umgekehrt berichtete Bislan, ein Asylbewerber aus Tschetschenien, von der freundlichen Aufnahme in Aschbach und seiner Hoffnung, bald selbst für den Lebensunterhalt seiner Familie sorgen zu können.

Alles bunt dekoriert

Ein beeindruckendes Aufgebot von Ordnungshütern achtete unter Leitung von Polizeidirektor Albert Häfner auf eine klare Trennung der NPD-Veranstaltung von den Gegendemonstranten und gewährleistete somit einen friedlichen Ablauf. Nur einmal erhob einer von der NPD, der sich in die Gegendemonstration gereiht hatte, die Stimme. Von seinem Vergleich mit Australien und seiner Vorstellung vom Deutschland in 20 Jahren wollte jedoch niemand etwas wissen. "Locker bleiben", hatte Pfarrer Kestler empfohlen.

Ein stummer Protest gegen den Aufzug von NPD-Funktionären war die farbige Dekoration von Ortsschild und vielen Anwesen. Aschbach zeigte Farbe und bekannte "Mut zur Vielfalt". Für die Verbreitung von Rechtspopulismus hatte sich der NPD-Kreisverband denn auch einen denkbar ungeeigneten Platz ausgesucht: zwischen zwei Kirchen, in denen die Nächstenliebe gepredigt wird und im Angesicht von zwei Denkmälern für die Opfer von Krieg, Rassismus und Völkermord.

Am Ende erhielt der NPD-Redner keinen Beifall - nicht einmal seine fünf Gesinnungsgenossen klatschten die Hände. Wie sollten sie sich auch dazu beglückwünschen, dass sie mit ihrem Auftritt das bunte Völkergemisch des Steigerwalddorfes noch mehr gefestigt haben.