Mittelsteinach "Oink, oink", oder so ähnlich, grunzt Rudi."Oink, oink", antwortet Anton Geiling. Was genau die beiden nun kommunizieren, erschließt sich nicht. Aber offenbar verstehen sich Mensch und Wildschwein-Baby. Der Zweibeiner lächelt. Denn Vierbeiner Rudi hat's gepackt und zieht demnächst in ein endgültiges Zuhause. Die sechs Wildentenküken und die beiden Reh-Kitze werden wohl noch ein bisschen am Hof bleiben. Mal sehen, welches gerettete Tier sich zu ihnen gesellt.

Seit er 16 ist kümmert sich der einstige Landwirt Anton Geiling um Wild-Tiere, die verletzt oder verwaist sind. "Das erste Tier war eine Dohle. In den folgenden Jahren hat der nun 71-Jährige Jungtiere von allen im Steigerwald vorkommenden Arten aufgezogen. So hat sich herumgesprochen, dass Geiling das kann. Auch weil er sich intensiv mit der heimischen Flora und Fauna befasst und hier bestens auskennt.



Oftmals wird er auch von Behörden oder Jagdkollegen um Hilfe gebeten. Als erfahrener Jäger hat Geiling viel Wissen übers Wild, und natürlich auch immer einen Jagdhund, aktuell Deutsch Kurzhaar-Rüden Arno. Der Besucher staunt nicht schlecht, dass ausgerechnet der Jagdhund auf die Wild-Babys aufpasst, ja sogar mit ihnen spielt. "Viele Jäger sagen deswegen, der taugt nichts," sagt Geiling. "Aber das stimmt nicht, der kann halt unterscheiden."

Unterscheiden müsse man draußen, ob ein Tier in Not, oder auch nur von der Mutter abgelegt ist, betont er mit Blick auf unnötige "Rettungs-"Aktionen. Rudi war eine nötige: Der etwa vierwöchige Frischling war in einen Siloschacht gefallen. Die Flüssigkeit hatte schon die Augen angegriffen. "Ich dachte nicht, dass ich ihn durchkriege." Aber nach gründlicher Reinigung, mit Augensalbe und Rotlicht ging es dem Kleinen bereits am nächsten Tag viel besser. Gestärkt mit Kälbermilchpulver.

Zur Sicherheit war Geiling mit Rudi auch beim Tierarzt. Der staunt inzwischen kaum noch über die "exotischen" Patienten mit denen der Mittelsteinacher immer wieder bei ihm vorstellig wird. Eher schon die Besitzer der üblichen Kleintier-Praxis-Klientel.


Kürzer treten

Eigentlich möchte der Rentner rettungs- und aufzuchttechnisch allmählich kürzer treten, aus gesundheitlichen Gründen. Oftmals habe er früh telefonisch abgelehnt, abends seien die Anrufer dann trotzdem mit den Tieren aufgetaucht. Nein sagen könne er schlecht, weil ihm die "Viecher" leid tun. Und er "bestimmt 90 Prozent" durchbringt. Freilich falle ihm auch deswegen der Abschied schon schwer. "Aber ich kann ja nicht alle behalten."
Auch für Rudi hat Geiling ein neues Zuhause bei einem Bekannten gefunden. Die meisten anderen geretteten Tiere gibt er an Wildtierparks- und Gehege (zur Blutauffrischung) ab. Kann man nun einfach so ein Wildtier mitnehmen? So einfach ist das nicht, es sei sogar verboten, weiß Geiling. Eine Ausnahme ist, wenn das Tier in Gefahr ist.

"Oink, oink", Rudi geht's gut. Er läuft seinem Retter fast schon hinterher wie ein Hund. Auch die Wildentenküken sind bei Geiling ganz zahm. Wie schafft er das? "Vertrauen aufbauen, gerade in der ersten Zeit ist das wichtig." Und man müsse die Sprache der Tiere können.