Zapfendorf
Ranking entlang der Autobahnen

Schmutzig, familienunfreundlich und nicht barrierefrei: Der schlechteste Rastplatz Deutschlands

Der Autoclub Europa (ACE) hat alle 684 Rastplätze an deutschen Autobahnen getestet. Das Ergebnis: Der schlechteste Rastplatz des Landes liegt in Oberfranken.
Schlechtester Autobahn-Rastplatz Deutschlands: Der Parkplatz an der A73 bei Zapfendorf
Wurde zum schlechtestem Autobahn-Rastplatz Deutschlands "gekürt": der Parkplatz an der A73 bei Zapfendorf (hier in Richtung Suhl). Foto: Stefan Lutter/inFranken.de
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Rastplätze in Deutschland: Wie sicher und sauber geht es auf den Rastplätzen entlang der Autobahnen in Deutschland zu? Diese Frage stellen sich Pendler und Berufskraftfahrer ebenso wie Familien auf der Fahrt in den Urlaub. Der Auto Club Europa e.V. (ACE) hat sich vorgenommen, darauf eine Antwort zu liefern. Deshalb haben Mitglieder des Stuttgarter Autoclubs alle 684 Autobahn-Rastplätze geprüft und unlängst den Abschlussbericht (PDF) veröffentlicht.

Für Bayern ergibt sich ein gemischtes Bild. Einerseits vergibt der ACE für vier Rastplätze im Freistaat in der Kategorie "mit WC" die Bestnote. Aus der Pressemitteilung geht aber auch hervor, dass ein Rastplatz im Landkreis Bamberg der mieseste in ganz Deutschland ist: "Die schlechtesten Anlagen in der Rubrik 'mit WC' sind in beiden Richtungen die Rastplätze Seeretzer Feld an der A1 in Schleswig-Holstein und 'ohne WC' der Rastplatz Zapfendorf an der A73 in Bayern", heißt es dort.  

Autoclub bewertet Autobahn-Parkplätze in Deutschland: Elf Prozent mit WC sind "exzellent"

Im Rahmen der diesjährigen "ACE-Clubinitiative" unter dem Motto "Deutschland, deine Rastplätze" hatten rund 700 im ACE ehrenamtlich Engagierte sechs Monaten lang unbewirtschaftete Rastplätze in ganz Deutschland unter die Lupe genommen. Im Fokus der bundesweiten Tests standen Sicherheit, Familienfreundlichkeit, Barrierefreiheit und Sauberkeit, teilt der Autoclub mit. Die 684 getesteten Rastplätze wurden von den ACE-Ehrenamtlichen immer zweifach geprüft.

Für eine bessere Vergleichbarkeit wurde in der Auswertung zwischen Rastplätzen mit und ohne WC unterschieden, wobei sich große Unterschiede ergaben. Während immerhin elf Prozent der Rastplätze mit WC mit dem Prädikat "Exzellent" ausgezeichnet wurden, schnitt keine einzige Anlage ohne WC nur annähernd so gut ab. Unter den Anlagen mit WC sind lediglich sieben Prozent durchgefallen, bei den Rastplätzen ohne WC konnte ein Viertel nicht überzeugen.

Auch beim Blick auf die einzelnen Kriterien zeigen sich große Differenzen: So wurden dreiviertel aller Anlagen mit WC vom ACE als verkehrssicher eingestuft, bei Rastplätzen ohne WC sind es nur 34 Prozent. Noch gravierender wird die Diskrepanz beim Punkt Barrierefreiheit: 87 Prozent aller WC-Rastplätze wurden im Test für barrierefrei befunden, bei Anlagen ohne WC erreichten das nur sechs Prozent.

A73-Rastplatz in Zapfendorf auf dem letzten Rang deutschlandweit

Mit "Durchgefallen" bewertet der ACE den Parkplatz an der A73 in Zapfendorf (Landkreis Bamberg) - und zwar auf beiden Seiten der Autobahn. Beim Kriterium Sicherheit gaben die Tester jeweils 22 (von maximal 100) Prozent, bei Familienfreundlichkeit und Barrierefreiheit sogar jeweils 0 Prozent für die Bereiche in beiden Fahrrichtungen. In Hinblick auf Sauberkeit und Hygiene kam der Zapfendorfer A73-Parkplatz in Richtung Suhl auf magere 40 Prozent, der gegenüberliegende Bereich in Richtung Nürnberg wurde sogar mit 20 Prozent abgestraft. 

Möglicherweise ist das auch der Grund, warum "Deutschlands schlechtester Autobahn-Rastplatz" derzeit nicht befahrbar ist. Beim Termin vor Ort am Dienstag (22. November 2022) stellte sich heraus, dass der Rastplatz an der Richtungsfahrbahn Nürnberg aktuell abgesperrt ist. Das Pendant auf der gegenüberliegenden Autobahn-Seite in Richtung Suhl kann allerdings genutzt wurden. Und schon ein kurzer Blick verrät, wie das ACE-Urteil zustande kam: Hier haben nur vier Lastwagen oder bis zu zehn Autos Platz, wobei keine getrennten Bereiche ausgewiesen sind. Es gibt weder Mülleimer und Sitzmöglichkeiten, noch Beleuchtung und Notrufsäule. Der Fußweg ist viel zu schmal. Ein Parkplatz für Menschen mit Behinderung ist - fast folgerichtig - nicht vorhanden.

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Immerhin: Bei den Bewertungen auf Google Maps schneidet der Zapfendorfer Rastplatz bei weitem nicht so schlecht ab wie beim ACE. Die Rezensenten geben 3,9 von 5 Sternen - und schreiben wohlwollende Zeilen wie "Sauber, trotz fehlender Toiletten" oder "Ist halt ein Rastplatz ohne Toilette oder Lokalität".  

Bayerns Autobahn-Rastplätze im Autoclub-Check: Das sind die besten und schlechtesten Parkplätze

Anlässlich des ACE-Rastplatz-Checks haben wir uns die kompletten Ergebnisse für die Autobahnen im Bayern genauer angesehen. Das Gesamturteil des Autoclubs gilt dabei auch für den Freistaat: "mit WC" top, "ohne WC" flop.

Kategorie "mit WC"

Die Ergebnisse bei den Rastplätzen an bayerischen Autobahnen in der Kategorie "mit WC" fallen erfreulich aus. Der Großteil der 54 überprüften Park- und Rastplätze schnitt mit "sehr gut" ab, viermal gab es sogar die Top-Note "exzellent". Ein "gut" für 17 Raststellen ist in diesem Bereich bereits die schlechteste Bewertung. 

Die Top-Note "exzellent" erhielten diese Rastplätze:

  • A6: Rastplatz Auergründel (Ansbach) in Richtung Heilbronn
  • A6: Rastplatz Silberbach (Ansbach) in Richtung Nürnberg 
  • A9: Rastplatz Göggelsbuch (Nürnberg) in Richtung Nürnberg 
  • A93: Rastplatz Schloßberg (Oberpfalz) in Richtung Regensburg 

Kategorie "ohne WC"

Ein völlig anderes Bild entsteht bei Blick auf die Noten für die Autobahn-Raststellen, auf denen keine Toiletten vorhanden sind. Von 42 untersuchten Rastplätzen in Bayern sind laut ACE nur drei "sehr gut"; mit "exzellent" wurde gar kein Rastplatz ohne WE bewertet. Dagegen strafte der Autoclub gleich zehn bayerische Rastplätze mit dem vernichtenden Urteil "durchgefallen" ab. Bei vier davon handelt es sich um beidseitige Rastplätze, die sogar in jede Fahrrichtung schlecht abschnitten. Genau genommen hat der Freistaat also sogar 14 ganz miese Autobahn-Parkplätze.    

Ergebnis "Sehr gut":

  • A7: Rastplatz Riederberg (Oberfranken) in Richtung Fulda
  • A9: Rastplatz Alster Moos (Ingolstadt) in Richtung Nürnberg 
  • A95: Rastplatz (München-Oberland) in Richtung München

Ergebnis "durchgefallen":

  • A3: Rastplatz Birkach/Pollenried (Regensburg) in Richtung Nürnberg
  • A3: Rastplatz Sparlberg (Regensburg) in Richtung Nürnberg
  • A6: Rastplatz Zankschlag (Oberpfalz) in Richtung Prag und in Richtung Nürnberg
  • A7: Rastplatz Seebach (Allgäu) in Richtung Füssen
  • A7: Rastplatz Vorwald-Ost (Allgäu) in Richtung Ulm
  • A7: Rastplatz Speicherz (Oberfranken) in Richtung Schweinfurt
  • A8: Rastplatz (ohne Name, Schwaben) in Richtung München und in Richtung Stuttgart
  • A73: Rastplatz bei Zapfendorf (Oberfranken) in Richtung Suhl und Richtung Nürnberg
  • A73:  Rastplatz Zückshuter Forst (Oberfranken) in Richtung Nürnberg
  • A95: Rastplatz Oberdill (München-Oberland) in Richtung Garmisch und in Richtung München

ACE stellt große Diskrepanzen zwischen Anlagen mit und ohne WC fest

ACE-Pressesprecher Sören Heinze schätzt die Ergebnisse des Rastanlagen-Checks so ein: "Wir sind erfreut, dass doch so viele Rastplätze unseren Check gut gemeistert haben. Allein bei den Anlagen mit WC erhielt mehr als die Hälfte die Auszeichnung ,Sehr gut‘ oder sogar ,Exzellent‘. Es hat sich aber auch gezeigt, dass nicht alle getesteten Anlagen zur Erholung einladen, sicher und barrierefrei sind. Insbesondere die 219 von uns getesteten Anlagen ohne WC schnitten in allen Kategorien deutlich schlechter ab. Hier muss dringend mehr investiert werden, damit an allen Anlagen entlang der 13.000 Autobahnkilometer in Deutschland die für die Verkehrssicherheit so wichtigen Erholungspausen gern eingelegt werden."

Die vollständigen Ergebnisse der Überprüfung wurden an die Autobahn GmbH übergeben. Stephan Krenz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Autobahn GmbH des Bundes, erklärte: "Wir sind dem ACE für die Durchführung des Raststätten-Checks sehr dankbar. Die Ergebnisse sind für uns Ermutigung und Ansporn zugleich. Der exzellent bewertete Rastplatz Ostseeblick ist ein Pilot-Projekt der noch jungen Autobahn GmbH des Bundes und soll uns zukünftig als Muster dienen."

Prof. Dr. Walter Eichendorf, Schirmherr der Aktion, ergänzte: "Gute Rastplätze sind wichtig, damit Autofahrerinnen und Autofahrer sich ausruhen können. Denn nur ausgeruhte Personen sind sicher im Straßenverkehr unterwegs."

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Ostseeblick an der A1 ist schönster Rastplatz Deutschlands 

Über alle Bundesländer hinweg hat ein Rastplatz in Schleswig-Holstein die Tester vom Autoclub besonders beeindruckt: Die Anlage "Ostseeblick" an der A1 erhielt als einzige Anlage bundesweit die volle Punktzahl. Überzeugt hat der Rastplatz vor allem bei beiden Tests in Sachen Sauberkeit und Hygiene, sowie mit barrierefreien Parkplätzen und WCs. Vorhandene Grünflächen, Aussichtsmöglichkeiten und ein Spielplatz laden zum Verweilen ein. Die Rastplätze Rathsburgseen Nord und Süd in Brandenburg sind die besten Rastplätze ohne WC. Beide erzielten jeweils 10 Punkte, was allerdings nur einem "Sehr gut" entspricht. 

Auch interessant: Diese Raststätten sind laut ADAC am kinderfreundlichsten bewertet 

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