CSU-Fraktionsvorsitzender Helmut Müller nahm in Vertretung von Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) nun das 80 Seiten starke Arbeitspapier von der städtischen Seniorenbeauftragten Stefanie Hahn entgegen.
Das Fazit: Die Pflegelandschaft in der Stadt Bamberg ist gut aufgestellt, in Teilbereichen gibt es aber künftig neuen Bedarf. "Sinn des Pflegeberichts ist es ja, zielgerichtete Planungen für die Zukunft möglich zu machen. So können wir eine an Bedarf und Bedürfnissen der Zielgruppe pflegebedürftiger Menschen orientierten Versorgung künftig noch besser erreichen", sagte Hahn bei der Vorstellung. Müller, der allen beteiligten Akteuren für ihre Mitarbeit dankte, betonte: "Ein gutes Altern braucht eine entsprechende Infrastruktur."



Bamberg altert

Wenn eines der zentralen Ergebnisse der Datensammlung und -bewertung ist, dass Bamberg immer älter wird, so hat das
Auswirkungen, denen der Pflegebericht mit individuellen Empfehlungen begegnen will. Konkret: Der Anteil der über 80-Jährigen wird im Jahr 2030 bei 7,5 Prozent liegen (aktuell 6 Prozent). Und: Die Zahl der Pflegebedürftigen wird von 2009 bis 2030 um hochgerechnet 328 Personen ansteigen. Gemäß des rechtlich fixierten Grundsatzes "ambulant vor stationär" wird die Mehrzahl dieser 328 Personen - auch vor dem Hintergrund eines sinkenden Angehörigenpflegepotenzials - verstärkt auf das Angebot von ambulanten Pflegediensten zurückgreifen. Für die Anbieter von ambulanten Dienstleistungen bedeutet das, dass sie ihre Kapazitäten erweitern müssen - und dafür auch mehr Pflegekräfte brauchen.

Möglicherweise werden zusätzliche, spezialisierte ambulante Dienste neu gegründet. Auch im Bereich der Tagespflegeeinrichtungen - aktuell gibt es vier - ist von einem steigenden Bedarf auszugehen. Die Träger reagieren bereits auf eine steigende Nachfrage in diesem Segment: Eine weitere entsprechende Einrichtung ist kurz vor der Fertigstellung und wird mit insgesamt zwölf Plätzen zum 1. Februar an den Start gehen.

Die Zusammenarbeit mit den Experten vor Ort, also Einrichtungsleitungen, Pflegedienstleitungen, Leitungen von Spezialdiensten, war nach den Worten der Seniorenbeauftragten überaus konstruktiv. "Der Rücklauf ist mit 89 Prozent sehr zufriedenstellend und damit als Grundlage für eine Darstellung der Ist-Situation geeignet", sagte die zuständige Mitarbeiterin Nicole Sachsenheimer. Das Ziel, einen Überblick über die aktuelle Situation zu erhalten und darauf aufbauend zukunftsorientierte Maßnahmen für die Pflege aus der Pflege heraus zu entwickeln, sei voll erfüllt worden, betonte Hahn. Bamberg könne sich glücklich schätzen, dass es bereits viele besondere Angebote gebe, etwa eine von vier mobilen geriatrischen Reha-Einrichtungen oder eine von fünf geriatrischen Tageskliniken in Bayern.



Mit Experten

Der Pflegebericht schließt mit zehn konkreten Maßnahmenempfehlungen, deren Umsetzung das Senioren- und Generationenmanagement gemeinsam mit den Experten in den kommenden beiden Jahren umsetzen will. Getestet werden soll z.B. die Ausstattung ambulanter Dienste mit E-Bikes, um das Parkplatzproblem vor allem in der Innenstadt zu lösen. Empfohlen wurde ferner, Konzepte zur Pflege besonderer Gruppen, etwa Menschen mit Behinderungen oder anderem kulturellen Hintergrund, zu entwickeln.

Eine weitere Empfehlung ist der Aufbau einer neutralen Pflegeberatung für Stadt und Landkreis Bamberg. "Innovative Konzepte, die die Kommune zukunftsfähig machen, bedeuten nicht zwingend einen großen finanziellen Aufwand, wohl aber die strukturierte und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Akteuren vor Ort", so die Seniorenbeauftragte.