Noch bevor der Gemeinderat den Bebauungsplan "Am Zwiesler Weg" zur Satzung erhob, lagen für die 30 ausgewiesenen Parzellen bereits 41 konkrete Bewerbungen vor. Bei dieser hohen Nachfrage gerade auch von bauwilligen jungen Pettstadtern scheint die Genehmigung des Bebauungsplans durch die Bezirksregierung nur noch eine Formsache zu sein, zumal unlängst die entsprechende Änderung des Flächennutzungsplans behördlicherseits schon gebilligt worden ist. Trotzdem waren einige Gemeinderäte versucht, gewissermaßen in letzter Minute noch eine Korrektur durchzudrücken.

Eine Angriffsfläche bot die verbindliche Festsetzung eines barrierefreien Zugangs zu jedem Wohngebäude.
Das war eine Forderung der Bezirksregierung, die sich nur schwer von der Notwendigkeit eines weiteren Bebauungsplanes für Pettstadt überzeugen ließ. Immerhin gibt es annähernd 100 Baulücken im Ortskern und in den Baugebieten der letzten Jahrzehnte. Mit dem Hinweis, dass der Pettstadt prognostizierte Bevölkerungszuwachs nur durch Ansiedlung junger Familien in neuen Eigenheimen erzielt werden kann, die Gemeinde aber nicht über die baureifen Grundstücke verfügen könne, kam Bewegung in das Verfahren.

Außerdem macht sich Pettstadt ernsthaft an die Innenverdichtung, indem auf Brachland zwischen Haupt- und Fabrikstraße eine Seniorenwohnlage mit über 20 Wohneinheiten und ein Bürgerzentrum mit Bibliothek und Veranstaltungsraum angepeilt werden. Um dieses Projekt zu verwirklichen, strebt Pettstadt die Aufnahme in die Städtebauförderung an und gab ein Entwicklungskonzept in Auftrag. Über die Förderung entscheidet letztlich die Bezirksregierung.

Und "Bayreuth" stellte drei Forderungen zum Neubaugebiet am westlichen Ortsrand von Pettstadt: Es muss zum einen die private Eingrünung zur freien Landschaft hin festgesetzt werden und zum anderen die Zufahrt aus dem Baugebiet in die angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen sichergestellt werden.

CSU gegen "Königsweg"

An der dritten Bedingung schieden sich die Geister: "Die Oberkante des Erdgeschossfertigfußbodens darf nicht höher als 30 Zentimeter über dem Mittel des angrenzenden Erschließungsstraßenniveaus liegen. Ein barrierefreier Zugang zum Wohngebäude ist zu errichten." Was Bürgermeister Jochen Hack (FWG) als "Königsweg" bezeichnete, war nicht nach dem Geschmack der oppositionellen CSU-Fraktion.

Alexander Hummel, der sich privat schon einen der künftigen Bauplätze ausgeguckt hat, räsonierte, dass es diese Regelung verhindern würde, einen Keller für eine Einliegerwohnung auszubauen. Von einer "Gängelung der Bauherren" war die Rede.

Und Manfred Dippacher bezweifelte, ob diese Vorschrift eingehalten oder kontrolliert werden wird. Bürgermeister Hack und Bauingenieur Hans-Joachim Brandt von SRP Buttenheim warnten jedoch davor, den mit der Bezirksregierung ausgehandelten Kompromiss zu gefährden. Der Bebauungsplan wurde schließlich mit 9:3 Stimmen gebilligt, der Satzungsbeschluss fiel einstimmig.

Damit ist ein vorläufiger Schlussstrich unter monatelange Auseinandersetzungen mit den unmittelbaren Nachbarn, den Hausbesitzern an der Blumenstraße, gezogen. Sie hatten aus Sorge um Kellerüberflutungen mehrere Planungsänderungen für die Ableitung des Oberflächenwassers durchgesetzt. Nunmehr wird eine zentrale Rigolen-Versickerungsanlage unter dem Kinderspielplatz errichtet, der in der Nord-West-Ecke des Baugebietes entstehen wird. Den künftigen Bauherren wird ferner der Einbau von Regenwasserzisternen dringend empfohlen. Und Ingenieur Brandt riet in dem Neubaugebiet dringend zu "weißen Wannen" (Kellerwände und Bodenplatte aus Beton mit hohem Wassereindringungswiderstand).

Neben dem partiell in geringer Tiefe anstehenden Grundwasser spielt am "Zwiesler Weg" eventuell noch die Lärmbelästigung vom nahen Sportgelände eine Rolle, speziell die jährlichen Open-Air-Konzerte. "Lärmemissionen werden so gering wie möglich gehalten," verpflichtet sich die Gemeinde im Satzungstext. Fürs nächste Jahr gab Bürgermeister Jochen Hack - immer noch auch Zweiter Vorsitzender des Sportvereins - zudem Entwarnung: 2015 werde das Open Air nicht stattfinden, informierte er. Aber da wird eh noch niemand am Zwiesler Weg wohnen.

Lärm vom SV-Gelände

Ernst Chrappek, nächster Nachbar des Sportgeländes und Wortführer der Gegner des Neubaugebiets, bleibt skeptisch. Wegen der vielen sommerlichen Feste und Feiern der Sportler bis tief in die Nacht gehe auch ohne Open Air vom SV-Gelände immer wieder Lärm aus, weiß er zu berichten. Im Übrigen kann Chrappek nach wie vor nicht verstehen, weshalb die Gemeinde das Baugebiet im Westen an die Bebauung anschließt und nicht vom Gewerbegebiet beginnend südlich des Röbersdorfer Wegs. Dort wäre die Ableitung des Oberflächenwassers viel leichter.