Thomas Klose weiß, was in den nächsten Monaten alles noch zu tun ist. "Zunächst muss der Glockenturm im Kirchturm renoviert werden. Erst dann kann das Geläut eingebaut werden", erklärt der Kirchenpfleger. Er hofft, dass die vier neuen Glocken dann erstmals zum nächsten Osterfest erklingen.
Das Projekt kostet eine Menge Geld. Die errechneten Kosten liegen bei rund 125 000 Euro. Hinzu kommen die Steinarbeiten am Kirchturm.
Die erfreuliche Nachricht: Die Kirchengemeinde steht bei der Finanzierung nicht alleine da.
So sagte die Diözese einen Zuschuss von 44 000 Euro zu, und auch die Gemeinde Aura beteiligt sich mit 25 000 Euro. Der Kirchenpfleger rechnet zudem mit jeweils 10 000 Euro aus eigenen Rücklagen und Spendenaufkommen, womit ein großer Teil der Kosten gedeckt ist.

Kirchgeld wird erhöht

Es bleiben noch rund 36 000 Euro, die eventuell teilweise über einen Kredit zu finanzieren wären. Nicht allein die Glocken verschlingen das Geld, sondern auch die Geläute-Mechanik, die auf den neuesten Stand zu bringen ist. Um den Finanzbedarf zu decken, muss der Kirchenpfleger auch zu unpopulären Maßnahmen greifen. "Ich sage es ungern, aber wir müssen ab sofort das Kirchgeld für mehrere Jahre auf 20 Euro erhöhen", bekennt Klose.
Mit Aktionen wie jüngst dem Glockenfest versucht der Initiator und "Motor" der Maßnahme, weiteres Geld in die Geläute-Kasse zu bringen. Rund um die Anlage der Klosterkirche schufen Helfer, darunter der Pfarrgemeinderat und die Frauengruppe "Heinzelmännchen", ein romantisches Ambiente mit über 250 Kerzen und bengalischen Fackeln, bei dem sich trefflich feiern ließ.
Die Auraer Gaststätten "Alte Brauerei" und "Burgruine Aura" spendeten der Veranstaltung die Speisen, der Jugendmusikverein sorgte für den musikalischen Rahmen. In der Kirche informierte Thomas Klose zudem mit einer Power-Point-Präsentation über Sachstand der Sanierung, Schadensbild und Kostenaufwand.
Drei Tage zuvor fuhren 60 Interessierte mit dem Kirchenpfleger nach Passau, um das Gießen der beiden kleineren Glocken miterleben zu können. "Es war ein unvergesslicher Augenblick, bei diesem Akt einer besonderen Handwerkskunst zuzuschauen", schwärmt Klose. Pfarrer Sony begleitete den Glockenguss mit einem Gebet und der Bitte um Gottes Segen.

Zusammensetzung geheim

Auf dem Betriebsgelände der Firma Perner konnten die Auraer auch die bereits zur Auslieferung fertigen Glocken besichtigen. Ein Vortrag über die Grundlagen der Glockenfertigung zeigte, dass es für den Guss ein Betriebsgeheimnis bei der Zusammensetzung der Materialien gibt. Dies macht letztlich den einzigartigen Klang einer Glocke aus.
Für die Mitfahrer war das Ereignis aus einem weiteren Grund ein historischer Moment, denn die Gießerei Perner stellte offiziell Ende August ihre Produktion ein. Die Glocken für die Auraer Klosterkirche waren somit die letzten, die bei dem renommierten Unternehmen gegossen wurden.
Was geschieht mit den alten, nach dem Krieg hergestellten Eisenhartguß-Glocken im Kirchturm? Werden sie eingeschmolzen? "Nein", sagt Thomas Klose. "Es täte mir in der Seele weh, wenn man sie einschmilzt. Schließlich haben sie mehr als 50 Jahre ihren Dienst getan", fügt er hinzu. Die größte der vier Glocken soll nach seiner Vorstellung einen Platz in der Dorfkirche finden, eine der kleineren vielleicht im Apostelsaal.