Die ehemalige Warenannahme des LS-Labors in Großenbrach ist nun wie ein Klassenzimmer eingerichtet. Es bietet Platz für die Auszubildenden des Unternehmens. Diese sitzen im angrenzenden Lehrlabor mit Schutzbrille, Maske und Kittel an Tischen verteilt und arbeiten an Reagenzgläsern. Die zwölf Jugendlichen sind in ihrem ersten Ausbildungsjahr zu Laborfachkräften der Biologie in dem Labor.

Sie sind der zweite Jahrgang, der die sogenannte Blockausbildung durchläuft. Um sie kümmert sich Dunja Köszegi hauptamtlich: "Seit letztem Jahr haben wir angefangen, unsere Azubis im ersten Jahr zu beschulen. Wir wollen nicht, dass sie direkt ins Labor gehen und die verschiedenen Labore durchmachen."

Theorie und Praxis im Blockunterricht

Das bedeutet: Die Ausbilder aus den verschiedenen Bereichen des Unternehmens lehren den Azubis für ein paar Tage die Theorie im Klassenzimmer und die Praxis im Lehrlabor.

"Wir möchten, dass sie das ab vom Routinebetrieb vermittelt bekommen", sagt Köszegi. In einem halben Jahr durchlaufen die Jugendlichen vierzehn Themengebiete.

Es geht von Qualitätsmanagement und Arbeitssicherheit über Hygiene und Wasser-Probenentnahme bis hin zu Molekularbiologie. Ein- bis Zweimal pro Woche besuchen die Auszubildenden die Berufsschule in Würzburg.

Gegenseitig helfen

Lina Hoch ist im zweiten Lehrjahr und spricht positiv über das Konzept der Blockausbildung: "Ich bin gerade in meiner ersten Abteilung und finde das, was ich vorher dazu gelernt habe, war sinnvoll." In den sechs Monaten sei die Gruppe ihres Jahrganges eng zusammengewachsen.

"Auch gut ist, dass wir uns bei Fragen gegenseitig helfen können." Ein weiterer Pluspunkt für die Auszubildende: Im Lehrlabor zu üben, ohne dass Fehler größere Auswirkungen haben.

Praktikum in Finnland

Sie überlegt derzeit, auf ein Angebot des LS-Labors einzugehen: Ein Auslandspraktikum in Finnland. Die Ausbildungsbeauftragte Dunja Köszegi sagt: "Heuer haben wir es das erste mal gemacht, dass wir zwei Azubis für acht Wochen nach Finnland geschickt haben." Das Unternehmen hatte mit einer Agentur ein passendes Labor ausgesucht. Es sollte im europäischen Ausland liegen und zur Ausbildung passen.

Der Andrang zu diesem Angebot war groß: Das Los entschied. An einer Uni in einem englischsprachigen mikrobiologischen Labor haben die beiden Auszubildenden Erfahrungen gesammelt. "Sie haben eine andere Kultur und einen anderen Arbeitsplatz kennengelernt", sagt Köszegi.

So etwas gibt es auch in anderen Labors, beispielsweise bei Laboklin in Bad Kissingen. Wie der Leiter der Abteilung Mikrobiologie bei Laboklin, Anton Häusinger, sagt, gibt es das Erasmusprogramm zu schweizerischen und österreichischen Partnerlaboren in Basel oder Linz.

Azubi-WG in Bad Bocklet

Weil in der vergangenen Zeit immer mehr Auszubildende von außerhalb der Region zum LS-Labor kamen, gibt es mittlerweile die "Azubi-WG". Die Jugendlichen, die über 50 Kilometer weit entfernt wohnen, kommen in einem der Zimmer über dem Restaurant Laudensack in Bad Bocklet unter. Für sieben Auszubildende und zwei Praktikanten stehen kleine Zimmer mit Bett, Schrank und Bad zur Verfügung. Dazu gibt es einen Gemeinschaftsraum und die Küche.

Für 170 Euro monatlich haben sie die Möglichkeit, dort bis Ausbildungsende zu wohnen. "Wir haben Azubis aus Ingelheim und Freiburg hier", sagt Ausbildungsbeauftragte Köszegi. Es wurde gut angenommen: Die WG ist voll.

Das Unternehmen versucht mit seinem Konzept, Auszubildende anzuwerben, aber auch, sie danach im Betrieb zu halten. Auf dem Land ist das nicht immer einfach. Ziel sei es, alle nach ihrer Lehre zu übernehmen. "Es muss schon viel passieren, dass wir die Leute nicht übernehmen", sagt Köszegi.

Einschätzung der Gewerkschaft

Gewerkschaftssekretär der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE), Timo Bergmann, ist unter anderem für das LS-Labor in Großenbrach zuständig. Er nimmt wahr, "dass man sich um die Azubis kümmert und, dass sie als Zukunftsinvestition gesehen werden." Leistungen wie ein 13. Monatsgehalt seien für ein Unternehmen wie LS, das keinen Tariflohn zahlt, eher unüblich. Das Ausbildungsgehalt des Unternehmens liege im oberen Drittel.

"Für ein nicht als Konzern organisiertes Unternehmen ist das schon gut", meint Bergmann. Auslandspraktika gebe es vereinzelt auch in anderen Unternehmen. Das Konzept der Blockschule gebe es ebenfalls in anderen Unternehmen, das Ob und Wie sei jedoch sehr von der Berufsschule abhängig. Aus Bergmanns Sicht geht es dem Unternehmen sehr darum, sich zukunftssicher aufzustellen.