Die Produktion der Berliner ist diesmal in Zusammenarbeit mit dem Vorstadttheater Basel entstanden, und dessen Leiter Matthias Grupp hat Regie geführt. Seine Darsteller nannte er nach Opernbrauch Buffonen (eigentlich: Buffi), also nach Lexikon "bis zur Karikatur überzeichnete Figuren oder Typen, die allein schon durch ihre Gestik, Mimik und Kostümierung das Publikum zum Lachen anregen sollen". Das passt insofern, als eine der Quellen von Shakespeares Komödie die Commedia dell' arte war, legitimiert auch die vielen Slapstickeinlagen mit manchmal auch überflüssigen Wiederholungen der Running Gags.

Doch wie immer machte die Company aus Shakespeares Zwitter eine nicht nur kurzweilige Unterhaltung mit Gags, Ironie, Wortspielen - auch mal mit kleinen Ausflügen ins Schrille -, sondern ließ auch die ernste Thematik der Haupthandlung zum Tragen kommen. Es geht da ja wirklich um Machtmissbrauch, um das Ignorieren der Selbstbestimmungsrechte der Frauen, um das Ausleben der verkorksten Sexualität eines vorgeblichen Tugendbolds und es geht, im Gewand einer beißenden Satire über das Handwerk des Henkers Abhorson, um komplette Abstumpfung gegenüber Grausamkeit.

Dagegen hält Shakespeare auch die andere Spezies Mensch: den Gefangenenwärter, der in unbeirrbarer Anständigkeit immer wieder für ihn selbst recht gefährliche Versuche unternimmt, Claudios drohende Hinrichtung zu verhindern. Selten sieht man wie in diesem Stück aber auch die Bloßstellung der banalen Mechanismen des Tötens: Bei der Suche nach einem Ersatzopfer für Claudio, der dienstbeflissenen Inkompetenz des Polizisten Ellenbogen und der völligen Gleichgültigkeit des Behördenapparats in Gestalt etwa der witzig karikierten, aber angesichts der Lage erschreckend teilnahmslosen Sekretärin.