Schon im September hatte Alexandra Schnell, Geschäftsführerin im "Hotel Frankenland", skeptisch auf die anstehenden Wintermonate geschaut. Trotz unbefriedigender Buchungen sollte der Betrieb so lange wie möglich aufrechterhalten werden wie möglich. Nun hat sich die Geschäftsführung doch zur Schließung des Hauses entschlossen - und zwar bis 10. Februar 2021. Andere Hoteliers im Landkreis hingegen wollen sich durch den Lockdown kämpfen.

Für das Vier-Sterne-Hotel Frankenland war es im September noch unrentabler, vorübergehend zu schließen, als es offenzuhalten. "Wir können das Hotel nicht einfach stilllegen", sagte Alexandra Schnell damals. Erhebliche Fixkostenblöcke würden weiter laufen, auch wenn das Haus zu sei. Außerdem benötige das Frankenland zu lange, um den Betrieb wieder hochzufahren und Gäste zu akquirieren.

Nun aber doch der große Schnitt: "Betriebsruhe. Wir haben geschlossen. 02. 11. 2020 - 10. 02. 2021", steht kurz und knapp auf der Internet-Startseite des Beherbergungsbetriebes. Dem Vernehmen nach wurden auch Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Leider war am Montag bis Redaktionsschluss kein Mitglied der Geschäftsführung für eine Stellungnahme erreichbar.

Für Heinz Stempfle, Kreisvorsitzender des Deutsche Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), ist die vorübergehende Schließung des Frankenland "eine Katastrophe". Zumal sich ja auch das Hotel Sonnenhügel nach eigenen Angaben bis Mitte März 2021 Betriebsurlaub verordnet hat.

"Das sind unsere beiden Großhotels in der Stadt", sagt Stempfle. Dass ausgerechnet die jetzt dicht seien, besitze Signalwirkung auch für kleinere Häuser in Bad Kissingen. "Viele nagen jetzt schon am Hungertuch", hat der 81-Jährige in vielen Gesprächen festgestellt. Dass jetzt noch Geschäftsreisende und Handwerker empfangen werden dürfen, sei nur "ein schwacher Trost, auch für die Pensionen und die mittlere Gastronomie".

Viele Hoteliers im Landkreis verfügen auch nicht über großartige Rücklagen mehr, sagt Stempfle. Der erste Lockdown im Frühjahr habe sie schon arg gebeutelt; im Sommer erholten sie sich einigermaßen. Doch nun der erneute Nackenschlag. "Wenn die Schließung nur vier Wochen geht, sind wir auf derselben Schiene wie die Gastronomie. Wenn wir drüber kommen, sieht es sehr ernst aus. Dann werden Häuser eingehen. Das Sterben wird nicht aufzuhalten sein."

Zumal laut dem Dehoga-Kreisvorsitzenden das Weihnachtsgeschäft völlig in den Sternen steht. Stempfles eigenes Haus, das Westpark-Hotel in der Bad Kissinger Rosenstraße sei "an Weihnachten ausverkauft. Aber es weiß keiner, ob die Gäste auch kommen". Da der Kissinger Weihnachtsmarkt abgesagt sei, brechen Hoteliers in der Stadt auch da einige Übernachtungen weg.

Zwar hat der Staat Hoteliers und Gastronomen Hilfe versprochen. Doch viele von ihnen fragen sich laut Stempfle, ob das Geld vom Staat überhaupt kommt. Ob sie es zurückzahlen müssen. Und ob sie das überhaupt können.

Der 80-Jährige sorgt sich auch um den Dehoga-Neujahrsempfang auf Kreisebene - ein Höhepunkt des Jahres. Der sollte am 18. Januar 2021 stattfinden - im Forum des Hotels Frankenland. Einen so großen Raum könnten andere Bad Kissinger Beherbergungsbetriebe nicht bieten.

Anders als die beiden Kissinger Großhotels hat das Dorint Resort & Spa im Staatsbad Brückenau weiter geöffnet. Wobei das Vier-Sterne-Haus laut Direktor Sven Näser eine Art Notbetrieb fährt. "Wir sind ein Wellness- und Tagungshotel, leben sehr stark von Tagungen und Touristen. Dementsprechend haben wir im Moment fast keine Gäste", sagt er. Geschäftsleute würden nur einen geringen Anteil an Übernachtungen einbringen.

Der Gesellschafter hat die meisten der 85 Mitarbeiter im Staatsbad in Kurzarbeit geschickt, berichtet Näser. Außer ihm und einigen Azubis seien nur noch Kräfte für Empfang und Technik vor Ort. Auch die Physiotherapie bleibe offen. "Die Gäste erhalten im Rahmen ihrer Übernachtung Frühstück; eine Küche bieten wir derzeit nicht an." Eine Betriebsruhe sei nicht angekündigt

Als Direktor eines Hauses im großen Dorint-Konzern möchte Sven Näser die Corona-bedingten Schließungen der Bundesregierung nicht kommentieren. Das sei Sache der Gesellschafter. "Wir vor Ort hoffen, dass es nicht wieder zweieinhalb bis drei Monate wie beim letzten Mal werden."

Noch gelassen wirkt angesichts des neuerlichen Lockdowns Thomas Müller, Inhaber des gleichnamigen Weinhotels in Hammelburg, auch wenn er sagt. "Nach dem zweiten Mal Zumachen kann man die Sache nicht mehr positiv bewerten." Einen Monat Schließung sieht der 62-Jährige aber für sein Haus nicht als existenzbedrohend an. "Es fehlt halt der unternehmerische Lohn als Teil der Lebensgrundlage."

Zwar habe der erste Lockdown im Frühjahr für Einbußen gesorgt. Mit dem Sommer war Müller aber zufrieden. Viele Leute seien in der Heimat geblieben und hätten ihr Geld dort ausgegeben. Dazu kam, dass die Hammelburger seinen Essen- und-Trinken-to-Go-Service gut angenommen hätten. Der Hotelier und Winzer sah da "eine Solidarität der Einheimischen".

Weil nun vor allem die Touristen ausbleiben, hat Thomas Müller für zehn Mitarbeiter inklusive geringfügig Beschäftigte Kurzarbeit angemeldet. Drei Festangestellte und eine Teilzeitkraft bleiben im Haus. Sie kümmern sich um durchreisende Geschäftsleute und Bundeswehrler, die aber nur 20 Prozent der Gäste ausmachen. Der 62-Jährige will nun schauen, wie sich Aufwand und Ertrag beim neuerlichen To-Go-Service entwickeln.

Das Hotel-Café Tilman in Münnerstadt hat der neuerliche Lockdown zwar nicht überrascht, aber hart erwischt, gibt Inhaberin Roswitha Henkelmann zu. "Wir hatten nicht damit gerechnet, dass es so rigoros ausfällt". Die Schließung der Hotelbetriebe bis Ende November sei eine "große Einschränkung". "Wir hatten damit gerechnet, dass der Betrieb stundenweise oder abends eingestellt werden muss, aber nicht komplett. Ich kann nicht sagen, ob wir das überstehen."

Drei Mitarbeiter des Familienbetriebs haben die Henkelmanns in Kurzarbeit geschickt. Der Gastronomiebetrieb sei komplett eingestellt. Die Hoteliers leiden besonders darunter, dass Familienfeiern und Hochzeiten komplett wegfallen. Schon unterm Jahr seien kaum Fahrradfahrer und Motorradgruppen gekommen. "In vier Wochen steht das Weihnachtsgeschäft vor der Tür. Wir wissen nicht, ob die Leute überhaupt rausgehen." Für die Festtage und auch Silvester sieht Roswitha Henkelmann schwarz.

"Wir sehen ein, dass angesichts der hohen Corona-Zahlen etwas passieren muss. Aber dass es Hotels und die Gastronomie betrifft, die ja Hygienekonzepte gemacht haben, ist sehr bitter", sagt sie. Thomas Müller in Hammelburg sieht das ähnlich.