Bamberg Zwei Tage lang wurde in der Blauen Schule und im Rathaus gezählt und gezählt, erst dann stand fest: Die dominierende Fraktion in Bamberg ist nicht mehr die CSU, die zusammen mit der SPD seit 1990 die Fäden in Bamberg in der Hand hält. Stärkste politische Kraft ist Grünes Bamberg.

Bei exakt 27 Prozent blieb der grüne Balken am Dienstagnachmittag stehen."Wir hatten noch nie so viele Wähler, die quer über den Stimmzettel kumuliert und panaschiert haben", erklärte der Sprecher der Stadt, Steffen Schützwohl, warum es so lange gedauert hatte, bis das Endergebnis vorlag.

An der Masse der grünen Wähler kann das nicht gelegen haben, denn die scheinen die Grüne Liste von oben nach unten brav angekreuzt zu haben. So erklärt es sich, dass fast alle grünen Bewerber von den vorderen Listenplätzen in ähnlicher Reihung auch ins Rathaus einziehen. Es sind insgesamt zwölf Kandidaten, überwiegend junge Männer und Frauen, die sich wie Karin Einwag oder Christian Hader bereits durch politische Initiativen bekannt gemacht haben. Unter sie mischten sich ein paar alte Hasen wie der bisherige Fraktionschef Wolfgang Grader oder die grüne Landtagsabgeordnete Ursula Sowa. Die schaffte das Kunststück, und wurde durch ihr persönliches Stimmenergebnis vom vorletzten Listenrang auf Platz 8 vorkatapultiert. Andreas Reuß, Christiane Laaser, Ralf Dischinger und Petra Friedrich werden dem neuen Stadtrat dagegen nicht mehr angehören.

Anders als die Grünen muss die CSU herbe Verluste verkraften. Mit zehn Sitzen ist sie zwar immer noch zweitstärkste Kraft, aber eben nur zweitstärkste. Anders als bei der alternativen Konkurrenz ist bei der CSU auch von einem Generationenwechsel wenig zu spüren. Von Christian Lange bis zu Franz-Wilhelm Heller, von Peter Neller bis zu Gerhard Seitz sind die alten CSUler im Rathaus auch die neuen. Ausnahme im Kreis der Etablierten ist der Bamberger Rechtsanwalt Stefan Kuhn.

Noch schlimmer hat der Schwund der Volksparteien im Stadtrat die SPD getroffen. So müssen die Sozialdemokraten den Verlust von drei Sitzen verkraften - und dies, obwohl Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) mit über 20 000 Stimmen nachhalf und nach Glüsenkamp erwartungsgemäß das zweitbeste Einzelergebnis eines Kandidaten erzielte. Nicht mehr drinnen sind langjährige SPD-Stadträte wie Karin Gottschall, Peter Süß und auch Christoph Starke.

Für eine Überraschung, die nicht allen gefallen dürfte, sorgt die AfD, die unter den kleineren Kräften mit 4,8 Prozent noch am besten abschnitt und vom Wähler trotz überschaubarer Kandidatenzahl mit immerhin zwei Sitzen belohnt wurde. Neue AfD-Stadträte sind Armin Köhler und Jan Schiffers, der für die AfD bereits im Landtag sitzt.

Damit sind die AfD-Vertreter auf Anhieb so stark wie der seit Jahren im Stadtrat vertretene Bamberger Bürger-Block, dessen Spitzenmann Norbert Tscherner mit 15 000 Kreuzen im Vergleich nicht mehr ganz so viele Stimmen sammeln konnte wie 2014. Um den Kollegen Andreas Triffo hineinzubringen, reichte es aber noch.

Über zwei Sitze verfügen künftig im Stadtrat noch zwei weitere Gruppen, die sozusagen die Mittelmächte bilden. Dazu gehört die Bamberger Linke, für die Heinrich Schwimmbeck erneut und Stephan Kettner, der verhinderte OB-Kandidat, neu ins Rathaus einzieht. Auch die Bamberger Allianz konnte am zweiten Tag der Auszählung noch einmal punkten, so dass Ursula Redler einen Mitstreiter in Person von Hans-Jürgen Eichfelder erhält.

Für zusätzliche Farbnuancen im buntscheckigen Bamberger Rathaus sorgen insgesamt sechs (!) Einzelkämpfer, die nicht alle völlig unbekannt sind. So kam auch Daniela Reinfelder (BuB) nicht über das Einzelmandat und musste am Montag zeitweise sogar befürchten, von ihrem Mitstreiter Jörg Cuno verdrängt zu werden. Allein auf weiter Rathausflur sind künftig auch Claudia John (Freie Wähler), Martin Pöhner (FDP), Fabian Dörner ("Die Partei"), Lucas Büchner (ÖDP), Hans- Günter Brünker (Volt) und Jürgen Weichlein (BM).