Die Schreckgespenste für die braven Bürgersleute, Puffmutter Madame Overdone und ihr Gehilfe Pompey, werden dagegen von Shakespeare nicht als solche diffamiert, sondern in ihrer Angst vor dem Verlust ihrer Existenzgrundlage angesichts der Tugendherrschaft des Angelo gezeigt. Und so wurde gerade bei dem so unterschiedlichen Personal des Stücks in der Inszenierung die Genialität der Personendarstellung Shakespeares immer wieder deutlich gemacht: Auch die so reine Novizin Isabella ist zu großer Grausamkeit gegenüber ihrem Bruder fähig, auch der so edle echte Herzog verfolgt als Nebenziel, mit Isabella ins Bett zu steigen.

Schon bei der reinen Nennung des Personals zeigt sich, welch sportliche Leistung die fünf Darsteller in ihren 17 Rollen und beim ständigen Umziehen auf der diesmal auch einsehbaren Hinterbühne leisten mussten. Pia Wessels Stellwände mit ihren vielen Öffnungen und vielfältigen Möglichkeiten des Sich-Verhakens machten beim Zuschauen sehr viel Spaß. Die Musikeinlagen waren diesmal bis auf Nico Selbachs Gitarrenbegleitung meist vokal und a cappella, reichten von Händel ("Zadok the Priest, Lascia ch'io pianga) bis zu Bob Dylan und deutschen Schlagern und zur urkomischen Nachahmung einer Singenden Säge durch die Singstimme.