Als "das größte musikalische Kunstwerk aller Zeiten und Völker" hat im Jahre 1818 der Musikschriftsteller und Verleger Hans-Georg Nägeli aus Zürich die Hohe Messe in h-Moll von Johann Sebastian Bach bezeichnet. Seitdem hat die Komposition weder an Glanz noch an Bedeutung verloren.
Für die Aufführung dieses Werks, bei dem es sich dem Typus nach um eine Missa Solemnis handelt, bedarf es eines großen, fünf- bis achtstimmigen Chores, fünf Vokalsolisten sowie eines reich besetzten Orchesters mit Trompeten, Pauken, Flöten, weiteren Blas- und Streichinstrumenten.
Zur Geschichte der großen Vokalkomposition gibt es verschiedene Versionen. Eine neuere Theorie besagt, dass sie für eine Aufführung im Wiener Stephansdom 1749 bestimmt gewesen sei. Gleichwohl, ob Bach seine Messe in h-Moll für den Wiener Dom oder für "seine Leipziger Thomaskirche", wo er als Kantor wirkte, komponiert hat, ist eins gewiss: Gesungen wurde sie damals von einem Knabenchor. Bekanntermaßen war es vielerorts Frauen bis in das 19. Jahrhundert hinein nicht gestattet, in Kirchen zu singen.
Bis heute steht das Werk im Repertoire von Knabenchören in der ganzen Welt an vorderster Stelle. Inzwischen singen auch gemischte Chöre Erwachsener das geistliche Werk. Wohl wissend, dass sie die Klangreinheit und Einzigartigkeit der Sopranstimme eines Knaben nicht erreichen werden. Gerne wird daher angenommen, wenn sich Buben vor dem Stimmbruch dem Chor anschließen und die Damen des Soprans ergänzen.
Bei der Aufführung der Bamberger Stephanskantorei am Sonntag wird der 12-jährige Benedikt Kranert aus Knetzgau mit seiner Mutter zwischen den Sängerinnen stehen und seinen Knabensopran in den gewaltigen Chor der etwa 140 Sängerinnen und Sänger aus Bamberg und Umgebung einbringen. Weiter wirken mit als Solisten: Julia Wagner (Sopran), Kerstin Rosenfeldt (Alt), Martin Platz (Tenor), Alban Lenzen (Bass).