"Y'allah", so ächzt die Maus zu Beginn des mehrsprachigen Puppentheaters. Die türkischen Kinder unter den Zuschauern wussten sofort, was die Maus mit "Y'allah" meinte: "Hau ruck" wäre das deutsche Gegenstück, das auch so viel wie "Mein Gott" bedeuten kann. Doch wer dachte, es ginge nun ausschließlich auf Türkisch weiter, der hatte sich gründlich getäuscht. Die zwei Mäuse vermischen fröhlich die Sprachen und zeigen einander jeweils das Leben auf dem Land und in der Stadt. Die bekannte Fabel "Die Stadtmaus und die Landmaus" war am Mittwoch in der Stadtbücherei im Rahmen eines einmaligen Gastspiels der Puppenspielerin Marianne Schoppan aus Kassel zu sehen. Das Besondere am mehrsprachigen Puppentheater: Die Mäuse sprechen abwechselnd sowohl Deutsch, als auch Türkisch, außerdem gibt es zwei kurze Szenen auf Russisch und Italienisch.

"Komisch" fand Eric, den Gebrauch der beiden Sprachen. Obwohl er nur Deutsch verstand, hatte man dennoch den Eindruck, dass die Kinder die Handlung des Stücks mühelos verfolgen konnten. Lea spricht zwei Sprachen: Russisch und Deutsch. Neben Deutsch hat sie auch die zweite Sprache, die sie beherrscht, im Stück wiedererkannt. "Die Frau mit den roten Schuhen hat auf Russisch gesprochen."

Wieso überhaupt mehrere Sprachen in einem Stück? Das kann Marianne Schoppan erklären: "Ich wollte die Kompetenz der türkischen Kinder zeigen. Oft bekommen sie nur zu hören, sie sollen Deutsch lernen. Dabei gerät ihre Leistung, zwei Sprachen sprechen zu können, in den Hintergrund." Die Puppenspielerin erklärt weiter, dass sie ganz bewusst darauf verzichtet hat, einer Maus eine Sprache zuzuteilen. "Denn die Kinder wechseln ja auch zwischen zwei Sprachen hin und her." Außerdem wollte sie Klischees vermeiden: "Wäre die Landmaus zum Beispiel türkisch gewesen, hätte jeder gleich gesagt ,Natürlich, die Türken kommen ja alle vom Land aus Anatolien'." Dass die Stadtmaus die Landwelt kennenlernt und andersherum, stellt symbolisch das Eintauchen in andere Lebensweisen, in andere Kulturen dar. Der Puppenspielerin war es wichtig, dass die Neugierde am Unbekannten im Vordergrund steht, und keines der beiden Leben als richtig oder falsch gewertet wird. Den Kindern hat es jedenfalls gut gefallen, auch Selina und Alex. Und das obwohl die eine nur den deutschen Teil und der andere zusätzlich den russischen Text verstanden hat...