"Man muss verrückt sein, um so etwas zu machen!", antwortet der 45-jährige Tscheche Ferry Pribik lachend auf die Frage, warum er seit 30 Jahren mehr als 20 000 verschiedene Kronkorken gesammelt hat. In Hirschaid ist er an diesem Wochenende kein Einzelfall, denn am heutigen Samstag bildet der Ort das Zentrum des - nach Angaben des Veranstalters - weltweit größten Treffens von Kronkorkensammlern.

Die internationale Sammel- und Tauschbörse, die dieses Jahr ihren zehnten Geburtstag feiert, findet nach 2006 und 2007 zum dritten Mal im Schützenhaus der Brauerei Kraus statt. Schon am gestrigen Freitag startete das Treffen. Ein großer Teil der rund 140 erwarteten Gäste aus über 16 Nationen ist bereits angereist. Schon die Autokennzeichen auf dem Parkplatz der Brauerei lassen den internationalen Charakter des Treffens erahnen. Doch erst das Innere des Schützenhauses legt die wirklichen Ausmaße des Sammlertreffs offen: Über 100 Begeisterte, an dutzenden Tischen vereint, unterhalten sich enthusiastisch bis euphorisch in Sprachen, die genauso bunt zusammengewürfelt sind, wie die Verschlusskäppselchen mit den 21 Zacken. Neben Deutschen sind viele Gäste aus den Nachbarländern, vor allem Italien und Tschechien, vertreten. Aber auch weite Flugreisen werden nicht gescheut - ein Teilnehmer ist gar aus Australien angereist. Die multikulturelle Gemeinschaft weiß sich zu verständigen.

"Kronkorkensammeln ist nicht so weit verbreitet wie Bierdeckel- oder Briefmarkensammeln", erzählt der Initiator der Veranstaltung, Gunther Rademacher. "Aber genau das macht unsere Treffen so toll. Man kennt sich, man unterhält sich, ganz über Sprach- und Ländergrenzen hinweg." Zwar liegt der Fokus auf den Kronkorken, durch die familiäre Atmosphäre unter den Sammlern gehen die Gespräche aber weit darüber hinaus.

Der jüngste Teilnehmer ist dieses Jahr Elija Podwonek aus Schleswig-Holstein. Der Elfjährige, der in Begleitung seines Vaters angereist ist, hat sich klare Ziele gesteckt: "Ich bin hier, um Kontakte zu knüpfen und so viel wie möglich zu tauschen." Die kürzere Fahrt, dafür die länger andauernde Sammelleidenschaft hat Alina Koziol aus Nürnberg. 1990 begann ihre Leidenschaft zufällig, als ihr Sohn, damals im Kindesalter, beim Spazieren einen Kronkorken aufhob und ihr schenkte. Neben dieser, für sie einzigartigen Kapsel, hat sie ihre Kollektion heute um 55 624 Kronkorken aus insgesamt 199 Ländern erweitert. "Egal welche Probleme der Alltag bringt, nach nur zwei Minuten über meinen Kronkorken sind die Sorgen vergessen", erklärt sie ihre ungebrochene Begeisterung.

Dass Kronkorken, unabhängig vom Sammeln und Tauschen einen Zweck haben, ist den Sammlern klar. "Seitdem ich Kronkorken sammle, hat sich mein Geschmackshorizont, was Bier angeht, unheimlich erweitert", sinniert Veranstalter Gunther Rademacher. "Interessierte und Sammler sind hier in Hirschaid ausdrücklich erwünscht", erklärt er weiter. Das Treffen findet noch bis in die Abendstunden statt.