Wiesenbrüter zu kartieren, ist keine Aufgabe für Morgenmuffel: Da die meisten Arten rund um den Sonnenaufgang aktiv sind, muss man sehr zeitig aus dem Bett - außer beim Wachtelkönig, der ruft überwiegend mitten in der Nacht. Zum Glück gibt es im Landkreis Bad Kissingen einige Frühaufsteher: Insgesamt waren in den vergangenen Monaten 14 Ehrenamtliche in den frühen Morgenstunden oder auch nachts aktiv. Sie erfassten in knapp 30 Gebieten des Landkreises die hochbedrohten Arten, heißt es in einer Pressemeldung des Landratsamtes.

Im Frühjahr 2021 fand bereits die 7. landesweite Erfassung wiesenbrütender Vogelarten statt. Im Fokus standen dabei neun Arten, die fast ausnahmslos in Feuchtwiesen brüten. Alle diese Arten sind in Bayern "Vom Aussterben bedroht" (Rote Liste 1) oder "Stark Gefährdet" (Rote Liste 2).

Bei den Wiesenbrütern handelt es sich um neun - auf den ersten Blick bunt zusammengewürfelte - Vogelarten. Sie haben gemeinsam, dass sie hauptsächlich in Feuchtwiesen auf dem Boden brüten. Im Landkreis Bad Kissingen brüteten in den letzten Jahren sechs dieser Arten regelmäßig: die beiden Watvögel Kiebitz und Bekassine, die Singvögel Grauammer, Wiesenpieper und Braunkehlchen sowie die nachtaktive Rallenart Wachtelkönig. Die drei fehlenden Arten Großer Brachvogel, Uferschnepfe und Rotschenkel kommen in Unterfranken ausnahmslos nicht vor, da sie auf zusammenhängende Feuchtwiesen-Komplexe mit mehreren Dutzenden Hektar angewiesen sind.

Um die Bestände der Wiesenbrüter sieht es auch bei uns düster aus. Von Bekassinen und Wiesenpiepern gibt es im ganzen Landkreis zwei Nachweise, von der Grauammer nur einen. Die wenigen Wachtelkönige riefen nur über einen relativ kurzen Zeitraum, und vom Kiebitz gibt es nur noch ein kleines Vorkommen im östlichen Landkreis. Das Braunkehlchen dürfte wohl ganz aus unserem Landkreis verschwunden sein.

Das Kiebitz-Brutgebiet im östlichen Landkreis wurde durch die Untere Naturschutzbehörde Bad Kissingen zur Brutzeit 2021 in enger Abstimmung mit dem kooperativen Landwirt optimiert - mit Erfolg. Bis zu sechs Paare schritten auf engem Raum zur Brut, etliche Jungvögel schlüpften, einige wurden auch flügge. Es gibt große Hoffnung, dass sie im kommenden Jahr wieder in dieses Gebiet zurückkehren.

Viele Ursachen

Bayernweit hat sich die Zahl der Wiesenbrüter stark reduziert. Viele Faktoren machen ihnen zu schaffen. Dazu zählen unter anderem die intensive Wiesennutzung mit häufigen Schnitten, die Trockenlegung von Feuchtwiesen, aber auch Störungen durch Spaziergänger mit freilaufenden Hunden. Außerdem werden die Eier beziehungsweise Jungvögel immer wieder von Säugetieren wie Fuchs, Marder und Waschbär gefressen, "Prädation" heißt das in der Fachsprache.

In den Gebieten, in denen noch Wiesenbrüter leben, will die Untere Naturschutzbehörde künftig noch stärker als zuvor Maßnahmen zu deren Schutz umzusetzen. Dazu zählen Vereinbarungen mit den Bewirtschaftern über das Vertragsnaturschutzprogramm. Zudem könnten beispielsweise Feuchtmulden angelegt oder künstliche Sitzwarten für die kleinen Vögel ausgebracht werden.

Zudem kann jeder Mensch durch sein Verhalten in der Natur selbst dazu beitragen, die letzten Wiesenbrüter zu bewahren: Bleiben Sie auf den Wegen und stören Sie die Tiere nicht.

Nach 1980, 1986, 1992, 1998, 2006 und 2014/15 fand 2021 die siebte landesweite Erfassung der Bestände wiesenbrütender Vogelarten in Bayern statt. Das bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) hat dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) den Auftrag erteilt, die Erfassung zu koordinieren.

Der Schutz wiesenbrütender Vogelarten hat in Bayern Tradition. Bereits seit über 35 Jahren wird am bayerischen Landesamt für Umwelt intensiv an dieser Thematik gearbeitet. Die landesweite Wiesenbrüterkartierung legt hierfür den Grundstein, weshalb eine möglichst vollständige Erfassung Bayerns besonders wichtig ist. Vom kleinen Gebiet mit wenigen Kiebitzpaaren bis hin zum großen Wiesenbrütergebiet mit dem vollständigen Artenspektrum. Jede/r ist willkommen, das Projekt ehrenamtlich zu unterstützen.

Informationen

Mehr Informationen zum Artenhilfsprogramm Wiesenbrüter gibt es auf den Seiten des LfU: https://www.lfu.bayern.de/natur/artenhilfsprojekte_voegel/wiesenbrueter/index.htm

Kontakt

Wer Interesse hat, das Projekt im Landkreis als Kartierer ehrenamtlich zu unterstützen, kann sich gerne an den Biodiversitätsberater Matthias Franz wenden, Tel.: 0971/801 40 85,

E-Mail: matthias.franz@kg.de.