Da sind die Augen auf einmal ganz groß. Erstaunt steht Marie auf der Waage. Nicht von ihrem eigenen Gewicht - sie wiegt nämlich gerade mal zarte 17 Kilo. Sondern von dem ihres Schulranzens. Der ist vollgepackt bis oben hin, genauso wie am ersten Schultag nächste Woche. Ganze 3,5 Kilo bringt er auf die Waage. Ganz schön schwer. Nicht aber für Marie. "Der ist doch nicht schwer", sagt die Sechsjährige und hebt die rosafarbene und mit Blumen und Vögeln verzierte Tasche ganz stolz nach oben - und das mit nur einer Hand.

Alle Kinder, die jetzt in die Schule kommen, haben ihren Schulranzen mit in den Kindergarten Steinach gebracht. Immerhin wollen sie wissen, wie viel Gewicht sie künftig auf ihrem Rücken schleppen. Zu schwer finden sie ihn alle nicht. Obwohl die Waage etwas anderes verrät. Am schwersten ist der von Nicklas. 4,6 Kilo! So viel wie er muss sonst keiner tragen. Dafür ist seine Tasche besonders cool, mit einem Bulldog auf der Vorderseite. "Der hat doppelte Räder", zeigt der Sechsjährige aus Roth und strahlt über beide Ohren.

Aber was ist da eigentlich alles so drin, in einem Schulranzen von heute? Die Kinder werfen ganz aufgeregt einen Blick hinein. Und fast bei jedem ist dasselbe drin: ein Ordner, Hefte, Blöcke, Bastelpapier, Mäppchen, Schlampermäppchen, Knetmasse, Wachsmalstifte, Wasserfarben, ein Wasserbecher und ein Regenbeutel. Für ein Kind in der ersten Klasse nicht wenig. Der Ordner bleibt laut Sabine Braun, der Kindergartenleiterin, künftig zuhause. Bücher, Lernhefte, Brotbox, Trinkflasche und Rechenschiffchen waren aber noch gar nicht dabei - und wiegen zusätzlich.

In der Zwischenzeit schleppt Robin seinen Schulranzen zur Waage. "Der zieht mich richtig runter", ist der Sechsjährige aus Nickersfelden ganz verblüfft. Die Anzeige der Waage gibt ihm recht: 4,4 Kilo wiegt seine mit Spinnennetzen verzierte Tasche.

"Rosa ist meine Lieblingsfarbe", betont Amelie. Die Sechsjährige aus Hohn ist als Nächste dran. Und redet natürlich von ihrem Schulranzen: rosa, mit lauter Schleifen - aber auch schwer. 3,8 Kilo. Der von ihrer Zwillingsschwester Ann-Sophie (natürlich auch rosa) ist ein bisschen leichter, immerhin 600 Gramm. "Ganz schön schwer", findet sie trotzdem.

Und auch Frau Braun ist erstaunt über das Gewicht der Schulranzen. "Der Ranzen allein wiegt ja schon mindestens ein Kilo. Wenn der voll ist, ist das bei vielen zu schwer für ihr Körpergewicht", meint sie.

Im Frühjahr besuchte eine Physiotherapeutin den Kindergarten und zeigte den Kindern einige Übungen zur Rückengymnastik. Braun erläutert: "Da haben wir ihnen auch erklärt, dass es vor allem am Anfang wichtig ist, sich beim Aufsetzen der Tasche gegenseitig zu helfen." Im Juli sind sie mit ihren - noch leeren - Ranzen dann das erste Mal zur benachbarten Grundschule gelaufen, zum Probeunterricht.

"Wir freuen uns in der Schule auf alles", sagen Mia (6, aus Steinach) und Franjo (7, Bad Bocklet). "Die Schule wird anstrengend, aber ich freu' mich auch", sagt Niklas. Und Robin ergänzt: "Vor allem auf die Hausaufgaben. Ich sitze gerne am Schreibtisch." Jetzt wird aber erstmal gespielt. Den Schulranzen lassen alle in der Ecke stehen. Vorläufig. Ab nächster Woche ist er dann ihr täglicher Begleiter. Und macht ihnen das Schulleben - und hoffentlich auch den Rücken - leichter.

Gewicht "Zehn Prozent des Körpergewichts, mehr sollte ein Schulranzen nicht wiegen", rät Kinderarzt Andreas Schloßbauer aus Bad Kissingen. Wenn er zu viel wiegt, kann das auf Dauer zu Haltungsschäden führen und die Wirbelsäule strapazieren. Eltern sollten täglich einen Blick in die Büchertasche werfen und entscheiden, was notwendig ist und was herausgenommen werden kann. "Oft ist das Gewicht dann immer noch zu hoch", meint er. Die Gurte sollten zudem breit, gepolstert und verstellbar sein. Schloßbauer erläutert: "Die Tasche darf nicht in den Kniekehlen hängen."

Leuchtstreifen Auch die Leuchtstreifen an den Vorderseite und an den Seiten sollten deutlich erkennbar sein, empfiehlt Marlene Blasek (Schreibwaren Rath), damit das Kind schnell zu erkennen ist - vor allem bei schlechtem Wetter und bei Dunkelheit. Der Schulranzen sollte ihr zufolge außerdem wasserdicht sein und eine Außentasche für eine Flasche haben.

Trolley Eine Alternative zum Schulranzen kann der Trolley sein. "Für den Rücken ist er schon eine Entlastung", weiß Schloßbauer. Bei den Kindern käme er bisher aber noch nicht so gut an, erläutert Blasek. Er dürfe außerdem nicht zu voll beladen werden. Vor allem wenn das Kind eine Treppe steigt, kann das Anheben sonst genauso zu Haltungsschäden führen.