Fünf Uhr morgens. Es ist nebelig und mit Temperaturen knapp über Null-Grad Celsius unangenehm frisch. Die meisten Straßen von Bamberg sind wie leergefegt. Lediglich an der Oberen Pfarre herrscht rege Betriebsamkeit. Fast 3000 Gläubige sind es, die sich hier zu so früher Morgenstunde treffen und von dort aus zum Karfreitags-Bittgang starten. Die Menschenmenge ist bunt gemischt: fast jede Altersgruppe ist unter den Bittgängern vertreten. Unter ihnen sind auch Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke und Erzbischof Ludwig Schick.

Doch obwohl sowohl das weltliche, als auch das kirchliche Oberhaupt der Stadt dabei ist, ist der Bittgang eine rein private Initiative. "Seit 1943 führen wir Aufzeichnungen über den Bittgang. Aber es hat ihn sicherlich schon etliche Jahre zuvor gegeben", erinnert sich Robert Dennefeld. Aus Religiosität heraus habe damals seine Familie den Karfreitags-Bittgang ins Leben gerufen. Und war er zu Anfangszeiten noch ein rein familiärer Gedenkgang an Jesus Leidensweg, ist er über die Jahrzehnte hinweg zu einem regelrechten Großereignis geworden. Zu Spitzenzeiten sollen es weit über 10.000 Menschen gewesen sein, die von der Oberen Pfarre über die Altenburg hinab nach St. Getreu marschieren. Auch, so berichtet Dennefeld, kämen viele Teilnehmer außerhalb von Bamberg. So habe er in den vielen Jahren schon zahlreiche Briefe unter anderem aus Erlangen, Haßfurt und Lichtenfels bekommen.


Seit 42 Jahren immer mit dabei



Robert Dennefeld ist seit 42 Jahren kontinuierlich beim Bittgang mit dabei. Als Zwölfjähriger Junge hat er noch seinen Vater begleitet und inzwischen führt er mit dem handgeschnitzten Kreuz - die Dennefelder haben es vor rund 30 Jahren eigens anfertigen lassen - die Spitze des Zuges an. 14 Kilogramm ist es schwer. Doch Robert Dennefeld trägt es scheinbar mühelos bergauf und bergab. "Ich bin ja noch fit", sagt er lächelnd. Allerdings, so gesteht er, verspüre er nach dem fast zweieinhalbstündigen Marsch leichte Schmerzen im Genick. Schließlich umfasst der Bittgang sieben Stationen. Ausgehend vom Missionskreuz an der Oberen Pfarre über dem Kreuz an der Altenburger Straße und der Kreuzigungsgruppe an der Altenburg bis hin zur Station am Rothof und dem "Schwarzen Kreuz" am St. Getreu.

Die meisten der Bittgänger schließen sich während des Fußmarsches den vorbetenden Erzbischof an. Manche hingegen gehen nur schweigend dem Sonnenaufgang entgegen und einige wenige sind in einer Kommunikation mit ihren Wegbegleitern versunken. Auch schließen hier und da, besonders aber an der Martern, immer wieder Menschen dem Menschenzug an. Andere hingegen verlassen die Gruppe. Und gegen 6:20 Uhr eilt eine Frau dem Rothof entgegen: "Ich mache dieses Jahr meinen eigenen Kreuzgang. Ich habe nämlich verschlafen", erklärt sie im Vorbeigehen.

Mit der Schlussandacht in der Kirche St. Getreu endet der Bittgang. Die meisten allerdings gehen schnurstracks weiter und so finden die restlichen Menschen ausreichend Platz in der kleinen Kirche.