Mit Schülern vollgestopfte Busse. Hotspots, an denen sich Corona in Windeseile ausbreiten kann, falls auch nur ein Mitfahrer das Virus in sich trägt. Das ist die Horrorvision, die Bündnis 90/Die Grünen im Landkreis Bad Kissingen sehen, wenn sie an das nächsten Dienstag in Bayern beginnende Schuljahr denken. In einer Pressemitteilung erheben sie weitgreifende Forderungen für den Schulbusverkehr. Doch lassen die sich erfüllen?

"Mit Blick auf die gestiegenen Corona-Fallzahlen und die bevorstehende Erkältungszeit fordern die Kreistagsfraktion und der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen Landrat Thomas Bold auf, ein Hygienekonzept für den Weg zur Schule zu erstellen und den Schülerinnen, Schülern und deren Eltern Informationen darüber noch vor dem Schulbeginn zur Verfügung zu stellen", heißt es in der Pressemitteilung. Das decke sich unter anderem mit einem entsprechenden Hinweis des bayerischen Kultusministeriums.

"Viele Eltern blicken mit großer Sorge auf den kommenden Herbst", behauptet Tobias Eichelbrönner, Kreisrat und Vorstandssprecher der Landkreis-Grünen, in der Mitteilung. Kinder und Familien hätten in den vergangenen Monaten mit Homeschooling und der Einschränkung sozialer Kontakte in besonderem Maße unter der Pandemie gelitten. "Im Herbst werden viele Familien bei jeder laufenden Nase und jedem Hüsteln Angst haben. Jede vertretbare Maßnahme, welche zum Schutz vor Corona und Erkältungserkrankungen dient, sollte ergriffen werden", heißt es weiter.

Die Grünen könnten sich vorstellen, "zusätzliche und größere Busse einzusetzen und den Unterricht in verschiedenen Klassen oder Schulen zeitversetzt beginnen zu lassen". Informationen zur möglichen Durchlüftung der Busse während der Fahrt würden vielen Eltern eventuell ein besseres Gefühl vermitteln.

Petra Winter, Sprecherin des Grünen-Kreisvorstands, fürchtet gar: "Wenn keine deutlichen Signale zum Schutz der Kinder vom Landkreis kommen, werden viele Eltern die Kinder statt mit dem Bus mit dem eigenen Auto zur Schule bringen." Diese Elterntaxis würden nicht nur die Umwelt zusätzlich belasten, sondern diejenigen Kinder potenziell gefährden, die mit dem Fahrrad oder zu Fuß zur Schule gelangten.

Einfach mehr Busse im Schülerverkehr einsetzen - das hält Thomas Klüh, Betriebsleiter beim Kreisomnibusbetrieb (KOB) in Oberthulba zwar aus konzessionsrechtlicher Sicht für machbar. Der KOB bedient den Großteil des Linienbusverkehrs im Landkreis; auf öffentlichen Buslinien fahren auch die Schüler der weiterführenden und beruflichen Schulen sowie vieler Grund- und Mittelschulen zu ihren Einrichtungen.

Zwar müsse das Unternehmen "eigenwirtschaftlich und auskömmlich fahren und sich an den Fahrplan halten". Aber wieviel und welche Busse es einsetze, um das Fahrgastaufkommen zu bewältigen, bleibe ihm selbst überlassen.

Allerdings fehlt es dem Omnibusbetrieb derzeit schlicht an der Kapazität. Über 42 Busse verfügt der KOB insgesamt; 37 davon sind nach Klühs Worten täglich im Einsatz, zwei in Reparatur und Wartung. Von einem Überhang oder dass "Busse durch die Pandemie ja gerade nutzlos in den Höfen stehen", wie es Stefan Wassmuth, Sprecher des Bundeselternrates, kürzlich formulierte, lässt sich also nicht sprechen.

Ähnlich sieht es bei den Fahrern aus. 54 beschäftigt der KOB und die allermeisten sind zum Schulbeginn im Einsatz. Thomas Klüh erwähnt eine Verkehrsplattform der Bayerischen Staatsregierung, über die im Freistaat rund 650 sogenannte "Verstärkerbusse" verliehen werden können. Doch dem KOB fehlen eben die Fahrer. Und selbst wenn der Omnibusbetrieb welche einstellen wollte: "Der Markt gibt im Moment nichts her."

Trotzdem: Das Landratsamt möchte in Sachen Schülerbeförderung etwas tun. Man habe "bereits mit den Busunternehmen über den Einsatz zusätzlicher Busse gesprochen und ist zu dem Konsens gekommen, die (Steh-)Platzanzahl zu reduzieren". Hierfür seien jedoch Erkenntnisse aus der Praxis notwendig: "Es ist zu eruieren, wie viele Schüler/innen und Fahrgäste den Bus im kommenden Schuljahr tatsächlich in Anspruch nehmen werden."

Dafür müsse man die ersten beiden Schulwochen abwarten und die Auslastung genau beobachten. Wo es erforderlich sei, wolle man zusätzliche Busse einsetzen. "Selbstverständlich ist auch dies abhängig von den Kapazitäten der verfügbaren Busse und Fahrer."

Thomas Klüh sieht übrigens kein so großes Gedränge in den Schulbussen seines Unternehmens. Mehr als die Hälfte des KOB-Fuhrparks bestehe aus 15-Meter-Bussen mit bis zu 65 Sitzplätzen. "Die Beförderung erfolgt bei uns sitzplatzorientiert; so eng sind die Schüler gar nicht beieinander."

Den Vorschlag der Grünen, den Unterricht in verschiedenen Klassen oder Schulen zeitversetzt beginnen zu lassen, kommentiert das Landratsamt so: "Bislang liegen uns vonseiten der Schulen in der Sachaufwandsträgerschaft und damit verbundener Schülerbeförderungspflicht des Landkreises (also weiterführenden Schulen) keine Informationen zu gestaffeltem Unterrichtsbeginn vor." Daher seien auch keine kurzfristigen Fahrplanänderungen notwendig.

Schließlich wird das Landratsamt den Schulen Hinweise zu den geltenden Hygienemaßnahmen im öffentlichen Nahverkehr zu Verfügung stellen. Diese sollen sie an Eltern und Schüler weitergeben.