Der Landfrauentag in Hallstadt hat inzwischen eine ebenso lange Tradition wie große Anziehungskraft. Auch heuer wieder machten sich rund 500 Bäuerinnen auf in die Bettelseehalle, um ein paar Stunden lang "ihren" Festtag zu begehen. Das Programm war bunt gemischt und bestand nebst der Begrüßung der zahlreichen Ehrengäste unter anderem aus einer meditativen Einstimmung der Kreisbäuerin Anneliese Göller, die einige besinnliche Gedanken über den Lebensweg der Menschen vortrug.

In der Festrede griff Andrea Fuß, Münchens Direktorin der Landfrauen-Abteilung, das diesjährige Motto des Landfrauentages "Von innen gestärkt, für Neues offen" auf und gab den Landfrauen so einige Leitlinien mit auf den Weg, wie sie mit Neuerungen leichter umgehen könnten. "Unser ganzes Leben besteht aus Neuerungen und Veränderungen. Dabei haben viele Neuerungen durchaus ihre Vorteile und können wie die Erfindung der Waschmaschine das Leben auch leichter machen", erläuterte sie. Allerdings würden Neuerungen auch gewisse Herausforderungen mit sich bringen, da man oft etwas Altbewährtes und Liebgewonnenes aufgeben müsse.
Viel Applaus von den Landfrauen erntete die Referentin, bei der Vorstellung einer ihrer zehn Leitlinien. Sie berichtete dabei von einem Bauern, der sehr unglücklich darüber war, dass sein Sohn eine Bankangestellte und keine Landwirtin heiratete. Einige Jahre später jedoch sei er sehr glücklich darüber gewesen. Denn die Schwiegertochter kannte sich mit Finanzen bestens aus und hätte den Betrieb dadurch bereichert.

Viel Heiterkeit hingegen verbreitete die Landfrauenabteilungs-Direktorin, als sie den Teilnehmenden riet, bei wegweisenden Entscheidungen den Rat von Familienangehörigen und Freunden einzuholen. "Ich selbst hatte, als ich vor eineinhalb Jahren meinen Mann heiraten wollte, meine Eltern, meine Schwester und meine beste Freundin nach deren Ansicht gefragt", schilderte sie. Denn deren Einschätzungen seien ihr wichtig gewesen.

Fragen statt Grußworte


Passend zum Thema Neuerungen gab es beim Landfrauentag erstmals keine Grußworte mehr in der herkömmlichen Art und Weise. Lediglich Hallstadts Zweitem Bürgermeister Wolf Ludwig war es als Hausherr gestattet, die Landfrauen zu begrüßen. Alle anderen Grußwortredner, darunter die Europaabgeordnete Monika Hohlmeier, Bundestagsabgeordneter Thomas Silberhorn (CSU), stellvertretender Landrat Johann Pfister und Hauswirtschaftsoberrätin Sigrid Gebhardt, hingegen wurden gemeinsam auf die Bühne gebeten und sollten jeweils zu einer Frage Stellung beziehen. So zum Beispiel zu den Ausgleichszahlungen für benachteiligte Gebiete.
Eine Minute vor 12 Uhr hingegen wurde die Vorstellung der Bamberger Tracht kurzerhand unterbunden. Die Landfrauen und deren Gäste schlossen sich mit einer Schweigeminute dem bundesweiten Gedenken der Opfer des rechtsextremen Terrors an.

Dass es bei den Landfrauen trotz aller Probleme dennoch viel zu lachen gibt, zeigte "die Babett" alias Monika Eichhorn. Im tiefsten Fränkisch erzählte sie, wie sie mit Plastiktüte und ihrem Eiergeld die Welt bereiste. Zum Schreien komisch. Zu Recht erntete sie dafür viele Lacher und großen Applaus. Belächelt und gleichzeitig bestaunt, wurde auch die Hutmodenschau der besonderen Art. Hier begab sich der Landfrauenchor auf "Abwege" und präsentierte Hüte aus Lampenschirmen, Blumentöpfen oder Brotkörbla.
Daneben umrahmten die Chorfrauen den Landfrauentag natürlich auch wieder musikalisch. Den Abschluss eines bunten Vormittags bildete schließlich die Modenschau der Firma Gina Laura.