Er ist der bekannteste Baumeister in Bambergs jüngerer Geschichte. Viele Denkmäler stammen unverkennbar aus seiner Hand - das Stadtarchiv, der Schlachthof, die Luitpoldschule. Was viele nicht wussten: Der Architekt Hans Jakob Erlwein hat auch an der Gestaltung des Wilhelmsplatzes gearbeitet. Und sein Entwurf zeigt ein Reiterstandbild just an jener Stelle, wo sich heute das neue Rondell befindet.

Es ist diese Woche nach dem Willen der Stadtverwaltung mit roten und weißen Erikas bepflanzt worden - sehr zum Bedauern mancher, die sich dort die Reiterplastik von Prinzregent Luitpold gewünscht hätten. An Stelle des gründerzeitlichen Denkmals markiert jetzt eine kegelförmige Eibe die Mitte des Platzes.

Es war die Bamberger Kunsthistorikerin, Buch-Autorin und Gästeführerin Christine Freise-Wonka, die bei Recherchen im Stadtarchiv zufällig auf den Entwurf von Erlwein stieß, der aus dem Jahr 1900 stammt. Er zeigt aus der Perspektive des rechten Regnitzarms die nicht ausgeführte Planung des heutigen Wilhelmsplatzes. Markantestes Detail: Im Mittelpunkt der Straßenkreuzung befindet zur Friedrichstraße hin ein Reiterstandbild, das Kaiser Wilhelm II. gelten sollte, aber dem Prinzregenten Luitpold am Schönleinsplatz nicht unähnlich sieht.

Freise-Wonka macht keinen Hehl aus ihren Sympathien für einen Wilhelmsplatz mit Reiter in der Mitte. Würde dieses "eindrucksvolle Einfallstors in unsere Stadt" nur bepflanzt, wäre aus ihrer Sicht eine Chance vertan: "Das Reiterstandbild wäre das Tüpfelchen auf dem i, das man, um der Landesgartenschau Tribut zu zollen, trotzdem mit Blümchen umgeben könnte."

Die optische Wirkung eines Reiterstandbilds auf dem Wilhelmsplatz ist aber nur die eine Seite der Medaille. Die Person des bayerischen Prinzregenten ist die andere. Und die stößt bei fränkisch gesinnten Persönlichkeiten wie dem Gaustadter Heimatforscher Andreas Stenglein nicht nur auf Zustimmung: "Es gibt bereits eine nach dem Prinzregenten benannte Straße sowie eine Schule, die seinen Namen trägt. Luitpold hatte mit Bamberg direkt nichts zu tun. Er ist der Enkel jenes Maximilian I., unter dem Bamberg von Bayern annektiert wurde", kritisiert Stenglein.

Natürlich ist der Wittelsbacher Luitpold, der seit 1886 in Bayern für Ludwig II. und später für Otto I. die Regierungsgeschäfte führte, kein Vertreter originär fränkischer Geschichte. Dennoch hielt er sich um die Wende zum 20. Jahrhundert mehrfach in Bamberg auf, so auch bei der Eröffnung des alten Hafens. 1899 wurde der Prinzregent nach dem damals üblichen Staatsverständnis mit der Aufstellung des Reiterstandbilds auf dem Domplatz geehrt, was bei Touristen den bis heute nicht verstummten Gerüchten Vorschub leistete, es handele sich um den Bamberger Reiter. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg wurde Luitpold ins Archiv verlagert, in den Siebzigern fand er schließlich am Schönleinsplatz seinen derzeitigen Standplatz.

Nach Expertenmeinung ist es aber kein guter. Luitpold reitet auf der Rasenfläche zwischen Bamberger Hof und der großen Straßenkreuzung gewissermaßen ins Leere. Die Wirkung verpuffe, stellte 2009 auch die "Kommission für Kunst im öffentlichen Raum" fest. Am Wilhelmsplatz könne der Reiter eine spektakuläre Wirkung im neuen Kreisverkehr entfalten.

Im Moment sieht es allerdings nicht danach aus, als ob diese Pläne Wirklichkeit würden. OB und Bürgermeister wollen keine neue Kunstdebatte, außerdem soll der Platz für die Gartenschau gestaltet werden.
Dennoch darf man gespannt sein. Im Stadtrat, der bisher in dieser Sache nicht gehört wurde, hat auch die Idee einer Verlagerung des Reiters Anhänger. Zu ihnen gehört Gerhard Seitz, OB-Kandidat der CSU.


Der Kommentar von Michael Wehner:

Einen Parforceritt hat die Stadtverwaltung beim Wilhelmsplatz wahrlich nicht hingelegt. Erst zog sich sein Ausbau endlos hin, mussten Bambergs Bürger jahrelang durch Baken-Spaliere fahren. Nun fehlt der Mut, um die Wiedererweckung des alten Kreisverkehrs zu einem wirklichen Abschluss zu bringen. Es spricht nicht für die Geradlinigkeit der Stadtverwaltung, dass sie eine selbst einberufene Kommission ins Leere laufen ließ. Schlimmer wiegt es aber, würde eine Chance vertan, Bamberg an einer wichtigen Stelle zu verschönern, nur weil man sich eine unbequeme Debatte vom Hals halten will.
Und wenn man schon mit der Gartenschau argumentiert: Wäre es nicht besser, den Wilhelmsplatz pünktlich zum Großereignis bestmöglich zu inszenieren statt danach? Reiter und Erika-Pflanzen schließen sich nicht zwingend aus.
Schade, dass Kulturreferent Hipelius die Chance nicht ergriffen hat, um in seiner Amtszeit noch einmal ein Zeichen zu setzen. Aber auch OB Starke wird dem selbst gewählten Anspruch "Gestalten statt verwalten" hier zumindest nicht gerecht. Dabei wäre der Wilhelmsplatz der beste Ort, zu beweisen, dass keine Millionen nötig sind, um in Sachen Stadtgestaltung Großes zu bewirken.