Bamberg
Denkmalpflege

240 Kilo Farbe deckten einen wahren Schatz zu

Die Fachwelt staunt und rätselt über eine Stuckdecke in dem Bamberger Einzeldenkmal Jakobsplatz 14. Sie ist von ungewöhnlicher Qualität und trägt die Handschrift eines unbekannten Künstlers. Niemand weiß, wer um das Jahr 1690 die drei biblischen Szenen so ausdrucksstark modelliert hat. Auch der Auftraggeber ist noch unbekannt.
Sabine Schneider unter der Stuckdecke ihres Wohnzimmers, das sie Monate lang den Restauratoren überlassen hatte. Vom Ergebnis ist sie überwältigt. Fotos: Barbara Herbst
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Sicher ist für Hauptkonservatorin Annette Faber vom Landesamt für Denkmalpflege in Schloss Seehof in Memmelsdorf (Landkreis Bamberg) , dass es ein gebildeter Bauherr gewesen sein muss, der Ende des 17. Jahrhunderts die Stuckdecke im ersten Stock des Bamberger Anwesens Jakobsplatz 14 in Auftrag gegeben hat. Diese zeigt auf drei die Decke füllenden Darstellungen hintereinander Salomons Tempelbau, das Wasserwunder Moses und den Untergang Pharaos im Roten Meer.

Jedes Bild weist eine Fülle von Randszenen auf: Man findet stillende Frauen, Kamele, die gerade be- oder entladen werden, bei ganz genauem Hinschauen am Horizont des Roten Meers schemenhaft zwei Segelschiffe. "Wir entdecken jeden Tag etwas Neues!" berichten Irmgard und Günther Heckmann vor Freude strahlend. Die Stuckdecke ziert einen Raum im ersten Stock des Vordergebäudes Jakobsplatz 14, den Irmgard Heckmanns Tochter Sabine Schneider mit ihrer Familie bewohnt.
Zum Vorschein kam die außergewöhnliche Qualität der Stuckarbeit nach einer mehrmonatigen Restaurierung und nachdem die Restauratoren unter Leitung von Klaus Tenschert (Hirschaid) 240 Kilogramm Farbe von unzähligen Anstrichen seit der Zeit um 1690 entfernt hatten.

Schneider hat Fotos gemacht, die den früheren Zustand ihrer Wohnzimmer-Decke zeigen. Man erkannte Umrisse und Köpfe, aber keine Gesichter und andere Feinheiten. Die plastische Wirkung von Figuren und Tieren, Bauwerken und Bäumen war mit jedem Anstrich, den Bewohner im Lauf von über 300 Jahren aufgetragen hatten, verflacht. Was jetzt zum Vorschein kam, übertraf nicht nur die Erwartungen der Bewohnerin, ihrer Mutter und ihres Stiefvaters.
Die Stuckdecke befindet sich nach dem Urteil des Restaurators in einem außergewöhnlich guten Zustand. Tenschert kennt in Bayern und darüber hinaus nichts Vergleichbares. Er spricht von einer sehr hohen Qualität, lobt die sehr feine und kleinteilige Ausarbeitung der weißen Reliefs. Aus restauratorischer Sicht sei sie "in vielfacher Hinsicht ein absoluter Superlativ".

Das Urteil der Denkmalpflege lautet ähnlich. Nirgends in der an Stuckdecken reichen Welterbestadt Bamberg sei ihnen etwas Vergleichbares bekannt, sagen übereinstimmend Raymund Schmitz vom Team Denkmalpflege im städtischen Hochbauamt und Hauptkonservatorin Annette Faber. Die Referentin aus dem Landesamt für Denkmalpflege teilt nicht die Meinung der Autoren des Bamberger Inventarbands über die Denkmäler am Jakobsberg, wonach die Stuckdecke von Johann Jakob Vogel stammen dürfte. Faber sieht keine Parallelen zu den bekannten Stuckarbeiten des Barock-Künstlers. Sie geht davon aus, dass man es hier mit dem Werk eines noch nicht bekannten Zeitgenossen Vogels zu tun hat.

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