Nicht mehr allzu viele Bergfest-Besucher werden sich an die Entstehungsgeschichte und die Höhepunkte des traditionellen Festes erinnern. Die etwa 20 jungen "Männer der ersten Stunde", die 1954 den ursprünglich "Burschenverein Fidelia" genannten Verein gründeten, sind in die Jahre gekommen und viele bereits verstorben.
Dem Protokollbuch kann man interessante Details über die Entwicklung des Vereins entnehmen, der 1961, jetzt als "Heimatverein Nüdlingen
e.V." das erste Bergfest veranstaltete. Seit seiner Gründung war der Burschenverein Fidelia überaus aktiv bei der Organisation von Festen im Ort, besuchte aber auch die der Nachbargemeinden und holte sich viele Anregungen. Walter Schäfer, der mehr als 20 Jahre Kassier des Heimatvereins war, kann sich als "Zeitzeuge" noch recht gut an die Faschingsveranstaltungen des Vereins erinnern. Ihr Höhepunkt war Jahr für Jahr ein ideenreicher Faschingszug, der für viel Gesprächsstoff sorgte. In einer Art "Narrenspiegel" wurde immer wieder Bezug auf das kommunale Geschehen genommen.

Geldbuße für Hochzeiter

Jahr für Jahr jubelten Menschenmassen den Akteuren des "Burschenvereins Fidelia" zu, die mit handwerklichem Geschick und viel Fleiß die einzelnen Faschingswagen gebaut hatten. Mehrmals im Jahr organisierte der Verein gut besuchte Tanzveranstaltungen und Kappenabende, die Geld in die Kasse des Vereins brachten. Doch verfügte der Burschenverein auch über eine weitere, ungewöhnliche Geldquelle. In der ersten Satzung des Vereins stand: "Jedes aktive Mitglied, welches sich durch Zulegung einer Jungfrau in das Joch der Ehe stürzt, muss dem Verein eine Sühne von 25 Maß Bier im Geldwerte entrichten. Dafür ist er berechtigt, sich an Veranstaltungen des Vereins kostenlos zu beteiligen und hat die selben Rechte und Ansprüche wie jedes aktive Mitglied." Trotzdem heirateten Jahr für Jahr einige Mitglieder. Außer dem Faschingstanz, jeweils am Rosenmontag, gab es in der Pfingstzeit einen "Fliederball" und einige weitere Bälle im Jahreslauf. Ein wichtiges Ereignis war die Aufstellung des Maibaums im Ortszentrum oder vor dem Gasthaus "Grüne Au". Wie aus einem Pressebericht hervorgeht, war der Maibaum des Jahres 1962 mit 31 Metern der höchste in ganz Unterfranken! Ein Tanz in den Mai schloss sich an.

Fahrt zum Oktoberfest

Das große, ehrenamtliche Zupacken der Mitglieder wurde von Anfang an durch jährliche Mehrtagesausflüge honoriert. Prägende Eindrücke hinterließ zum Beispiel der Besuch des Münchner Oktoberfests. Im Lauf der Jahre besuchte der Verein zahlreiche Städte und kulturelle Sehenswürdigkeiten in ganz Deutschland und sogar darüber hinaus. Die Liebe zur Heimat, nicht nur zum Heimatort Nüdlingen, sowie der Zusammenhalt im Verein wurden durch diese Fahrten gestärkt. Mit Schrecken erinnern sich jedoch die ältesten Vereinsangehörigen an ein Unglück beim Ausflug im Jahre 1958 an den Rhein. Bei der Talfahrt der Drachenfelsbahn in Königswinter versagten die Bremsen und beim Aufprall kam es zu Toten und Verletzten. Im Unglückszug saßen 18 Nüdlinger, von denen zum Glück keiner den Tod fand. Einige von ihnen zogen sich jedoch schwere Verletzungen zu.
Als sich Vorsitzender Fritz Lanzendörfer 1958 nicht mehr zur Wahl stellte, wurde Walter Hein sein Nachfolger. Lanzendörfer blieb Schriftführer. Es entstand der Wunsch, für den Verein ein eigenes Domizil in Form einer Blockhütte auf der Kehlmetze zu bauen. Das Grundstück mit herrlichem Blick auf Nüdlingen wurde von der Gemeinde erworben. Aus mehreren Gründen kam es dann nicht zur Verwirklichung dieses Plans. Ende 1959 wurde in der Generalversammlung beschlossen, den Vereinsnamen in "Heimatverein Nüdlingen e.V." zu ändern. Der Wunsch der Mitglieder, ein eigenes, größeres Fest im Ort zu veranstalten, wurde jetzt bald zur Realität. Nach mehreren vergeblichen Versuchen, im Ortsbereich einen Festplatz zu finden, entschied sich der Heimatverein für einen Platz auf dem Wurmerich. Der Name "Bergfest" prägte sich bald ein.

Das Bier floss in Strömen

Beim ersten Bergfest 1961 sorgte vor allem die Trachtenkapelle der Stadt Bad Kissingen, dirigiert von Adolf Zähler, für eine Super-Stimmung. Das Speisenangebot beschränkte sich auf Grillwürste, doch das Festbier floss in Strömen. Vor dem 2. Bergfest machte der Heimatverein Werbung in ganz Unterfranken und die Besucherresonanz war überwältigend.

Stars aus Funk und Fernsehen

Der geschäftstüchtige Vorstand, vor allem 2. Vorsitzender Roland Sprenger, brachte es fertig, aus Funk und Fernsehen bekannte Stars in das Festzelt auf dem Wurmerich zu holen. 1966 waren alle hingerissen von Billy Mo, dessen Lied "Ich kauf mir lieber ´nen Tirolerhut" zum Ohrwurm wurde. Später sorgten unter anderem Marianne und Michael, Slavko Avsenik mit seinen Original Oberkrainern, der Jodlerkönig Franzl Lang oder German Hofmann mit seiner Ochsenfurter Blasmusik für Stimmung und Begeisterung.