"Das ist unser Geburtstagsgeschenk zum 85-jährigen Vereinsbestehen", betonte Vorsitzender Andreas Tröger.
Es ging an die Leistungsgrenze der Musikanten. Doch alle hielten durch. Offenkundig war die hohe Motivation für den Fischer-Workshop bei Jung und Alt in dieser Kapelle gleichermaßen vorhanden. "Die Proben sind recht anstrengend", bekennt Flötistin Carmen Kleinhenz. "Und trotzdem hat es mir Spaß gemacht, bei Fischer noch Vieles hinzu zu lernen", ist sie begeistert. Böhmische Musik habe auf den Notenpulten gelegen, darunter viele Kompositionen von Fischer.
"Ich bin kein Böhme", betont der Hergolshausener Rudi Fischer. Aber es störe ihn nicht, das Konzert mit dem Titel "Gruß aus Böhmen" zu eröffnen. Böhmische Blasmusik sei eine Herzensangelegenheit, kann Fischer die ursprüngliche Heimatverbundenheit der Böhmen nachempfinden. "Getragen wird diese Musikrichtung von Tenorhörnern und noch tieferen Blasinstrumenten bis hin zur Tuba", erläutert Fischer. Charakteristisch für die böhmische Musik sei der sanfte rhythmische Klang der schaukelnden Melodienbögen. Mit dem überraschenden Bums der großen Trommel finden diese Musikstücke jedes Mal ein jähes Ende.
"Heute stehe ich nicht am Dirigentenpult", hat Michael Bergmann seinen Taktstock gerne an Fischer abgegeben und sich brav ins Register der Posaune eingereiht. "Böhmisch macht auch mir sakrisch viel Spaß", bekennt Bergmann. Die 15 Musikstücke an nur einem Tag einzustudieren, sei eine gewaltige Arbeit. Dieser Workshop mit Fischer sei eine absolute Premiere für die Musikanten der Musikvereinigung Wartmannsroth, bestätigt Bergmann. Er freue sich über diesen Glücksfall von hochwertiger Qualität in Sachen musikalischer Weiterbildung.
Auch zum Konzert bleiben die Schilder mit den Vornamen der Mitspieler an den Notenständern hängen. Dies unterstreicht zusätzlich optisch die arbeitsame Atmosphäre des Workshops. Knapp eine halbe Stunde lang dürfen sich die Musikanten vor dem Konzertbeginn nach dem Probentag erholen. Dann nehmen sie wieder in ihrer Kapelle platz und greifen erneut zu ihren Instrumenten.
"Im Gegensatz zur sinfonischen Musik ist die orchestrale Besetzung der böhmischen Musik viel kleiner und intimer", erklärt Fischer den Zuhörern. Schnell hat der Europameister auch das Publikum mit seiner Begeisterung fasziniert und dessen Interesse für die böhmischen Melodienbögen geweckt, hinter denen meist die Themen Heimat, Liebe und Freundschaft stehen. Auf dem Konzertprogramm standen nicht nur böhmische Polkas, Walzer und Märsche sondern auch kirchliche Weisen.
Seit dem Jahr 2000 nahm Fischer zusammen mit seiner Heimatkapelle an Wertungsspielen teil. Im europäischen Wettbewerb der musikalischen Oberstufe - das ist die höchste Amateurstufe - errang Fischer mit seinen Musikern mehrfach die höchste Auszeichnung der internationalen Meisterschaft. Dieses recht hoch angesiedelte Musikniveau beflügelte jetzt die Kapelle der Musikvereinigung Wartmannsroth und ließ sie sanft durch die böhmische Musikwelt gleiten.