Achim Hubel zieht die Stirn in Falten. Der Denkmalexperte zeigt auf die Fassade des Hauses Hellerstraße 13: Hinter dem unscheinbaren blassgelben Anstrich verbirgt sich ein Fachwerkhaus der Renaissance, auch in Bamberg kein Allerweltsgebäude: "Kein Bürger dürfte so ein Haus abbrechen. Man könnte ein Schmuckstück daraus machen", sagt Hubel.

Wenn Wirklichkeit wird, was der Projektentwickler Multi Development, das Stuttgarter Büro MGF Architekten und die Sparkasse Bamberg planen, passiert genau das, was Hubel und andere Denkmalschützer befürchten.

Eine ganze Reihe von Denkmälern müssen einem Großprojekt weichen - im Herzen Bambergs und voraussichtlich mit Billigung des Stadtrats: das Haus Hellerstraße 15 mit seinem Gewölbekeller aus dem 15. Jahrhundert; das Haus Hellerstraße 13, ein zweigeschossiges Fachwerkhaus aus dem 16. Jahrhundert und das Rückgebäude Hellerstaße 11, unter dem sich das Tauchbad der ehemaligen jüdischen Gemeinde befindet - sie alle sollen weg: "Das ist ein regelrechter Kahlschlag, der da droht", meint Hubel.

Der Konflikt Handel gegen Denkmalschutz schwelt an dieser Stelle der Stadt schon lange.

Die Zeugnisse einer jahrhundertealten Siedlungsgeschichte, darunter einer jüdischen Gemeinde, befinden sich im Besitz der Sparkasse Bamberg, die sich sichtlich wenig um die historischen Hinterlassenschaften gekümmert hat. Das hat einen Grund: Die alten Häuser stehen einer Einkaufspassage im Weg, von der viele hoffen, sie könne dem Handel dringend benötigte Impulse verleihen und neue Kunden von der grünen Wiese zurück nach Bamberg locken.

Noch im Sommer bestand die Hoffnung, der Streit um das "Quartier an der Mauer" könne in einen Kompromiss münden: Mit einer Protestaktion, die auch außerhalb Bambergs für Aufsehen sorgte, hatten es Bambergs Denkmalschutzverbände geschafft, dem Stadtrat einen Prüfungsauftrag für die Rettung der drei Häuser abzuringen.
Doch, jetzt, wo die Entwürfe vorliegen, folgt dem Glauben an eine Lösung, die beiden Interessensgruppen gerecht wird, zumindest auf Seiten der Denkmalschützer Ernüchterung: "Wir müssen feststellen, dass unsere Bedenken in keiner Weise Berücksichtigung fanden", sagt Jörg Händler, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg. Händler wünscht sich einen Umgang mit der Denkmalsubstanz, der einer Welterbestadt würdig ist. Dies schließt den Abbruch dreier Häuser aus, meint auch Stadtheimatpfleger Ekkehard Arnetzl. Er attestiert den Planungen "große Phantasielosigkeit". Im Welterbe Bamberg müsse es gelingen, die Häuser zu integrieren.

Sparkassendirektor Konrad Gottschall überrascht die erneute Kritik am Handelsprojekt nicht.

Er glaubte nicht daran, den Dauerstreit durch einen neuen Entwurf aus der Welt schaffen zu können. Dennoch gibt er die Hoffnung nicht auf, im Quartier an der Mauer zu einem "fairen Kompromiss" zu kommen. Der Siegerentwurf der Architekten MGF bietet aus seiner Sicht die Chance, die Stadtmauer und die Mikwe erlebbar zu machen und die wirtschaftlichen Anforderungen an eine Passage zu erfüllen.

Dazu gehört es für ihn auch, die Erwartungen der Investoren an die Besucherfrequenz und die Nutzfläche von über 14000 Quadratmetern nicht aus den Augen zu verlieren. Für Gottschall ist das keine Gewinnmaximierung, sondern ein Gebot der Vernunft: "Einen zweiten Fall Theatergassen wollen wir doch alle nicht."

Können denkmalschützerische und wirtschaftliche Interessen auch in Bambergs Altstadt unter einen Hut gebracht werden? Für die preisgekrönten Stuttgarter Architekten ist das vor allem eine Frage der Zielvorgaben, die vom Bauherren kommen. Josef Hämmerl vom Büro MGF spricht einerseits von einer gelungenen Integration der Stadtmauern aus dem 13. und 15. Jahrhundert. Sie sollen regelrecht aus dem Gelände herausgeschält und wie die Mikwe zum lebendigen Teil neuer Gebäude werden.

Dennoch hat das Projekt seinen Preis. Für die umstrittenen Häuser des alten Judenviertels gibt es für Hämmerl keine Zukunft: "Ohne eine deutliche Reduktion der Nutzfläche sind die Häuser in der Hellerstraße nicht zu erhalten."